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Klima
07. Januar 2010 14:07; Akt: 07.01.2010 14:08 Print
Kälterekorde trotz Klimaerwärmung
von Malcolm Ritter, AP - Der strenge Winter in vielen Gegenden der Erde lässt viele an den Warnungen der Wissenschaft zweifeln, dass Treibhausgase das Klima immer weiter anheizen - zu Unrecht.

Ein Eisbrecher macht am 7. Januar 2009 die Schiffsroute zwischen Amsterdam und Lemmer frei. (Bild: Keystone)
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Globale Erwärmung
Grossbritannien erlebt die längste Kältewelle seit 1981. Peking verzeichnet den kältesten Morgen seit beinahe 40 Jahren und den stärksten Schneefall seit 1951. Im Süden der USA friert es Stein und Bein, in Florida hängen Eiszapfen an den Orangenbäumen, und am Strand schnattern die Touristen. Wo ist die Erderwärmung geblieben?
Der strenge Winter in vielen Gegenden der Erde scheint nicht zu den Warnungen der Wissenschaft zu passen, dass Treibhausgase das Klima immer weiter anheizen. Doch Fachleute versichern, dass die derzeitigen Kälterekorde die globale Erwärmung nicht infrage stellen: Sie sind nur Ausreisser in einem langfristigen Trend.
Klimaerwärmung führt zu Wetterextremen
«Das gehört zur natürlichen Schwankungsbreite», erklärt der Wissenschaftler Gerald Meehl vom National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Staat Colorado. Trotz der Erderwärmung «wird es immer noch Kälterekorde geben. Es wird bloss weniger davon geben.» Deke Arndt vom US-Klimadatenzentrum weist darauf hin, dass sich 2009 in die Liste der zehn wärmsten Jahre seit 1880 einreihen wird.
Die Klimaerwärmung von Menschenhand kann häufigere und heftigere Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Stürme und sogar Kälteperioden zur Folge haben. Der derzeitige Frosteinbruch jedoch zählt den befragten Fachleuten zufolge jedoch nicht dazu. Im Grunde lägen einfach grosse arktische Luftmassen über den bewohnten Gegenden der nördlichen Hemisphäre, erklärt Arndt. «Die arktische Luft ist richtig über uns hereingebrochen.»
Zick-Zack-Kurs verteilt eisige Polarluft
In der Atmosphäre kreisen massive Luftströmungen grob gesprochen von West nach Ost zwischen Arktis und Tropen um den Erdball und halten wie ein Zaun die Polarluft zurück. In letzter Zeit aber hat diese Strömung Zick-Zack-Form angenommen und schlängelt sich nord- und südwärts. Dort, wohin sie Luft von Süden her schaufelt, wird das Wetter warm.
Tatsächlich erreichten die Temperaturen diese Woche im US-Staat Washington und in Alaska Rekordhöhen. Doch der Osten der USA bekam wie viele andere Regionen der Erde Polarluft aus dem Norden serviert. So fiel in Peking das Thermometer auf minus 16 Grad, in Norwegen auf bis zu minus 41 Grad. Teile Grossbritanniens versanken unter fast einem halben Meter Schnee.
Abschwächung in zwei Wochen
Das Zick-Zack-Muster sei eine natürliche Erscheinung von Zeit zu Zeit, erklärt die Meteorologin Michelle L'Heureux. Unklar sei allerdings, warum es gerade jetzt so stark ausgeprägt sei. Die Meteorologen erwarten, dass sich das Muster in ein, zwei Wochen abzuschwächen beginnt.
Das wird man im Süden der USA gern hören, wo man versucht, die Erdbeerernte und andere Früchte in Millionenwert zu retten. Und in Miami Beach mummelten sich Urlauber am Mittwoch in Wintermantel und Kapuzenpullover ein; nur einige ganz Unerschrockene wagten sich in Badekleidung ans Wasser und tauchten einen Zeh hinein. «Voriges Jahr waren wir jeden Tag baden», erinnerte sich die Hamburgerin Olivia Rüdiger sehnsüchtig. «Das vermisse ich.»


























