TV-Talkrunden

31. Mai 2011 11:42; Akt: 31.05.2011 11:55 Print

Kachelmann-Anwalt ausgeladen

Nach dem Urteil im Fall Jörg Kachelmann sammeln sich seine Gegner und Fürsprecher, um im Fernsehen um die Deutungshoheit zu kämpfen. Alice Schwarzer hat bereits vorab einen Sieg errungen.

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Kachelmann ist definitiv freigesprochen. Staatsanwalt und Nebenklägerin zogen ihre Anträge auf Revision zurück. . Das Landgericht Mannheim hat den Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nach Auffassung der Richter reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus. Das Urteil wurde im Gerichtssaal mit Jubel aufgenommen. Es ging ein Aufschrei durch das Publikum. Schon Stunden vor dem Urteilsspruch hatten sich über hundert Menschen vor dem Gericht versammelt, um eingelassen zu werden. Die Verteidigung hatte im Plädoyer den Freispruch für Jörg Kachelmann gefordert. Das mutmassliche Opfer habe aus Rache und Hass gelogen, sagte die Rechtsanwältin Andrea Combé vor dem Landgericht Mannheim. Wegen fehlender objektiver Beweismittel stehe Aussage gegen Aussage. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung der 38-jährige Radiomoderatorin Sabine W. gefordert. dem vorletzten Prozesstag, gibt die Staatsanwaltschaft intime Details über den Wettermoderator preis und hält ihn weiter für schuldig. Am 41. Prozesstag, am gab Kachelmann vor Gericht bekannt, dass er während des Prozesses die Studentin Mirjam geehelicht hat. Jörg Kachelmann hat das Steuer übernommen: Zur fuhr der Wettermoderator selbst vor. Die Schweizer Zeugin wurde in Zürich von der Staatsanwaltschaft I befragt. Die ehemalige Freundin von Kachelmann ist von vertreten worden. Über ihre Aussage wollte der Anwalt keine Auskunft geben. Die Befragung sei aber gesittet gewesen, so Landmann. Die deutschen Medien hatten die Frau zu einer Belastungszeugin für den Wettermoderator hochgeschrieben. «Diese Schilderungen waren teilweise falsch und verletzend für meine Mandantin», so Landmann vor den Medien. Der neue Mann an Jörg Kachelmanns Seite: für den Wettermoderator im Rampenlicht. Seine bisherigen Verteidiger Klaus Schroth und Reinhold Birkenstock wurden per sofort vom Mandat entbunden. war kurz und bündig: «Ich habe der 5. grossen Strafkammer des Landgerichts Mannheim heute angezeigt, dass ich nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann bin», schrieb er den Medien. Kachelmann hatte sich entschieden von Johann Schwenn zu vertreten zu werden. Mit Birkenstock musste auch Verteidiger Klaus Schrott gehen. mit ihrem Anwalt vorfuhr, hielt sie sich ein Buch vor das Gesicht. Titel: «Der Soziopath von nebenan». Die Suche nach Antworten einer verzweifelten Frau? Ein Zeichen an die Öffentlichkeit? Sicher ist: Vor der entscheidenden Phase des Prozesses kein Zufall. Runde 10 im Prozess gegen Jörg Kachelmann: der an Jörg Kachelmann ging und eine Zeugin versprach, die den Wettermoderator entlasten könnte. Jörg Kachelmann trifft am beim Bezirksgericht Mannheim ein. benutzt Kachemlmann (links) einen Hintereingang, um ins Gerichtsgebäude zu gelangen. Neben ihm sein Anwalt Ralf Höcker. Kachelmann am Landgericht Mannheim. Statt einer Verhandlung wurde gleich vertagt. Für Überraschung sorgte Kachelmanns mutmassliches Opfer. die Kachelmann schwere Vergewaltigung vorwirft, erschien ebenfalls vor Gericht. Aussagen muss sie aber erst später. Kachelmann und seine Verteidiger haben am ersten Prozesstag (6.9.2010) jedoch alle verblüfft: Zum Prozessauftakt haben sie einen gegen zwei Richter gestellt. Die Richter mussten die Sie wird nun am Montag, 13.9. weitergeführt. Mit dieser Entwicklung hatten am Montagmorgen, 6.9.2010, wohl nicht gerechnet, als sie kurz nach neun Uhr Platz nahmen. rechts neben den Richtern, kurz bevor der Befangenheitsantrag gestellt wurde. Der Prozess gegen Kachelmann war auch ein Medienprozess. nahmen am Prozess teil. die Verteidiger von Kachelmann. Zuvor war der Wettermoderator angereist. Der Prozess gegen den Wettermoderator war am ersten Prozesstag ein gewaltiges standen zahlreiche Schaulustige vor dem Landgericht Mannheim Schlange. Die war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Sie sind alle gekommen, um den Prozess gegen diesen Mann zu sehen: Jörg Kachelmann. Dieses Bild zeigt, wie er wurde. Dem 52-Jährigen wird besonders vorgeworfen. Nach seiner Verhaftung am Flughafen in Frankfurt am 20. März ... in der Dort hat er gemäss seinen eigenen Angaben auch gefunden. Bei seinem glaubte man noch, der Wettermoderator bleibe nur kurze Zeit in Haft. Schon damals betonte Kachelmann gegenüber den Medien:

