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System Kachelmann
31. März 2010 12:00; Akt: 21.07.2010 16:50 Print
Leben auf Blumenkohl-Wolke 7
von Amir Mustedanagic - Täglich tauchen neue Details aus Jörg Kachelmanns Leben auf. Von seinem Doppelleben wusste kaum jemand, von seiner Vorliebe für Frauen offenbar schon.
Jörg Kachelmann sitzt wegen des Verdachts auf Vergewaltigung seit über einer Woche in U-Haft. Ob er schuldig ist oder nicht, wird das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft zeigen. Tag für Tag zerren die Medien neue Details aus dem Privatleben von Kachelmann ans Licht. Aus einem Privatleben, das nicht zu existieren schien: Klug hielt Kachelmann hinter dem Berg mit gefährlichen Einblicken in seine Privatsphäre. Wohl wissend um mögliche Folgen, denn die Perspektive des Klatsch-Journalisten ist Kachelmann nicht fremd.
Kachelmann hat sich im Knast eingelebtNeun Tage nach seiner Festnahme hat Jörg Kachelmann erstmals Besuch von seiner Mutter erhalten. Sie war knapp eine Stunde bei ihm in der Strafanstalt Mannheim, schreibt Bild.de heute. Offenbar hat sich Kachelmann auch sonst erstaunlich gut eingelebt in der Strafanstalt. Er wirke erstaunlich gelassen. Er mache Witzchen und spiele mit anderen Häftlingen Karten, so die Boulevard-Zeitung weiter. Vielleicht liegt es daran, dass er seine Zelle nicht mehr mit einem Drogendealer teilen muss, wie Bild erfahren haben will. Kachelmann sitze nun in einer Einzelle mit Fernseher. Zuvor soll er von der Außenwelt völlig abgeschnitten gewesen sein: Keine Zeitung, kein Telefon, kein Computer. Kachelmann ist noch nicht angeklagt
Jörg Kachelmann sitzt wegen des «dringenden Tatverdachtes» auf eine Vergewaltigung und der damit verbundenen Fluchtgefahr in U-Haft. Nach den bisherigen Ermittlungsresultaten geht die Staatsanwaltschaft mit «hoher Wahrscheinlichkeit» davon aus, dass der Beschuldigte eine Straftat begangen hat. Noch ist Kachelmann aber nicht angeklagt. Das Ermittlungsverfahren läuft noch, das Resultat der Untersuchung steht nicht fest. Sollten sich die Vorwürfe nicht erhärten, könnte Kachelmann freikommen, ohne dass Anklage erhoben wird. Sollten sie sich erhärten, könnte Kachelmann bis zum Prozesstermin in Haft bleiben. Spätestens nach einem halben Jahr in U-Haft müsste aber eine Haftprüfung stattfinden.
Die Mannheimer Staatsanwaltschaft hat am Dienstagabend verkündet, dass man derzeit von einer Anklage gegen Kachelmann wegen Vergewaltigung ausgeht. «Sobald die Verurteilungs- wahrscheinlichkeit bei 51 Prozent liegt, kommt es auch zur Anklage. Nach derzeitigem Stand, und nur nach diesem, liegt die Wahrscheinlichkeit im Fall Kachelmann deutlich höher», sagte der Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, dem «Mannheimer Morgen». Kachelmann bleibt unterdessen in Untersuchungshaft: «Nach wie vor bestehen dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr», sagte Grossmann. Es sei noch offen, wie lange der Schweizer Wetterexperte im Gefängnis bleiben muss. Ein Haftprüfungstermin stehe noch nicht fest.
Gemeinsam mit Peter Rothenbühler hat Kachelmann Ende der Achtzigerjahre die «Schweizer Illustrierte» zu einem «People-Magazin umgestrickt», wie er einst dem «Magazin» im Interview gestand. «Ich war der Böse.» Peter Rothenbühler mag sich heute nicht zu seinem Freund und Ex-Arbeitskollegen Kachelmann äussern. «Jörg schützte sein Privatleben immer vor Einblicken und war sehr diskret - ich respektiere das», sagt Rothenbühler gegenüber 20 Minuten Online. Umso spannender wäre zu erfahren, was der People-Journalist Jörg Kachelmann über Jörg Kachelmann, den Wetterguru und mutmasslichen Vergewaltiger, schreiben würde. Ob der Journalist beim Wettermann auch das «Doppelleben» entdecken würde?
