Kander-Drama

13. Juni 2008 15:58; Akt: 19.10.2009 14:17 Print

«Das ist reiner Selbstmord»«Das ist reiner Selbstmord»

von Tina Fassbind - Die Schlauchboote, mit denen die Armeeangehörigen auf der Kander verunglückt sind, waren für diesen Einsatz nicht geeignet. Dies sagt ein Leser von 20 Minuten Online, der bereits einmal mit einem solchen Boot einen Fluss queren wollte.

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Das Militärunglück von Wimmis ruft in R. H.* böse Erinnerungen an den eigenen Militärdienst vor 16 Jahren wach: «Wir waren zehn Füsiliere und versuchten in einem solchen Schlauchboot die Aare zu überqueren. Wir haben es nicht geschafft. Die Boote sind schwer, absolut starr, enorm träge und deshalb sehr schwierig zu manövrieren - selbst bei leichter Strömung wie damals auf der Aare.»

«Ich kann die Verantwortlichen absolut nicht verstehen»

Umso mehr erschüttert ihn der Anblick der Unfallstelle in Wimmis. «Sich mit diesem Armee-Boot dort in den Fluss zu wagen, ist wohl reiner Selbstmord», meint R. H. Man müsse sich nur die Strömung der Kander anschauen, die Äste, die noch darin herumschwimmen, und die Schwellen mit diesen gewaltigen Wasserwalzen: «Vor diesen Wasserfällen wird man bereits in jedem Anfänger-Kajak-Kurs gewarnt»

Ein solches Schlauchboot der Armee lasse sich bei diesen Wasserverhältnissen schlichtweg nicht mehr steuern - auch nicht von Profis, ist R. H. überzeugt. «Ich kann die Verantwortlichen absolut nicht verstehen. Die Opfer und deren Angehörige tun mir sehr leid.»

«Ich würde eher durch eine Schleuse schwimmen»

Ähnlich sieht es Bergbachfischer A. P.*: «Ich komme aus Thun und kenne die Schwellen in Wimmis sehr gut. Daher kann ich nur sagen: Wer glaubt, dort durchfahren zu können, ist grössenwahnsinnig.» Er selbst sei oft in Schlauchbooten unterwegs, sagt er zu 20 Minuten Online. «Sie liegen flach auf dem Wasser, haben keinen Kiel und sind dementsprechend schwer zu steuern. Wenn die Schlauchboote des Militärs tatsächlich für zehn Personen zugelassen sind, dann können fünf Insassen diese Boote garantiert nicht steuern. Erst recht nicht in einem Wildbach.» Er jedenfalls würde es nicht wagen, «eher würde ich in Thun durch eine Schleuse schwimmen, als an dieser Stelle auf einem solchen Militär-Boot durch die Kander zu rudern».

Beim VBS war bisher niemand für eine Stellungnahme in Bezug auf die Unglücksboote zu erreichen.

* Name der Redaktion bekannt