Frei nach vier Monaten

29. Juli 2010 13:22; Akt: 30.07.2010 12:28 Print

Kachelmann ist draussen und schweigtKachelmann ist draussen und schweigt

von Amir Mustedanagic - Ein sichtlich entspannter Jörg Kachelmann hat das Gefängnis in Mannheim verlassen. Gesagt hat er allerdings kein Wort.

Bildstrecke im Grossformat »

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Kurz nach 13.30 Uhr war der grosse Moment endlich da: Die Türen der Justizvollzugsanstalt Mannheim gingen auf und Jörg Kachelmann betrat nach fast viereinhalb Monaten Haft die Freiheit. Entspannt und mit einem sanften Lächeln trat der Wettermoderator durch die Tür. Vor den Augen von Dutzenden Journalisten und Schaulustigen drehte sich Kachelmann nochmals um und umarmte einen Gefängnis-Beamten. Entgegen den Erwartungen der Medien blieb Jörg Kachelmann still. In einem weissen Shirt und offensichtlich mit ein paar Kilo weniger auf den Rippen, stellte sich der Moderator strahlend neben seinen Anwalt, der eine Erklärung abgab.

«Die Unschuldsvermutung gilt wieder, die Rechtsstaatlichkeit ist zurückgekehrt», sagte ein sichtlich erleichterter Reinhold Birkenstock. Er und sein Mandant würden sich nun in aller Ruhe dem Hauptverfahren widmen. Während des kurzen Auftritts huschte ein Lachen über Kachelmanns Gesicht. Der Moderator hatte sich offenbar auf die Medienmeute vorbereitet. Er war frisch rasiert und machte einen gefassten, ja gelassenen Eindruck. Was nach über vier Monaten Haft keine Selbstverständlichkeit ist. Anwalt Birkenstock bedankte sich im Namen seines Mandanten bei allen, die Jörg Kachelmann «auf diesem harten Weg beistanden».

Prozessbeginn könnte sich nun verschieben

Zudem bedanke sich Kachelmann bei allen Angestellten der JVA und den Mithäftlingen für die «gute Behandlung», so der Anwalt weiter. Nach der kurzen Erklärung verschwanden Kachelmann und Birkenstock in einem dunklen Range Rover unter Zurufen und Johlen von zahlreichen Schaulustigen, die sich vor dem Gefängnis versammelt hatten. Der Wettermoderator ist «nun ein freier Mann», wie sein Anwalt betonte. Er könne hingehen, wohin er wolle.

Zu verdanken hat Kachelmann seine Freiheit dem Oberlandesgericht Karlsruhe. Es hat der Haftbeschwerde seiner Anwälte stattgegeben und eine «sofortige Freilassung» angeordnet. In Freiheit bleibt Jörg Kachelmann zumindest bis zum Prozess. Ob dieser noch wie bisher angekündigt am 6. September beginnt, ist fraglich, wie das Landgericht Mannheim in einer Pressemitteilung schreibt. Das Gericht konkretisierte gegenüber der Nachrichtenagentur, dass möglicherweise andere Haftsachen vorgezogen werden müssten, weil der Angeklagte nun nicht mehr in Haft sei und deshalb keine Dringlichkeit bestehe.

Stundenlange Belagerung der JVA Mannheim

Nach der Ankündigung von Kachelmanns Freilassung am Morgen hatten sich vor der Justizvollzugsanstalt Mannheim Dutzende Journalisten und Schaulustige versammelt. Die Medienleute belagerten den Eingang stundenlang in der Hoffnung, der Moderator würde jeden Moment durch die Türe kommen. Dessen Anwalt hatte zwar bereits angekündigt, sein Mandant werde sich nicht äussern. Doch die Medienvertreter hofften, dass Kachelmann nach dem «wegweisenden Entscheid» des Oberlandesgerichtes – wie Experten die Freilassung nannten – ein kurzes Statement abgeben würde.

Es wäre ein Zeichen an die Öffentlichkeit gewesen, dass er nicht schuldig sei. Kachelmann hatte bereits bei seinem ersten Auftritt vor Gericht den Medienauflauf genutzt, um seine Unschuld zu beteuern. Da nun das Oberlandesgericht Karlsruhe den «dringenden Tatverdacht» als nicht mehr gegeben sieht und Zweifel am angeblichen Opfer hat, standen die Chancen für ein Statement des Moderators gut. Doch offenbar wollten die Anwälte so kurz vor dem Prozessbeginn kein Risiko eingehen, mit irgendwelchen Aussagen das Verfahren zu gefährden.

Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Video: Kachelmann verlässt nach über vier Montaten U-Haft die JVA Mannheim.


Die Presseerklärung des Oberlandesgerichts Karlsruhe: «Haftbeschwerde hat Erfolg»

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • silvi am 31.07.2010 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    schade

    er wird es als freier Mann probleme mit Freundschafften haben ,die Frauen werden ihn meiden und auf die Knastfreunde er wird er sich nicht verlassen können.

  • M.S. am 30.07.2010 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Aussagen in öffentlichem Forum

    Ich finde es unglaublich, was für Aussagen hier teilweise gemacht werden. Dabei war niemand von uns und dieses öffentliche Forum ist auch kein privater Kaffeeklatsch. Gründe für die Freilassung kann es mehrere geben und man weiss zurzeit nicht 100 prozentig, wer hier Täter und wer Opfer ist. Wer hier der Frau einen Racheakt unterstellt, begeht im Grunde genommen eine Verleumdung, sollte es sich herausstellen, dass sie das Opfer ist.

    • JM am 30.07.2010 20:14 Report Diesen Beitrag melden

      Urteil vor der Verurteilung

      Menschen bilden nun mal Meinungen, die alles oder nichts bedeuten. Viele Kommentatoren mögen dem K.-mann recht geben, andere der Frau. Andere wiederum nutzen das Forum, um zu schildern wie es wirklich steht, dass man als mann i.d. Regel schlechte Karten gegenüber einer Frau hat. Siehe mein Beitrag ein paar Zeilen weiter unten. Ob sich wirklich jemals die ganze Wahrheit offenbaren wird im Fall k.-mann, weiss keiner, aber die Tendenz spricht eher nicht gegen ihn, von dem, was man bisher weiss. Aber, weiss man auch alles?

    einklappen einklappen
  • Sanny am 30.07.2010 06:35 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Jeder ist so lange unschuldig - bis seine Schuld bewiesen ist...

    • Eidgenosse am 30.07.2010 19:43 Report Diesen Beitrag melden

      Unschuld

      so isses oder so sollte es sein, wer in einem "Schurkenstaat" inhaftiert wird hat eben Pech gehabt....

    einklappen einklappen