Blumenkohl-Wolken - nichts weiter
Mit seinen ungekämmten Haaren, den schlecht sitzenden Anzügen und dem Drei-Tage-Bart signalisierte der Wettermann der Öffentlichkeit bisher: Hey, ich bin der arbeitssüchtige Wetter-Prophet und interessiere mich extrem für Blumenkohl-Wolken - mehr gibt es bei mir nicht. Kaum jemand hätte gewagt zu prophezeien, dass der nette Onkel vom Wetter neben Tiefdruckgebieten auch an Feuchtgebieten interessiert ist. Doch diesen Eindruck erhält, wer die Schlagzeilen der vergangenen Woche studiert hat: Allein in den letzten sieben Tagen gruben die Boulevard-Blätter fünf Frauen aus, welche offenbar dem Charme des Wetterfrosches erlegen sind.
Sabine W. schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu: Die Radiomoderatorin aus Schwetzingen brachte ihren angeblich «langjährigen Partner» mit ihrer Anzeige hinter Gitter. Kachelmanns Mitarbeiter von Meteomedia trauten ihren Ohren kaum: «Eine Freundin aus Schwetzingen kenne ich nicht», sagte Verwaltungsrat Frank Werner noch am Montag. «Meines Wissens war er Single.»
Die 37-Jährige ist aber fest davon überzeugt, seit elf Jahren eine Beziehung mit Jörg Kachelmann zu führen. Kein Wunder, denkt sie das: Wie Augenzeugen aus Schwetzingen berichten, war sie oft mit Kachelmann gemeinsam anzutreffen. Die beiden gingen Bier trinken und Eis essen und kehrten beim Edel-Italiener ein – selbst der Bürgermeister will von der Beziehung gewusst haben.
Doppelbesetzungen in Kachelmanns Liebensleben
Was zu diesem Zeitpunkt aber wohl kaum jemand wusste: Kachelmann lernte 1999 nicht nur die blonde Sabine W. kennen, sondern er wurde auch Vater. Im Oktober kam sein erster Sohn zur Welt. Die Mutter – vom Boulevard Denise W. getauft – hatte Kachelmann in seiner Firma kennen und wohl auch lieben gelernt. Offiziell kommen die beiden im Geburtsjahr ihres Sohnes zusammen, gekannt haben sie sich seit 1997. Jörg Kachelmann ist zu diesem Zeitpunkt seit über zehn Jahren verheiratet mit Katja H., die er 1983 ehelichte.
Es ist nicht die erste Doppelbesetzung im Leben von Jörg K.: Während der Ehe mit Katja H. hatte der Wettermann 1995 mehrere Wochen lang eine «sexuelle Beziehung» mit Heike Nocker-Beyer. Dass sie nicht die Einzige im Leben von Jörg Kachelmann war, störte die 48-jährige Buchautorin damals nicht: «Er war ein kleiner Womanizer», sagte sie gegenüber der «Bild am Sonntag». «Bei ihm lief immer mehr als eine parallel nebenan.» Daran hielt sich Kachelmann wohl auch nach der Scheidung von Katja H. 1998 und dem kurzen «Techtelmechtel» mit Nocker-Beyer.
Beziehung mit Sabine W., Hochzeit mit Denise W.
Die Geburt seines ersten Sohnes 1999 und die Heirat mit der Mutter hindern Kachelmann nicht daran, sich mit Sabine W. zu treffen, wie sie zumindest behauptet und es einige Zeugen bestätigen. Dass Sabine W. nichts von der Ehefrau oder den Kindern wusste, ist kein Wunder: 2004 wanderte Kachelmann samt Ehefrau und den beiden Kindern – inzwischen gab es weiteren Nachwuchs – nach Kanada aus. Obwohl zwischen Sabine W. und Jörg Kachelmann ein Ozean liegt und mehr als neun Stunden Flug, ist sie felsenfest davon überzeugt, dass sie immer noch eine Beziehung mit dem Wettermoderator führt.
Doch auch diese Doppelbesetzung soll nicht die letzte im Liebesleben von Jörg Kachelmann gewesen sein. Vertraut man den Schlagzeilen, unterschreibt seit 2009 eine neue Frau seine Weihnachtskarten aus Weissbad AI, wie die «Bild am Sonntag» berichtet: die 40-jährige Katia - «die wichtigste Frau im Leben des Jörg Kachelmann», so die Boulevard-Zeitung. «Katia ist seine Freundin», bestätigt Meteomedia-Verwaltungsrat Frank Werner gegenüber 20 Minuten Online am Montag.