Das Landgericht Mannheim hat den Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Damit ging einer der spektakulärsten Prozesse der letzten Jahre nach 43 Verhandlungstagen zu Ende.

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Alice Schwarzer hat für die «Bild» den Prozess gegen Jörg Kachelmann begleitet – und sich mehr oder weniger offen gegen den Schweizer gestellt. Wie viel Macht die Kolumnistin hat, manifestiert sich am Abend nach der Urteilsverkündung am 31. Mai 2011: Die Feministin sorgte dafür, dass Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn bei «Menschen bei Maischberger» entgegen dem Willen der ARD-Redaktion ausgeladen wurde.

Kein Bock auf Hennenkampf

Der Advokat wäre mit einem ehemaligen Mandaten gekommen: Der frühere Klient war trotz Unschuld wegen Vergewaltigung verurteilt worden, bevor Schwenn eine Wiederaufnahme des Verfahrens und später einen Freispruch erwirkte. Wie das Presseportal «Meedia» berichtet, sollte ausserdem Zeit-Gerichtsreporterin Sabine Rückert an der Runde teilnehmen. Alice Schwarzer hatte der Kollegin des Hamburger Wochenblatts Parteilichkeit zugunsten Kachelmanns vorgeworfen - und schliesslich wurde auch sie ausgeladen.

«Zum einen schien mir das dann doch ein bisschen viel Schwenn-Fraktion», begründete die «Emma»-Herausgeberin ihre TV-Opposition, «zum zweiten möchte ich den Eindruck eines ‹Hennenkampfes› vermeiden», sagte sie gegenüber «Meedia». Die Anspielung bezieht sich auf Schwarzers Differenzen mit «Spiegel»-Reporterin Gisela Friedrichsen: Den Frauen wurde vorgeworfen, einen Zickenkrieg zu führen.

Schweizer Kompromisskandidaten

Nach Informationen des Medienportals DWDL lehnte Schwarzer auch einen Kompromissvorschlag ab, nach dem der Schweizer «Tages-Anzeiger»-Journalist Thomas Knellwolf die «Zeit»-Kollegin Rückert ersetzen sollte. Nun muss Moderatorin Sandra Maischberger neben Alice Schwarzer mit einem anderen Schweizer vorlieb nehmen: Roger Schawinski ist um 22.45 Uhr zu Gast in der ARD. Schauspielerin Ingrid Steeger, die selbst Opfer einer Vergewaltigung war, und Staatsanwältin Gabriela Piontkowski, die gegen Gewalt gegen Frauen kämpft, runden die Runde ab.

Freuen kann sich über Schwarzers Intervention Markus Lanz: Der ZDF-Talker empfängt nun an Stelle der ARD Anwalt Schwenn und dessen Ex-Mandanten sowie «Spiegel»-Gerichtskoryphäe Gisela Friedrichsen. Das SF hat keine Sondersendung im Programm. Das Thema im «Club» auf SF1 um 22.20 Uhr: «Polizistenmord im Emmental».

