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Phänomen Jugendgewalt
11. August 2011 22:50; Akt: 11.08.2011 22:18 Print
Tätern fehlt Platz in der Gesellschaft
von Marcel Amrein - 13-Jährige, die prügeln, stehlen und brandschatzen: Nicht nur in England ist die Jugend ausser Rand und Band. Der Psychologe Allan Guggenbühl nennt Orientierungslosigkeit als Grund.
Herr Guggenbühl, was ist mit den Jugendlichen in England los?
Allan Guggenbühl: In England entladen sich lang aufgestaute Frustrationen. Die Klassengesellschaft beraubt auch heute noch viele Jugendliche ihrer Zukunftsperspektiven. Weil sie in ihrem Leben keinen Wert und keine Aufgabe sehen, gehen sie jetzt auf sinnlose Krawalltouren.
Müssen wir uns auch in der Schweiz auf plündernde und brandschatzende Teenager-Banden gefasst machen?
Nein. Wir haben viel bessere Mechanismen, um schwierigen Jugendlichen einen Platz in der Gesellschaft zuzuweisen. Gold wert sind etwa unsere Berufslehren – sie lassen uns viel besser dastehen als Länder, in denen man nur mit einem Studium zu etwas kommen kann.
Jugendpsychologe Allan Guggenbühl.
(Bild: Keystone)
Konferenz zur Alltagsgewalt
Psychologe Allan Guggenbühl wird am 25. August an der «Konferenz zur Gewalt in der Gesellschaft» in Luzern zum Thema Jugendgewalt referieren. Im Zentrum der Veranstaltung stehen Strategien und Massnahmen, die auf die Reduzierung der Alltagsgewalt hinzielen. Hinter der Konferenz, an der auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga teilnimmt, stehen die Luzerner Initiative für Frieden und Sicherheit und das Sicherheitspolitische Forum Zentralschweiz.
Aber auch bei uns wird Jugendgewalt zunehmend virulent. Wie sieht der typische jugendliche Gewalttäter bei uns aus?
Er durchlief eine problematische Schulkarriere, hatte zu Hause keine männliche Bezugsperson und ist desorientiert – er weiss nicht, was er mit sich selber anfangen soll.
Schockierend ist die oft hemmungslose Brutalität dieser jungen Täter. Woher kommt das?
Neurologisch kann man sagen, dass bei Jugendlichen die sogenannten Frontallappen des Gehirns noch nicht ausgereift sind. Das bedeutet, dass sie eine verminderte Affektkontrolle haben und zu Regelverstössen neigen.
Heisst das, wir müssen Jugendgewalt einfach akzeptieren?
Auf keinen Fall. Natürlich, Jugendliche waren schon immer mühsam. Früher hat man sie in Kriege oder in die Kolonien geschickt. Heute müssen wir neue Formen finden, wie wir mit ihnen umgehen.




























