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Japan
12. Oktober 2009 14:33; Akt: 12.10.2009 15:21 Print
Mit Samurai durch die Krise
Samurai sind in Japan derzeit Kult - ob als Videospiel, auf Kinoleinwänden oder in Manga-Comics. Im krisengeplagten Land haben die Schwerter schwingenden Kriegsfürsten eine Popularität erreicht, von der Herrscher der Gegenwart nur träumen können.

Die zurzeit angesagtesten Samurai: Oda Nobunaga (l.) und Date Masamune
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Von der Finanzkrise zur Wirtschaftskrise
Biographien der mittelalterlichen Kämpfer erzielen Verkaufsrekorde, die Familienwappen der Clans sind als Glücksbringer begehrt und Legionen von Fans belagern ihre Burgen. Ob als Hintergrundbild auf dem Handy-Display oder als Stars in Historiendramen im Fernsehen - mit den Samurai sind Umsatz und Quote in Japan derzeit garantiert.
Grund für den Kult um die martialischen Krieger ist nach Ansicht von Experten die Politikverdrossenheit und Unsicherheit der japanischen Gesellschaft in der Krise. Sie stellen auch eine Sehnsucht nach starken Führungspersönlichkeiten fest: Die Politik der beiden japanischen Parteien gilt als farblos.
Zudem herrscht in Japan nach der Wirtschaftskrise Rezession. In Krisenzeiten «suchen die Leute starke Symbolfiguren, auf die sie ihre Ideale projizieren können», sagt Hideki Nakagawa. Der Soziologe an der Nihon-Universität gilt als Experte für Popkultur.
Suche nach Fleischfressern
Als junge Frauen ihre Vorliebe für die japanischen Ritter entdeckten, wurde aus dem Trend unter Videospiel-Freaks ein wahrer Mainstream-Kult. «Die Samurai-Krieger waren anders als die leidenschaftslosen, kaltäugigen japanischen Männer von heute. Sie hoben sich von der Masse ab wegen ihrer starken Persönlichkeiten», sagt der Medienforscher Ichiya Nakamura von der Keio-Universität.
In einer Gesellschaft, in der Meinungsforscher den «passiven Pflanzenfresser» als neuen männlichen Bevölkerungstypus identifizieren, suchten Frauen nach Nakamuras Ansicht den «Super-Fleischfresser».
«Wenn die Verbraucher frustriert sind durch Stagnation und sogar Rezession, wächst ihre Faszination für Figuren, die diese Stagnation aufbrechen könnten», sagt der Verbraucherforscher Yoshiya Nomura.
Für Gerechtigkeit
In einem auf Samurai-Bücher spezialisierten Laden schwärmt eine 17-Jährige, die japanischen Ritter hätten sich «für Gerechtigkeit und zum Schutz des Volkes» geopfert. Inzwischen aber diene «Politik nur noch den Interessen der Politiker».
«Wir leben in einer Zeit, der es an resoluten Politikern mangelt», sagt auch der 39-jährige Fumikazu Oyama. Er schaut sich in einem Buchgeschäft um, das sich auf die Sengoku-Zeit (Zeit der streitenden Reiche) des 15. bis 17. Jahrhunderts spezialisiert hat. «Die heutigen Politiker verschleppen und verschieben die Lösung der Probleme nur», sagt er. «Japan wird es noch schlechter gehen, wenn dies so weitergeht.»
Über 500 Millionen Euro
Die zurzeit angesagtesten Samurai sind Oda Nobunaga, der im 16. Jahrhundert Japan erstmals weitgehend vereinigte, und der als «Einäugiger Drache» bekannte Date Masamune, berühmt für seinen Helm mit klingenähnlichem Halbmond. In der Tokioter Buchhandlung Jidaiya wurden nach Angaben einer Sprecherin in den vergangenen zwölf Monaten zehn Mal mehr Samurai-Biographien verkauft als sonst.
Gut 510 Millionen Euro im Jahr ist der Samurai-Kult wert, wie der der Wirtschaftsexperte Toshihiro Nagahama vom Forschungsinstitut Dai-ichi Life errechnet hat. Gefördert haben den Kult vor allem Videospiele, TV-Serien und Berichte über Samurai in Zeitschriften.
(sda)


























