Loveparade

28. Juli 2010 14:56; Akt: 28.07.2010 18:15 Print

«Zu spät reagiert und zu wenig Sicherheitskräfte»«Zu spät reagiert und zu wenig Sicherheitskräfte»

von Ronny Nicolussi - Die Loveparade-Veranstalter haben sich laut Behörden nicht an ihr eigenes Sicherheitskonzept gehalten. Fehlendes Personal und Zugangsschleusen, die falsch funktionierten, gelten als Ursache der Katastrophe.

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Innenminister Jäger erhebt schwere Vorwürfe. (Bild: Screenshot n-tv)

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Vier Tage nach der Massenpanik an der Loveparade in Duisburg, bei der 21 Menschen ums Leben kamen und über 500 verletzt wurden, geht der Streit um die Verantwortlichkeit weiter. Der Inneminister des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, präsentierte am Mittwoch vor den Medien in Düsseldorf einen vorläufigen Untersuchungsbericht der Polizei. Dabei betonte er, dass die Hauptverantwortlichkeit für die Sicherheit der Loveparade beim Veranstalter lag.

Aus dem Bericht geht hervor, dass der Veranstalter unter anderem bei folgenden Punkten versagte: Die Schleusen zum Gelände wurden zu spät geöffnet, weil das Gelände noch nicht bereit war. Die Zahl der Sicherheits-Ordner war zu gering (gewisse Schleusen waren unbesetzt) und der Abfluss zum Hauptgelände funktionierte nicht wie erwartet. Zudem hätte nicht die Polizei - wie vom Veranstalter in den vergangenen Tagen verbreitet - die Schleusen geöffnet, die einen zusätzlichen Zugang aufs Festgelände ermöglichten. Vielmehr seien dafür die Sicherheitsleute des Veranstalters verantwortlich gewesen.

Nun werde geprüft, welche Konsequenzen aus diesem tragischen Ereignis gezogen werden müssten. Aus den Schilderungen der Polizei gehe aber klar hervor, dass der Veranstalter sein eigenes Sicherheitskonzept nicht eingehalten habe, sagte Innenminister Jäger.

Sicherheits-Ordner hielten sich nicht an Vorgaben

So hätten sich mehrere Sicherheits-Ordner in entscheidenden Phasen nicht so verhalten, wie es der Veranstalter versprochen hatte. Gewisse Schleusen seien beispielsweise geöffnet worden, obwohl genau diese hätten geschlossen bleiben müssen. Weshalb dies passiert sei, sei zu klären.

Dieter Wehe, Inspekteur der nordrhein-westfälischen Polizei, sagte vor den Medien, dass sich bereits am Samstagvormittag grosse Rückstaus vor dem Festgelände gebildet hätten. Grund dafür seien Planierarbeiten im Geländebereich gewesen. «Das Gelände war offenbar nicht rechtzeitig fertig», so Wehe. Dem Veranstalter sei es zudem nicht gelungen, wie vorgängig versprochen, die Menschen auf die freien Flächen innerhalb des Geländes zu bewegen.

Keine Todesopfer im Tunnel

Die Folge war ein grosser Rückstau im Tunnelbereich. Um 15.30 Uhr geriet die Situation ausser Kontrolle. Die vorhandenen Sicherheits-Ordner reichten offenbar nicht aus, um die Menge zu lenken. Der Veranstalter bat die Polizei aus diesem Grund um Hilfe, wie der Polizei-Inspekteur sagte. Um 17.02 Uhr seien der Polizei erste Opfer auf der Rampe gemeldet worden. «Im Tunnel gab es keine Todesopfer», so Wehe. Bisherige Ermittlungen hätten ergeben, dass sämtliche Opfer in der Menschenmasse erstickt seien, erklärte Wehe - den Tränen nahe.

Innenminister Jäger sagte an der Medienkonferenz, er habe die Tragödie am Samstag vor Ort miterlebt. Die Gedanken der Landesregierung seien jetzt bei den Betroffenen. Er spüre die Stimmung im Volk und in den Medien: «Man empfindet es als unerträglich, dass nicht bekannt wird, was wirklich passiert ist.» Er teile diese Meinung und ergänzte: «Genauso unerträglich finde ich es aber auch, dass die Organisatoren und die Stadt ihre Verantwortung abschieben, bevor die Fakten klar sind.»

Organisator weist jegliche Schuld zurück

Noch am Morgen wusch Loveparade-Organisator Rainer Schaller in einem Zeitungsinterview seine Hände in Unschuld. Er habe die Sicherheit nicht vernachlässigt, die Sicherheitskräfte seien gut ausgebildet gewesen und sämtliche bisher geprüften Auflagen seien zu hundert Prozent erfüllt worden.