So wird genau eine Woche nach der Aussage im «Blick», dass Kachelmann Single gewesen sei, aus dem Single ein liebender Freund. Katia lebe mit Jörg zusammen in seinem Haus in Weissbad. «Das ist kein Geheimnis.» Ein Geheimnis ist wohl eher, dass Kachelmann sich erst 2009 von seiner zweiten Ehefrau Denise W. trennte. Ein Geheimnis wohl auch, dass Sabine W. in Schwetzingen denkt, sie sei die Einzige, während drei Frauen sich den Wetter-Guru teilen müssen.
Die «unergründliche Persönlichkeit» des Jörg K.
Die Vergewaltigungsvorwurf sei ein Racheakt, sagte Jörg Kachelmann vor dem Gericht in Mannheim aus. Sabine W. hätte sich für eine Beziehung rächen wollen, die es «so nie gab», wie sein Anwalt erklärte. Es gab die Beziehung «so nie», aber offenbar gab es eine, könnte man daraus lesen. Ausser Kachelmann selbst wird wohl kaum jemand im Moment glaubhaft Licht ins Dunkel bringen können, welche Art von Beziehung bestand. Ein Freund von Kachelmann sagt in der neuen Ausgabe vom «Stern»: «Ich hatte schon mit drei Frauen an einem Tag zu tun, die sich alle für Frau Kachelmann in spe hielten.» «Das Leben von Jörg ist eine einzige Lüge», fiel es inzwischen auch der Familie von Sabine W. letztlich wie Schuppen von den Augen, dass der Mann mehr zu verbergen hatte, als sie dachte. Die mediale Spurensuche im Leben von Kachelmann zeigt bisher, dass Kachelmann wohl nicht zum ersten Mal ein Doppelleben geführt hat.
«Sein zweites Leben haben sehr viele Leute gekannt», gab sich Fernseh-Altstar Kurt Felix im Gespräch mit «Glanz und Gloria» überzeugt. Es sei allseits bekannt gewesen. «Es überrascht mich, dass das erst jetzt in der Zeitung kommt.» Tatsächlich hielt Kachelmann in all den Jahren aber nicht nur die Medienwelt erfolgreich von seinem Privatleben fern, sondern er blieb auch für viele Arbeitskollegen und Weggefährten eine «unergründliche Persönlichkeit», wie es Roger Schawinski in der «Bild am Sonntag» formulierte. «Auch nach dreissig Jahren kenne ich ihn nicht richtig. Aber das tut wohl auch sonst kaum jemand», so Schawinski. Inzwischen möchte sich der alte Chef nicht mehr zu Kachelmann äussern. Er habe gesagt, was es zu sagen gab, so Schawinski zu 20 Minuten Online. Die Boulevard-Zeitung bemühte sich in ihrer letzten Ausgabe, mit Freunden, Geliebten und Kollegen zu sprechen, aber «keiner von diesen allen hat gesagt: Ja, ich weiss, wer dieser Kachelmann wirklich ist!», schreibt das Blatt.
«Er liebt Frauen und sie lieben ihn»
Etwas gibt es aber, das im Privatleben von Jörg Kachelmann immer wiederkehrt: die Frauen. Das zeigen nicht nur die Ausgrabungen der Liebschaften durch die Boulevard-Medien, das bestätigen auch Weggefährten im Schutze der Anonymität. «Er liebt Frauen und sie lieben ihn», sagt ein langjähriger Freund und Arbeitskollege gegenüber 20 Minuten Online. Er sei ganz und gar «kein Kostverächter» gewesen. «Er hat auch immer wieder Andeutungen in diese Richtung gemacht, aber wenn man nachgefragt habe, blockte er immer ab», so der Kollege weiter. Dominic Geisseler ist der frühere Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» und kennt Kachelmann seit 20 Jahren. Geisseler sagte gegenüber dem Stern, dass es Kachelmann nie an Frauen mangelte. «Die waren verrückt nach ihm - spätestens nach einem gemeinsamen Nachtessen.»
Dass er mit Frauengeschichten prahlte, fing in seiner Zeit als Co-Moderator bei der Talk-Show «Riverboat» im MDR an, wie eine Mitarbeiterin gegenüber «Bild am Sonntag erzählte. Dass Kachelmann durchaus nicht unattraktiv war, bestätigt Heike Nocker-Beyer: Die einzige seiner Affären, die sich öffentlich zu Kachelmann äusserte, kam gegenüber der Boulevard-Presse aus dem Schwärmen über den Wetterfrosch nicht heraus: «Er war fürsorglich, liebenswert und vor allem Frauen gegenüber schüchtern. Er hat die Frauen verstanden.»
So bleibt letztlich nur die Frage, ob auch die Frauen Jörg Kachelmann verstanden haben.



























