IEA-Bericht

10. November 2011 14:30; Akt: 10.11.2011 21:31 Print

Blick in eine schwarze EnergiezukunftBlick in eine schwarze Energiezukunft

von Hanspeter Guggenbühl, infosperber.ch - Das Wachstum der Weltwirtschaft hat Konsequenzen. Der CO2-Ausstoss könnte massiv zunehmen – doch ein Kurswechsel in der Energiepolitik ist nicht erkennbar.

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Ein Becher mit Schweröl, das in Kanada aus dem ökologisch besonders bedenklichen Ölsand produziert wird. (Bild: Reuters/Todd Korol)

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Die Internationale Energieagentur (IEA) verfasst jährlich einen Bericht über die weltweite Entwicklung von Wirtschaft, Energieverbrauch und CO2-Ausstoss. Vor zwei Jahren, als die Wirtschaftskrise den globalen Energieverbrauch um zwei Prozent senkte, war sie noch optimistisch. Der Rückgang schaffe eine «Atempause», um die künftige Energieentwicklung umzulenken, schrieb sie in ihrem «World Energy Outlook» 2009.

Doch dieser Optimismus ist verflogen. Denn 2010 wuchsen der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoss wieder, weltweit um mehr als fünf Prozent! «Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass der dringend notwendige Kurswechsel bei den Energietrends eingeleitet wurde», folgert nun die IEA in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Weltenergie-Ausblick 2011.

Die Schlüsse, welche die IEA aus ihrem Befund zieht, tönen dramatisch: «Die Handlungsspielräume werden immer kleiner.» Ohne einen «baldigen und entschiedenen Kurswechsel in der Energiepolitik» begebe sich die Welt auf den Weg in ein «unsicheres, ineffizientes und kohlenstoffreiches Energiesystem».

50 Prozent mehr CO2-Ausstoss

Wie die Energieversorgung bis 2035 aussehen wird, wenn der Kurswechsel ausbleibt, zeigt die IEA im Szenario «Weiter wie bisher», das auf der heutigen Politik basiert. Demnach wächst der Verbrauch von Primärenergie von 2009 bis 2035 um 50 Prozent. Der Anteil der fossilen Energie am gesamten Verbrauch bleibt mit 80 Prozent nahezu gleich hoch wie heute. Darum steigt auch der Ausstoss des klimawirksamen Gases CO2 um 50 Prozent. Bei diesem Szenario droht laut IEA langfristig eine Klimaerwärmung um sechs Grad.

Wie stark dieser Trend vom Soll abweicht, illustriert das Klimaschutz-Szenario 450; dieses begrenzt den CO2-Gehalt in der Atmosphäre auf 450 ppm (Teile pro Million) und die Klimaerwärmung auf zwei Grad. Der Energieverbrauch steigt bei diesem Wunschszenario, nur um 22 Prozent. Zudem wird viel fossile Energie durch nukleare und erneuerbare Energie ersetzt. Folge: Der CO2-Ausstoss sinkt bis 2035 um 25 Prozent.

«Neue Energiepolitik» reicht nicht

Den Mittelweg zeigt die IEA in ihrem Hauptszenario «Neue Energiepolitik». Dieses setzt optimistisch voraus, dass die Regierungen ihre energiepolitischen Ankündigungen umsetzen. In diesem Fall wächst der Verbrauch bis 2035 um 40 Prozent, wobei der Anteil an Atom- und erneuerbarer Energie leicht zunimmt. Innerhalb der weiterhin dominierenden fossilen Energie sinkt der Anteil des Erdöls und der kohlenstoffreichen Kohle, während das kohlenstoffarme Erdgas seinen Marktanteil erhöht.

Durch diese Verschiebung steigt der CO2-Ausstoss mit 26 Prozent weniger stark als der Energieverbrauch. Doch das reicht nicht, um den Klimawandel genügend zu begrenzen. Laut IEA ist bei diesem Hauptszenario mit einer globalen Erwärmung um 3,5 Grad zu rechnen. Vom globalen Trend gibt es deutliche Abweichungen: So entfallen annähernd 90 Prozent des Zuwachses beim Energieverbrauch auf die Entwicklungs- und Schwellenländer, nur zehn Prozent auf die Industriestaaten. Trotzdem verbrauchen die USA im Jahr 2035 immer noch doppelt soviel Energie pro Kopf wie das aufholende China.

Wirtschaft treibt Energie – und wird von ihr getrieben

Für alle Szenarien setzt die IEA das gleiche Wachstum der Weltwirtschaft voraus, nämlich 3,5 Prozent pro Jahr. Damit würden im Jahr 2035 weltweit 145 Prozent mehr Güter und Dienstleistungen produziert und konsumiert als 2009. Die Wirtschaft wächst damit stärker als der Energieverbrauch, weil die IEA bei allen Szenarien eine Steigerung der Energieeffizienz voraussetzt.

