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Kachelmann vor Gericht
06. September 2010 10:41; Akt: 07.09.2010 09:29 Print
Paukenschlag zum Prozessbeginn
von Amir Mustedanagic, Mannheim - Nach fünf Minuten vertagte das Gericht den Prozess gegen Kachelmann. Für grosses Aufsehen sorgte der überraschende Auftritt des mutmasslichen Opfers.
Es ist nicht der erwartet spektakuläre Prozessbeginn gewesen: Statt einer Aussage von Jörg Kachelmann legten seine Verteidiger Beschwerde wegen Befangenheit gegen zwei Richter ein. Grund: Richter Michael Seidling hatte im Vorfeld Sabine W. in einem Zeitungsartikel als «Opfer» und nicht als «mutmassliches Opfer» bezeichnet.
Nichts wird dem Zufall überlassen: Das RTL-Team brachte sich am Sonntag bereits vor dem Gericht in Position
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Jörg Kachelmann im Visier der JustizKachelmann ist frei
Infografik
Der Fall Kachelmann
Findet der Prozess erst 2011 statt?
«Der klassische Fall von Befangenheit ist, wenn der Richter ‚Täter’ statt ‚mutmasslicher Täter’, sagt Jürgen Möthrath, Fachanwalt Strafrecht und Präsident des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte. Der Vorwurf der
Verteidigung Richter Michael Seidling habe «Opfer» statt «mutmassliches Opfer» gesagt, «könnte knapp reichen», so Möthrath. «Letztlich hängt es aber vom kompletten Antrag der Verteidigung ab.» Der Beschwerdeantrag umfasst 250 Seiten und wird von einer Ersatzkammer im Verlaufe der Woche geprüft. Wie die Chancen der Verteidigung stehen, sei ohne Akteneinsicht schwierig zu beurteilen, so Möthrath weiter. Sollte das Gericht allerdings Richter Michael Seidling oder Richterin Daniela Bültmann als befangen betrachten, wird der Prozess wohl aufs nächste Jahr verschoben, wie Möthrath sagt. «Die neuen Richter müssten sich einarbeiten, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.»
Der Auftritt von Sabine W.
Die Überraschung des Tages war aber nicht der Prozessunterbruch, sondern das Auftauchen von Sabine W. In schwarzem Sakko und violetten Hosen erschien das mutmassliche Opfer Sabine W. im Gerichtsaal. Kurz nach neun Uhr nahm die attraktive Blondine neben ihrem Anwalt Platz.
Die Verblüffung war gross: «Ist sie das?», zischte es mehrmals durch den Saal. Die 37-Jährige rang sichtlich um Fassung. Der Gesichtsausdruck war angestrengt und wirkte dadurch eigenartig starr. Kein Wunder: Es war die erste Konfrontation mit Jörg Kachelmann seit der verhängnisvollen Nacht im vergangenen Februar. Alice Schwarzer, die für «Bild» den Prozess wöchentlich kommentieren wird, war beeindruckt von der Tatsache, dass das mutmassliche Opfer im Saal sass. «Damit demonstriert sie: Hier bin ich, ich bin stark, ich verstecke mich nicht», so Schwarzer gegenüber der Boulevardzeitung.
Kachelmann mit blauer Weste
Der angeklagte Jörg Kachelmann überliess am ersten Prozesstag nichts dem Zufall: Frisch rasiert erschien er mit neuer Frisur und blauem Anzug vor dem Gericht. Unter Salven der Fotografen nahm der Wettermoderator neben seinem Verteidiger Platz. Mit ernster Mine sass er auf der Anklagebank. Die Anspannung war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Nur einmal huschte ein Höflichkeitslächeln über sein Gesicht, als er den Gutachter der Verteidigung, Bernd Brinkmann, begrüsste.
Gigantischer Druck auf Staatsanwaltschaft
Vor allem der Auftritt von Brinkmann machte deutlich, unter welchem Druck die Staatsanwalt und das Gericht stehen: Brinkmann sollte auf Wunsch der Verteidigung neben den restlichen vier Gutachtern vor Ort Platz nehmen, der Staatsanwalt legte allerdings dagegen sein Veto ein. «Der Gutachter gehört nicht zu den offiziellen Gutachtern des Gerichtes und deshalb nicht auf die Anklageseite.» Schliesslich platzierte ihn der Richter neben dem Opferanwalt. Das Schauspiel gab deutlich den Takt für die kommenden Prozesstage bekannt. Vor Gericht werden sich die Parteien nichts schenken.
Muss der Richter sein Pult räumen?
Nun gilt die Aufmerksamkeit aber zunächst der Ersatzkammer des Gerichts: Experten hatten im Vorfeld bereits einen Befangenheitsantrag für möglich gehalten, allerdings wurden die Erfolgschancen als gering eingestuft. Spätestens am Freitag sollte klar sein, ob der Richter ersetzt werden würde oder nicht.
Es ist nicht anzunehmen, dass der – wie das Gericht sagt - «noch nie da gewesene Ansturm» am kommenden Montag kleiner wird. Im Gegenteil, nachdem der erste Prozesstag so schnell beendet wurde, steigt die Spannung auf die weitere Strategie von Kachelmanns Verteidigern.
Der Opferanwalt Thomas Franz wollte sich zum Prozess nicht äussern: «Wir führen den Prozess nicht in den Medien, sondern ausschliesslich vor dem Gericht.» Ob seine Mandantin auch zum zweiten Tag erscheint, liess der Rechtsanwalt eben so offen. Man darf gespannt sein.
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Alle 36 Kommentare






























Traurig
Das traurige ist, dass sich vermutlich nicht mal Kachelmann selbst klar ist, was da gespielt wird. Noch viel trauriger, die tausenden von Leute, die auf ein Schauspiel aufspringen, dass seines gleichen sucht. Ich bin auf alle Faelle gespannt ob irgendwann rauskommt, was Kachelmann ausversehen festgestellt hat oder eben nicht. Vielleicht erfahren wir es irgendwann. Aber da Kachelmann nun ruhig gestellt ist, sollte 20min vielleicht mal wieder ueber die Vergewaltigung von Assange berichten.
ungerecht
ich frage mich auch warum die Klägerin "anonym" bleiben darf, während Kachelmann durch die Medien geschleift wird. DAs ist ungerecht. Ich wünsche ihm viel Glück für den Prozess
Frau
Ich denke, es ist ein Racheakt. Schade dass es Hass gibt. Man sollte verzeihen können.Er hat seine Strafe schon bekommen, sein Leben ist für immer ruiniert. Auch die Anklägerin wird ihre Strafe bekommen.Er mag schon mehrere Frauen gehabt haben aber das muss er mit seinem Gewissen verantworten.