Briefe an den Cavaliere

25. Oktober 2011 11:35; Akt: 25.10.2011 12:07 Print

«Wo ist mein Freund Berlusconi?»«Wo ist mein Freund Berlusconi?»

Muammar Gaddafi hat seinen ehemaligen Freund Silvio Berlusconi noch im August in einem Brief um Hilfe gebeten. Dieser rührte aber keinen Finger.

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Bei Gaddafis Besuch in Italien im Juni 2009 sprach Berlusconi von einer «echten und tiefen Freundschaft» zum libyschen Staatschef. Im Jahr zuvor hatte die Regierung in Rom zugesagt, Libyen Entschädigungszahlungen für die Kolonialzeit von 1911 bis 1941 zu gewähren. 2007 schlug Gaddafi sein Zelt in der französischen Hauptstadt Paris auf und wurde von Sarkozy mit allen militärischen Ehren empfangen. Waffen- und Atomgeschäfte wurden verhandelt, Gaddafi blieb drei Tage länger als geplant. Noch im Herbst 2010 einigten sich die beiden Länder auf eine strategische Partnerschaft zum Bau eines Kernkraftwerks und der Lieferung von Airbus-Kampfjets an Libyen. Der ehemalige britische Premierminister flog 2004 zu Gesprächen mit Gaddafi nach Libyen und lobte den Revolutionsführer für seine Abkehr vom libyschen Nuklearprogramm. Es folgten britische Geschäftsverbindungen mit Libyen. Unter anderem verkauften die Briten Libyen militärische Ausrüstung im Wert von 40 Millionen Pfund. Nach der US-Invasion im Irak während der Amtszeit Bushs vollzog Gaddafi seine Kehrtwende. Auf diesen Schritt hin normalisierte die US-Regierung die eingefrorenen Beziehungen zu Libyen wieder. Waffenlieferungen an Tripolis und Abkommen über Erdölförderung folgten. Nachdem Gaddafi Kompensationszahlungen für die Opfer des Anschlags auf eine Berliner Diskothek im Jahr 1986 zugesagt hatte, reiste der damalige Bundeskanzler 2004 nach Tripolis. Während des Besuchs wurden deutsche Ölbohrungen eingeleitet. Der verstorbene österreichische Rechtspopulist pflegte bereits ab dem Ende der 90er Jahre enge Beziehungen zum Gaddafi-Clan. Unter anderem besuchte Haider mit Gaddafis Sohn Saif al Islam 2002 den Wiener Opernball. Der venezolanische Staatspräsident hat Gaddafi in der Vergangenheit mehrfach verteidigt und die libyschen Rebellen als Terroristen bezeichnet. Den NATO-Einsatz wertete er als «imperialistischen Krieg» um Öl auf Kosten Unschuldiger. Die beiden Generäle und Ölgiganten verbindet eine jahrelange Freundschaft. Unter anderem wurde ein Stadion bei Bengasi nach Chávez benannt.

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Der frühere libysche Machthaber Muammar Gaddafi hatte sich im vergangenen August offenbar in einem Brief an den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi gewandt und ihn um Hilfe gebeten.

Wie aus dem Brief hervorgeht, der vom französischen Magazin «Paris Match» veröffentlicht wurde, übte Gaddafi Druck auf Berlusconi aus, damit dieser die Militärangriffe gegen sein Land zu stoppen versuche.

«Ich bitte dich, dich bei deinen westlichen Alliierten einzuschalten»

In seinem Schreiben erklärte sich Gaddafi über Italiens Teilnahme an der NATO-Mission überrascht. Er sei sich jedoch im Klaren darüber, dass Berlusconi mit dem Militärangriff gegen Libyen nicht einverstanden war.

«Ich glaube, dass du noch die Möglichkeit zur Kehrtwende hast. Daher bitte ich dich, dich bei deinen westlichen Alliierten einzuschalten, um die Bombardierung zu stoppen, die unsere libyschen Brüder und unsere Kinder tötet», hiess es im Schreiben.

Die ehemalige Kolonialmacht Italien war bis zum Beginn des Anti-Gaddafi-Aufstands Mitte Februar der engste Verbündete und wichtigste Handelspartner des libyschen Regimes in Europa.

Im Jahr 2008 unterzeichneten beide Länder ein Freundschaftsabkommen, das die Stärkung der Beziehungen vorsah. Das Abkommen verbot die Nutzung italienischen Territoriums für Angriffe auf Libyen.

Berlusconi bezeichnete den «Colonello», wie Gaddafi in Italien genannt wird, als persönlichen Freund. Mehrmals wurde Gaddafi von Berlusconi als Ehrengast in Rom empfangen.

«Zwischen uns und Italien herrscht offener Krieg»

Gaddafi hatte Italien wegen seiner Teilnahme an der in Libyen aktiven Militärallianz unter NATO-Regie des Verrats beschuldigt: «Zwischen uns und Italien herrscht offener Krieg. Was ist mit dem Freundschaftsvertrag geschehen, den Italien mit Libyen unterzeichnet hatte? Wo ist mein Freund Berlusconi? Italien hat sich für die Kolonialzeit in Libyen entschuldigt. Warum beteiligt sich Italien jetzt mit seinen Kampfflugzeugen an der Invasion Libyens?», fragte Gaddafi noch im vergangenen Mai.

Berlusconi hatte sich von den Vorwürfen Gaddafis an Italien unbeeindruckt gezeigt.

(sda)

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  • Silvio am 07.11.2011 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer sind naiv

    Berlusconi ist der einzige der weiss wie man mit solchen Diktatoren umgeht. Die Schweizer haben sich nur lächerlich gemacht.

  • HolyOli90 am 27.10.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Was hätte Berlusconi tun sollen?

    Was hättet ihr getan an Berlusconis Stelle? Die ganze Welt ist gegen Gaddafi und er sollte ihm noch helfen? Das die Beziehung welche diese Leute «Freundschaft» nennen basiert sowieso nur auf Öl und Geld.

  • blacksheep am 26.10.2011 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    das zeigt nur...

    ...wie die sogenannten "Staatsoberhäupter" funktionieren und wie "glaubhaft" diese sind... wir wurden schon immer belogen und werden es auch heute noch, nichts neues und nicht nur Italien...