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Proteste im Iran
08. Juli 2009 15:27; Akt: 08.07.2009 16:01 Print
Foto bringt junge Französin ins Gefängnis
von Peter Blunschi - Sie machte ein Foto von den Protesten im Iran und mailte es an ihre Freunde. Jetzt sitzt die junge Französin Clotilde Reiss wegen «Spionage» in Teheran im Gefängnis. Präsident Nicolas Sarkozy ist empört.
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Verhängnisvolles E-Mail: Französin im Iran festgenommen
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«Politik ist nicht ihre Sache, ihr geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen», erzählte eine Freundin von Clotilde Reiss der Zeitung «Le Figaro». Nun aber sitzt die 23-jährige Französin im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran, wie zuvor die amerikanisch-iranische Journalistin Roxana Saberi und wie zahlreiche Regimekritiker, die während der Proteste gegen die Präsidentschaftswahl verhaftet wurden.
Clotilde Reiss in einer Aufnahme von Dezember 2008.(Bild: AFP)
Praktisch aus dem Flugzeug heraus wurde Clotilde Reiss am 1. Juli verhaftet – nach einem fünfmonatigen Aufenthalt als Französischlehrerin an der Universität von Isfahan wollte sie nach Hause zurückkehren. Der Vorwurf: Spionage. Der Grund: Sie soll mit dem Handy eine Protestkundgebung fotografiert und das Bild per Mail an Freunde in Teheran geschickt haben. Ist die junge Französin ein Opfer ihrer Naivität oder der gespannten Beziehungen zwischen Iran und dem Westen nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste?
Fasziniert vom Iran
Fremd ist ihr das Land jedenfalls nicht. Gemäss der besagten Freundin wurde ihr Interesse durch ein iranisches Kindermädchen geweckt. Clotilde Reiss spricht fliessend Farsi und hat an der Universität Lille unter anderem persische Literatur studiert. Vor einem Jahr schloss sie mit dem Master ab, zur Vorbereitung hatte sie vier Monate als Gast des Institut français vor Ort recherchiert. Nun kehrte sie zurück, um in Isfahan zu unterrichten. Sie bewohnte gemäss «Le Figaro» allein ein kleines Appartement im armenischen Viertel und hat sich nach Angaben von Freunden schnell eingelebt.
Ihre Literaturdozentin Leili Anvar schilderte Clotilde Reiss gegenüber der «Libération» als «sehr intelligent, sehr engagiert und sehr zielstrebig». Den Spionagevorwurf bezeichnete sie als grotesk: «Clotilde eine Spionin? Wäre es nicht so tragisch, dann wäre es komisch.» Auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy bezeichnete die Anschuldigungen am Dienstag als «totale Einbildung» und die Festnahme als «vollkommen inakzeptabel».
Aussenminister Bernard Kouchner sagte, die junge Frau habe wie Millionen Iraner die Proteste verfolgt. Frankreich strebe eine schnelle Lösung des Problems an. Das schwierige Verhältnis der beiden Länder könnte sich dabei als Hindernis erweisen. Am Donnerstag soll der französische Botschafter Clotilde Reiss erstmals im Evin-Gefängnis besuchen. Leili Anvar macht sich grosse Sorgen: «Nach dem, was ich darüber weiss, möchte ich keine 24 Stunden dort verbringen. Und sie ist bereits seit einer Woche dort.»


























