Interview mit Pierre Vogel

10. Dezember 2009 23:00; Akt: 11.12.2009 08:42 Print

«Das wird ein Erdbeben auslösen»

Der islamistische Prediger Pierre Vogel findet das Einreiseverbot in die Schweiz eine «Unverschämtheit». Im Interview mit 20 Minuten gibt er sich kämpferisch: Er werde das in die ganze arabische Welt tragen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Vogel, Sie dürfen nicht in die Schweiz einreisen...
Pierre Vogel: (schweigt lange). Das glaube ich Ihnen nicht.

Doch, doch, der Bund sah die öffentliche Sicherheit in Gefahr.
(Ringt um Fassung). Das ist ein Witz, eine Unverschämtheit. So etwas ist mir noch nie passiert, dass man mir einfach das Maul vollstopft. Es ist ein klares Zeichen, dass es mit den Muslimen in der Schweiz bergab geht. Die Hetze gegen uns nimmt in ganz Europa immer mehr zu, das ist offensichtlich. Ich fürchte, dass wir in Zukunft abgeschlachtet werden. Es droht uns eine ganz düstere Zukunft. Wir haben uns viel zu lange das Maul verbieten lassen.

Werden Sie sich an das Verbot halten?
Ja, was soll ich denn tun? Soll ich mit dem Fallschirm einfliegen? Ich werde einfach dämonisiert. Ich bin von den Behörden nicht einmal kontaktiert worden. Die Politiker sollen sich erst einmal informieren, bevor sie Lügen verbreiten. Ich bin gegen Gewalt und auch kein Schwulenhasser. Ich bin auch gegen Genitalverstümmelungen. Nur das will man hier nicht hören, denn sonst könnte man nicht mehr hetzen. Ich wollte in Bern zum Dialog aufrufen.

Was werden Sie nun tun?
Was hier abgeht, ist ein Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit und ein absoluter Skandal. Ich werde das in die ganze arabische Welt tragen. Ich habe gute Kontakte zu Al-Jazeera und anderen arabischen Medien. Das wird ein Erdbeben auslösen und ein schlechtes Licht auf die Schweiz werfen.

Vielleicht doch noch ein Wort zu Ihren Positionen. Müssen Frauen denn Ihrer Meinung nach die Burka tragen?
Nicht zwingend. Der Koran lässt zu, dass Gesicht und Hände nicht bedeckt werden müssen. Aber es kann nicht sein, dass eine muslimische Frau auf der Arbeit gezwungen wird, ihr Kopftuch abzulegen.

Trägt Ihre Frau in Deutsch­land die Burka?
Sie trägt den Niqab (einen Gesichtsschleier, der mit einem Tschador oder ähnlichem schwarzen Gewand getragen wird, Anm. d. Red.). Sie trägt ihn, weil sie es so will.

Was macht in Ihren Augen einen guten Muslim aus?
Ein guter Muslim ist derjenige, der seine Religion für die einzig wahre hält, fünf Mal am Tag betet und sich an den Koran hält.

Sind Sie für eine Einführung der Scharia in Europa?
Die Frage ist lächerlich. Gilt irgendwo in Europa die Scharia? Man kann auch ins Paradies kommen, wenn man als Muslim in einem Land lebt, wo die Scharia nicht gilt.

Was haben Sie eigentlich am letzten Wochenende im Kanton Luzern gemacht?
Ich hatte eine missionarische Veranstaltung. Ich konnte eine Schweizerin zum Übertritt zum Islam bewegen und habe Muslime auf den richtigen Weg gebracht. Dass ich missioniere, ist ganz normal. Ich will, dass möglichst viele Leute im Paradies enden und nicht in der Hölle.

(Daw/20 Minuten)