Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Trauerfeier
23. Dezember 2009 17:29; Akt: 23.12.2009 17:30 Print
Eskalation nach neuen Protesten im Iran
Neue Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften und Opposition im Iran: Nach Angaben von Regimekritikern wurden am dritten Tag der Trauerfeier für den verstorbenen Grossajatollah Hussein Ali Montaseri Dutzende Menschen festgenommen und zahlreiche weitere verletzt.
-
Atomstreit: USA drohen Iran mit neuen Sanktionen
-
Trauer um Regimekritiker: «Tod dem Diktator»
-
Trauer um Regimekritiker: Zusammenstösse bei Beerdigung Montaseris
-
Tod von Hossein Ali Montaseri: Tausende Iraner trauern um Ikone der Opposition
- Dossiers
-
Krise im Gottesstaat
- Was meinen Sie?
-
Politisches System des Iran
-
Timeline Iran
Die Reformbewegung berichtete von schweren Auseinandersetzungen in den zentraliranischen Städten Isfahan und Nadschafabad. Wie die Oppositions-Website Rahesabz meldete, versuchte die Polizei am Mittwoch die Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Regimekritiker Montaseri in einer Moschee in Isfahan aufzulösen.
Bereits am Montag ist es anlässlich der Trauerfeiern für den verstorbenen Grossajatollah Hussein Ali Montaseri zu den Auseinandersetzungen gekommen.
Hunderte Uniformierte und Sicherheitskräfte hätten das Gebäude am Morgen umstellt und Trauernde am Eintreten gehindert, berichtete Rahesabz. Daraufhin sei die Lage eskaliert. «Die Sicherheitskräfte haben die Menschen, darunter Frauen und Kinder, mit Schlagstöcken, Ketten und Steinen geschlagen», hiess es. Zahlreiche Menschen seien verhaftet und verletzt worden.
Journalisten festgenommen
Die Webseite der iranischen Minderheitsfraktion im Parlament, Parlemannews, berichtete, über 50 Menschen seien festgenommen worden, darunter vier Journalisten.
Auch aus Montaseris Geburtsstadt Nadschafabad wurden Proteste gemeldet. Die Lage in der Stadt sei gespannt. Eine unabhängige Überprüfung der Berichte der Opposition war nicht möglich. Ausländische Journalisten dürfen nicht direkt über Proteste der Reformbewegung berichten, die der Regierung die Fälschung der Präsidentenwahl vom 12. Juni vorwirft.
Repression verschärft
Bereits am Montag hatte es in der heiligen Stadt Ghom Zusammenstösse zwischen Oppositionellen und Sicherheitskräften bei der Beerdigungsfeier für Montaseri gegeben. Der im Alter von 87 Jahren gestorbene Geistliche war ein scharfer Kritiker des umstrittenen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
Am Dienstag griffen in Ghom rund tausend Mitglieder der regierungstreuen Bassidsch-Miliz das Haus des Grossajatollah Yussef Sanei an. Er gilt als möglicher Nachfolger Montaseris. Nach Angaben reformorientierter Kräfte gingen bei dem Angriff Fensterscheiben zu Bruch. Einige Mitarbeiter des Geistlichen seien verletzt worden.
Polizeichef Esmail Ahmadi Moghadam kündigte auch für die Zukunft ein hartes Vorgehen gegen die Oppositionellen an. Mit weiteren Demonstrationen ist am Sonntag zu rechnen, wenn die Schiiten, die im Iran die übergrosse Mehrheit der Bevölkerung stellen, das politisch bedeutende Aschura-Fest begehen.
Prozess gegen Französin verschoben
Der Prozess gegen die französische Lektorin Reiss wurde am Mittwoch nach einer dreistündigen Anhörung verschoben, wie ihr Anwalt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Fars sagte. Er habe dem Richter zahlreiche Fragen beantwortet, um seine Klientin zu verteidigen. Der letzte Teil der Plädoyers werde bei der nächsten Anhörung gehalten.
Reiss, die als Dozentin an der Universität Isfahan gearbeitet hatte, war am 1. Juli im Iran festgenommen worden. Die iranische Justiz wirft ihr vor, die «Aufrührer» der Proteste ermutigt zu haben. Sie hatte Bilder von den Protesten gemacht und diese per E-Mail an Freunde geschickt. Mitte August konnte Reiss gegen Kaution das Gefängnis verlassen und steht seitdem in der französischen Botschaft in Teheran unter Hausarrest.
(sda)


























