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Proteste im Iran
03. Juli 2009 15:15; Akt: 03.07.2009 15:53 Print
Mit Folter zu falschen «Geständnissen»?
von Peter Blunschi - Mit aller Gewalt versucht das iranische Regime, neue Proteste gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Keim zu ersticken. Menschenrechtler fürchten um das Schicksal der Verhafteten.

Im Fernsehen wurden bereits «Geständnisse» von Demonstranten ausgestrahlt. (Bild: Reuters)
Nach amtlichen Angaben sind bei den Protesten 20 Demonstranten getötet und 1032 weitere festgenommen worden. Der grosse Teil von ihnen sei wieder auf freiem Fuss, hiess es. Kritiker des Regimes glauben, dass die Zahl der Toten und Inhaftierten weit höher ist. Hunderte Journalisten, ehemalige Regierungsvertreter und Politaktivisten sind gemäss «New York Times» immer noch im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran eingesperrt. Und die iranischen Behörden gehen weiter gegen die Opposition vor.
Grafik der Toten und Inhaftierten auf der Website des «Guardian».
Als Alarmsignal wird die Verhaftung von Bijan Khajehpour interpretiert. Der von westlichen Medien häufig befragte Wirtschaftsexperte wurde nach seiner Rückkehr aus Grossbritannien inhaftiert. Nach Angaben von Politanalysten war er nicht in die Aktivitäten der Opposition involviert, so die «New York Times». Die Regierung hat zudem gemäss iranischen Medienberichten in den letzten Tagen hochrangige Beamte entlassen, die den Oppositionskandidaten Mir-Hossein Mussawi unterstützt hatten.
Journalisten und Blogger misshandelt
Menschenrechtler interpretieren diese Aktivitäten als Versuch, allfällige künftige Proteste im Keim zu ersticken. Amnesty International zeigte sich in einer Mitteilung «ernsthaft besorgt, dass verhaftete Oppositionsführer gefoltert werden könnten, um sie zu am Fernsehen übertragenen 'Geständnissen' zu zwingen». Dies als Vorstufe zu «unfairen Prozessen», in denen sie die Todesstrafe gewärtigen müssten.
Ein Indiz dafür ist das «Geständnis» eines kanadisch-iranischen Reporters des US-Magazins «Newsweek». Maziar Bahari habe zugegeben, im Auftrag westlicher Regierungen falsche Berichte geschrieben zu haben, eine Darstellung, die von «Newsweek» als «grotesk» zurückgewiesen wird. Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» beschuldigte die Behörden, sie hätten «mehrere Journalisten und Blogger brutal misshandelt».
«Guardian» listet Namen auf
Das Schicksal der Toten und Verhafteten soll jedoch nicht in Vergessenheit geraten. Der britische «Guardian» hat auf seiner Website alle vorhandenen Namen in Form einer Grafik und einer Tabelle aufgelistet. Er ruft zudem die weltweite Internet-Community dazu auf, weitere Namen zu liefern.



