Umgekehrt wirkt sich die Entwicklung der Energieversorgung auch auf die Wirtschaft aus: Beim Szenario «Weiter wie bisher» dürfte der wachsende Verbrauch das Erdöl verteuern, was arme Staaten zwingt, das Öl für die arme Bevölkerung noch mehr als bisher zu subventionieren. Andererseits erfordert die neue Energiepolitik und insbesondere das Klimaschutz-Szenario viel höhere Investitionen und Subventionen zur Nutzung der erneuerbaren Energie.

Öl- und Gasquellen dürften versiegen

In allen Szenarien wird sich die Energieversorgung auch deshalb verteuern, weil die leicht ausbeutbaren Öl- und Gasquellen allmählich versiegen. Dies wiederum könnte das massive Wachstum der Weltwirtschaft abschwächen, welches die IEA für alle Szenarien voraussetzt, oder regional zu schockartigen Einbrüchen führen. Solche – schwer abschätzbaren – Rückkoppelungen der künftigen Energieversorgung auf die Wirtschaftsentwicklung lassen alle Szenarien der IEA ausser Acht. Darum lässt sich nur bedingt voraus sagen, wie die Energiezukunft mittel- und langfristig aussieht.

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  • P. Strickler am 11.11.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Missverständnis

    Viele Atomfreunde führen hier das Argument ins Feld, dass Photovoltaik mehr CO2 ausstösst als Atomstrom und man deshalb Atomkraftwerke bauen solle. Das mit dem CO2 Ausstoss ist zwar richtig, aber nur auf sehr tiefem Niveau. Beide Technologien sind enorm CO2 effizient im Vergleich zu allen fossilen Stromerzeugungsarten. Wenn wir in der Schweiz CO2 sparen wollen, so ist unsere heute schon sehr CO2-effiziente Stromproduktion der falsche Ansatzpunkt. In der Schweiz sind die Treib- und Brennstoffe (Verkehr und Heizung) das Problem. Konzentrieren wir uns also darauf.

    • Willi Höhener am 22.11.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Atomstrom

      Mit Atomstrom könnten riesige Menden von Heizöl und auch einiges an fossilen Treibstoffen ersetzt werden. Am einfachsten wäre es die zahlreichen Kohlekraftwerke dur AKWs zu ersetzen. Das ergäbe eine grosse Reduktion des CO2 Ausstosses.

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  • Vladimir P. am 11.11.2011 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Nuklearenergie

    Also lasst uns endlich anfangen weitere AKW's in der Schweiz zu bauen, Sicher u. Zuverlässig! Wenn wir es nicht tun, dann machen es nachfolgende Generationen. Nuklearenergie ist DIE Energiequelle mit dem höchsten Wirkungsgrad. siehe: Die Naturgesetze lassen sich nicht wegdiskutieren oder überlisten-noch nicht. Übrigens ist die CO2 Bilanz für Solartechnik am schlechtesten!

    • Toni Meyer am 11.11.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      da waren wir schon

      Hab keine Lust in Energiefragen von der maroden Uranmafia abhängig zu bleiben.

    • P. Strickler am 11.11.2011 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Irrglaube

      Die Nuklearenergie kann das Klima nicht retten. Das wissen alle Experten und es wurde auch in zahlreichen Studien belegt. Die Atomkraftwerke erzeugt heute gerade mal 16 Prozent des weltweiten Strombedarfs und 6% des Energiebedarfs (Tendenz sinkend). Selbst wenn wir die Anzahl der Reaktoren bis 2035 verdoppeln würden (was technisch und politisch nicht machbar ist) so würde das kaum etwas am Problem ändern. Die Zukunft liegt bei den erneuerbaren Energien. Genau genommen bei der Solarenergie die übrigens eine sehr viel bessere CO2 Billanz aufweist als sämtliche fossilen Technologien.

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  • Blind Mice am 11.11.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ende der Gesellschaft wie wir sie kennen

    Das nahende Ende des billigen Öls bedeutet das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Da wir nichts dagegen machen, wird das Aufwachen aus dem temporären Erdöl-Wohlstand hart sein und markiert auch das Ende vom Bevölkerungswachstum. Wann dieser Zeitpunkt eintrifft, ist ungewiss und so können wir können die Situation weiterhin ignorieren. Die gute Neuigkeit ist, dass die "Umwelt" überleben und sicher vom Menschen erholen wird. Nur für uns Menschen wird es immer schwieriger unter den selbst verursachten Lebensbedingungen zu leben.

    • Ben Novak am 11.11.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Zweifel

      Ob die Natur den Menschen so einfach überleben wird, wird sich zeigen. Momentan schwimmt schon sechs mal mehr Plastik in den Meeren als Plankton. Wir leisten da nachhaltige "Arbeit" für unsere Grosskinder.

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