Militär

13. Juni 2008 15:46; Akt: 19.10.2009 14:23 Print

Wenn Laien das Kommando habenWenn Laien das Kommando haben

Nach dem tragischen Bootsunglück auf der Kander, bei dem vermutlich fünf Soldaten ihr Leben liessen, melden sich immer mehr Leser bei 20 Minuten Online. Die Geschehnisse rufen böse Erinnerungen an ihren eigenen Militärdienst wach.

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Besonders heftig war ein Vorfall, den R.S.* vor 25 Jahren erlebt hat. «Ich war damals bei den Pontonieren. Wir mussten während einer Übung eine Schlauchbootbrücke über die Aare bauen», erinnert er sich im Gespräch mit 20 Minuten Online. Der Trupp hatte bereits einen Teil der Brücke errichtet, da stellte man fest, dass die Rampen auf die Brücke an den falschen Enden angebracht waren.

«Die Leitung des Einsatzes hatte ein ‹Gast-Offizier›, ein Füsel. Er befiel kurzerhand, dass wir die Rampen rückwärts den Fluss hinaufziehen sollten, um sie dann richtig zu positionieren», erzählt R.S.. «Der Füsel hatte einfach keine Ahnung vom Metier. Wir aber wussten genau, dass das nicht geht und haben ihn gewarnt. Trotzdem hat er den Befehl erteilt, und wir mussten ihn ausführen.»

Das Boot ging unter

Die Situation war besonders gefährlich, weil an jenem Tag Hochwasser herrschte. «Die Propeller des Motors haben bei der Fahrt flussaufwärts laufend Wasser ins Boot geschaufelt. Am Ende war es voll, und die Riemen, mit denen es vertäut war, risssen.» Das Boot sank und geriet unter die bereits montierten Teile der Brücke. «Der Bootsführer wurde mit hinunter gezogen. Wir konnten ihn nur knapp vor dem Ertrinken retten», schildert R.S. die Geschehnisse.

Ob der verantwortliche Offizier damals für diesen Vorfall bestraft wurde oder ob er zumindest einen «Rüffel» erhalten habe, wisse R.S. bis heute nicht. «Wir haben jedenfalls nie von einer Bestrafung des Vorgesetzten gehört. Aber es ist schon bedenklich, wenn ein Vorgesetzter nichts von seinem Metier versteht und trotzdem Befehlsgewalt hat. Das wird wohl auf der Kander nicht anders gewesen sein.»

Marschieren mit 40 Grad Fieber

Auch B. C.* erinnert sich nur ungern an die Erfahrungen, die er im Verlauf seines Militärdienstes gemacht hat. «Ich habe meine RS auch bei der Luftwaffe absolviert. Es war auch damals so, das die Tagesbefehle von oben kamen, ohne dass sich irgendjemand Gedanken über die Sicherheit gemacht hätte.» So habe sich ein Rekrut bei einer Übung den Arm gebrochen. «Es wurde der Befehl gegeben, weiter zu marschieren und nicht zu jammern.»

Ein andermal musste ein Soldat, der 40 Grad Fieber hatte, 20 Kilometer marschieren. «Im Grossen und Ganzen kann ich einfach sagen: Es sitzen einige Leute im Büro und spielen ein bisschen den Kommandanten. Wir Rekruten waren dann immer diejenigen, die ihr Leben auf Spiel setzen mussten.»

*Name der Redaktion bekannt

(tif)