(phi)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 31.05.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    nur Menschen

    Frauen sind nicht immer nur die Opfer! Frauen sind keine besseren Menschen als die Männer, vergesst das mal! Mensch ist Mensch, egal ob Männlich oder Weiblich! Beide können brutal sein, haben aber eigene Waffen. Der Mensch ist nicht perfekt, hört endlich auf den idealen Menschen zu suchen, den gibt es nicht! Akzeptiert den Menschen wie er ist: unvollkommen! Tragödien, Brutalität und Tod gehen Hand in Hand mit dem Menschen! Und je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, umso mehr hält der Wahnsinn Einzug!

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  • P. P. am 31.05.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechtigkeit besser dulden

    Es wäre klüger, wenn es die Ex-Freundin nun lassen würde - auch wenn er "Dreck am Stecken" hat... sie würde ihr Leben noch mehr ruinieren

  • hoketo am 31.05.2011 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ein "Freispruch 2. Klasse"?

    Man hat Kachelmann die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht beweisen können. Somit hat er als unschuldig zu gelten. Wie hätte er Überhaupt seine Unschuld beweisen können, wo ja überhaupt nicht strittig war, dass er und die Klägerin zusammen waren? Selbst mögliche Blessuren, wie sie bei S/M-Praktiken, die auch von keiner Seite betrsitten wurden, auftreten können, wäre kein Beweis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche am 02.06.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Justiz hat definitiv geschlampt

    Mit der heutigen Technik lässt sich heutzutage fast alles aufklären. Bei der KTU können Schnittstellen am Körper vom Messer rekonstruiert werden. Dann gibts noch DNA-Analysen und sonstige Mittel die den Fall aufdecken können. Kachelmann blieb extrem ruhig. Der wirkt nicht nervös. Die Körpersprache verrät vieles. Und die Medien: die reinste Aufpuscherei (wieder mal typisch)!

    • H. Bakuk am 06.06.2011 04:39 Report Diesen Beitrag melden

      Tatsächlich, K. blieb extrem ruhig

      Nach einer ersten Aussage verweigerte er jede weitere. Hoffen wir, seine Körpersprache wurde vom Gericht ausreichend berücksichtigt.

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  • Colette Greder am 02.06.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jede(r) kriegt was er/sie verdient!

    Alle haben's gekriegt: die Medien Ihre Auflagen, der Wetterfrosch seine lebenslange Strafe (trotz Freispruch), die langjährige Geliebte (und vermeintliches Opfer) Ihre Rache UND Strafe. Die involvierten Justizler Ihren grossen Auftritt und die noch grösseren Honorare. Sogar Alice Schwarzer konnte wieder gegen die bösen, triebgesteuerten Männer schwadronieren und mancher Mann sich darüber freuen, dass nicht jede Frau mit Ihrer Rache durchkommt. Hauptsache "the show must go on"!

  • Recht? am 02.06.2011 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer einmal Lügt dem glaubt man nicht

    Kachelmanns Ex hat nachweislich gelogen und damit nicht nur sich selbst sondern auch der Glaubwürdigkeit künftiger Klägerinnen geschadet. Wer zu Recht klagt braucht die Fakten nicht zu manipulieren.

  • Walter_R am 02.06.2011 04:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kachelmann ein Vergewaltiger?

    Ich kenne Jürg Kachelmann und seine Ex-Freundin nicht persönlich und war an dem betreffenden Abend nicht dabei, aber ich denke, aufgrund der Faktenlage war ein Freispruch das einzig richtige und mögliche. Nach Ansicht von solchen Emanzen und Feministinnen wie diese Schwarzer sind ohnehin sämtliche Männer potentielle Vergewaltiger und haben nur Das Eine im Kopf.

  • Dominik Grieder am 02.06.2011 00:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn interessierts?

    Und wäre das ganze einem Unbekannten Mann passiert, hätte es keinen Menschen interessiert. Ausserdem kann bei Aussage-gegen-Aussage wie in solchen Fällen kein Richter und kein Mensch wissen was wirklich war.