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Nordafrika
28. Februar 2011 11:44; Akt: 21.03.2011 17:15 Print
Die Probleme der Al Kaida mit der Revolution
Die Demonstranten schafften, was dem Terror in zwanzig Jahren misslang. Nun drohen der Al Kaida, die Felle davon zu schwimmen. Doch abschreiben darf man sie nicht.
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Arabische Welt in Aufruhr
Beinahe zwei Jahrzehnte lang versuchte die Al Kaida, den nordafrikanischen Diktatoren den Garaus zu machen. Hasstiraden und Aufrufe zum Kampf blieben aber, genau wie die angewandte Waffengewalt, erfolglos. In Ägypten versuchte Abu Musab al-Zarqawi, immerhin die Nummer zwei der Organisation, Hosni Mubarak vom Thron zu stossen. Muammar Gaddafi schickte seinem persönlichem Todfeind Osama Bin Laden ein Mordkommando hinterher, nachdem dieser in Libyen wütete.
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Jubel in Ägypten
«Ägypten ist frei! Ägypten ist frei!»Wut und Frustration in Ägypten
Was mit Terror nicht zu erreichen war, hat nun das einfache Volk in wenigen Wochen und ohne grosses Blutvergiessen geschafft, zumindest in Tunesien und Ägypten. Und damit der Al Kaida den Boden unter den Füssen weggezogen.
Die «New York Times» spricht in diesem Zusammenhang von einem epochalen Desaster für die Terrororganisation. Für Terrorspezialist Paul R. Pillar von der Georgetown-Universität ist klar: «Die Bilanz für Al Kaida sieht bis jetzt ziemlich schlecht aus.»
Und auch in Zukunft sieht er Probleme für die Al Kaida: «Demokratie ist nicht gut für Terroristen. Je friedlicher sich das Volk ausdrücken kann, desto weniger stark ist die Gefahr, dass es gewalttätig wird.»
Al Kaida von den Umstürzen überrascht
Die Ereignisse in Tunesien und Ägypten haben die Dschihadisten offenbar auf dem falschen Fuss erwischt. «Al Kaida war von den dortigen Umstürzen ebenso überrascht wie die westliche Öffentlichkeit», sagt Philipp Holtmann, Terrorismusexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ).
Aufrufe der Al-Kaida-Führer in Tunesien und Ägypten kamen spät und zögerlich. Ihre radikal-konservativen Ideale scheinen mit der Opposition kaum vereinbar. Die Al Kaida wird vielmehr versuchen, mit Attentaten die angeschlagenen Systeme zu schwächen, vermutet die FAZ.
Libyen ist umkämpft
In Libyen wird der Einfluss der Al Kaida vor allem im «befreiten» Osten grösser als in Tunesien und Ägypten eingeschätzt. Vor allem die Gewalt in der Region spielt den Dschihadisten in die Karten. «Al Kaida versucht nun ihr eigenes Süppchen zu kochen», sagt der ehemalige Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, Udo Steinbach, der Nachrichtenagentur Reuters.
Allerdings sieht Steinbach auch in Libyen Probleme für die Al Kaida. Der in Libyen traditionell gepflegte Islam sei im Wesentlichen religiös und nicht politisch geprägt, sagt er. «Diese Form des Islams wird auch künftig wieder eine stärkere Rolle spielen und ist fast schon eine Garantie gegen einen militanten politischen Islam.»
Al Kaida wittert die Chance
Trotzdem: Die Extremisten dürfen nicht vorschnell abgeschrieben werden: «Ein Talent der Al Kaida ist es, von sich bietenden Möglichkeiten Gebrauch zu machen», meint Bin-Laden-Biograph Michael Scheuer. Al Kaida wird sich flächenmässig und von der Anzahl Kämpfer her ausbreiten.
Al Kaida will von den neuen Freiräumen profitieren. Die gestürzten Diktatoren, allen voran Hosni Mubarak, waren die engsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terror. Die geschwächten Sicherheitsapparate in den umstrittenen Ländern sind laut Holtmann neuer Nährboden für die Terrororganisation.
Und diese wittert Morgenluft. «Es gibt viel zu tun», sagt ein Al-Kaida-Kämpfer zur «New York Times». «Wir müssen den Menschen helfen, das Regime zu bekämpfen, und dann unseren Gottesstaat errichten.»
(aeg)
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Alle 18 Kommentare






























Wer Al Kaida unterschätzt,...
hat nicht verstanden wie diese funktioniert. Es ist wie NS-Propaganda; einfach ganz andere Vorzeichen. PS: In Nordafrika hat niemand nach Demokratie geschriehen. Die Leute schreien "Nieder mit dem Despoten". Was danach kommt, steht in den Sternen!
Es gibt nicht nur die Al-Kaida
Die Al-Kaida ist nur eine Islamistengruppe unter vielen. Ich halte andere wie die al-Dschamaa al-islamiyya für viel gefährlicher. Entscheidend wird wohl sein, für wen die Bevölkerung Sympathien hegt. Deshalb ist meine Hoffnung, dass möglichst rasch politische und vor wirtschaftliche Reformen durchgeführt werden, damit solche Terrororganisationen keine Chance haben.
Nicht zu unterschätzen
Es klingt zwar besorgniserregend, aber dennoch nur bedingt vorstellbar. Die Revoluion nach Freiheit u Demokratie gegen despotische Herrschaften wird bestimmt nicht dadurch verspielt, in dem sie einen radikalen islamischen Gottesstaat den Vorschub geben, weil sie damit nüchtern betrachtet, am Ende wahrscheinlich noch schlechter dastehen würden, als mit den verhassten Herrschern. So würden sie ihre Opfer, vor allem in Lybien umsonst gebracht haben. Die Gefahr allerdings besteht durchaus, vor allem eher in Lybien, wo es zu einem Bürgerkrieg ausarten könnte u Al Kaida sich als Helfer anbieten.