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Situation im Iran eskaliert
15. Juni 2009 16:35; Akt: 16.06.2009 12:01 Print
Sicherheitskräfte schiessen auf Demonstranten
Iranische Sicherheitskräfte haben nach Angaben eines AP-Fotografen auf demonstrierende Anhänger des Reformkandidaten Mir Hossein Mussawi geschossen und mindestens einen Menschen getötet.

Mir Hossein Mussawi zeigt sich seinen jubelnden Anhängern. (Bild: AFP)
Als sich die Menge am Montag nach Einbruch der Dunkelheit aufzulösen begann, versuchte eine Gruppe Demonstranten, das Gebäude einer mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehenden Freiwilligenmiliz am Rand des Platzes in Brand zu stecken und zu stürmen. Daraufhin gaben Personen in dem Gebäude Schüsse auf die Demonstranten ab. Nach Angaben eines AP-Fotografen wurde ein Mensch getötet, mehrere weitere wurden schwer verletzt.
Anwohner berichteten, nach Einbruch der Dunkelheit seien in drei Quartieren der Hauptstadt wiederholt Schüsse zu hören gewesen. Auch der staatliche iranische Sender Press-TV berichtete von Schüssen während der Demonstration.
Erneut kam es gemäss Augenzeugen zu Schlägereien zwischen Anhängern von Präsident Mahmud Ahmadinedschad und der Opposition. Anhänger Ahmadinedschads hätten wieder von Motorrädern aus mit Stöcken auf ihre Gegner eingeschlagen.
Auf Fernsehbildern war zudem ein ausgebranntes Fahrzeug auf dem Gelände der Universität zu sehen. Eine gegenüberliegende Bank war ausgebrannt.
Mussawis erster Auftritt in der Öffentlichkeit
Zuvor hatten sich die offiziellen Sicherheitskräfte zurückgehalten, als trotz eines Verbots hunderttausende Anhänger von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi in Teheran protestierten. Mussawi trat dabei erstmals seit der Wahl öffentlich auf und forderte eine Wahlwiederholung. «Wir sind bereit, wieder an einer Präsidentschaftswahl teilzunehmen», sagte Mussawi am Montag in Teheran. «Die Wahl des Volkes ist wichtiger als die Person Mussawi oder irgendjemand anders», fügte der Herausforderer des ultrakonservativen Amtsinhabers Mahmud Ahmadinedschad hinzu. Der Auftritt Mussawis zusammen mit anderen Oppositionspolitikern war sein erster in der Öffentlichkeit seit dem Wahltag.
Tausende protestierten
Polizisten schätzten die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf 1,5 bis zwei Millionen, derweil Reporter der Nachrichtenagentur AFP von mehreren hunderttausend Demonstranten sprachen. Die Menschen versammelten sich trotz eines Verbots in der iranischen Hauptstadt. «Wir haben euch gewarnt, wenn ihr uns betrügt, machen wir euch das Leben zur Hölle», riefen die Demonstranten.
Sie werfen dem Innenministerium Wahlbetrug vor, um Ahmadinedschad so zum Sieg zu verhelfen. Er hatte nach offiziellen Angaben bei der Präsidentschaftswahl am Freitag fast 63 Prozent der Stimmen erhalten, Mussawi lediglich knapp 34 Prozent. Nach allen Vorhersagen war ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet worden.
Chamenei will Betrugsvorwürfe untersuchen
Das geistliche Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei ordnete unterdessen eine amtliche Überprüfung des Wahlergebnisses an. Eine ähnliche Überprüfung von Ahmadinedschads Wahlsieg 2005 durch den konservativen Wächterrat verlief ohne offizielles Ergebnis. Beobachter vermuten, dass Chamenei versuchen könnte, Zeit zu gewinnen, und auf ein Abflauen der Proteste hofft.
Die Berichte über die Gewalt im Iran lösten Besorgnis aus. «Das grundlegende Recht der Menschen, friedlich ihre Meinung auszudrücken, muss respektiert werden», sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums. Ähnlich äusserte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die EU sowie Berlin und Paris forderten den Iran auf, den Vorwurf der Wahlfälschung aufzuklären.
Quelle: SDA/AP




























