Tag der offenen Moscheen

02. November 2009 15:41; Akt: 02.11.2009 15:49 Print

Moschee-Besuch soll Vorurteile abbauen

Am diesjährigen Tag der offenen Moscheen vom 7. November geht es nicht nur um kulturellen Austausch, sondern auch um Politik. Kurz vor der Abstimmung über die Anti-Minarett-Initiative vom 29. November nutzen viele Moscheen in der Schweiz die Gelegenheit zur Kommunikation.

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Die Mahmud-Moschee in Zürich wurde 1963 eingeweiht. Es war das erste Minarett in der Schweiz. An der Eröffnungsfeier am 22. Juni 1963 nahm auch der damalige Zürcher Stadtpräsident Emil Landolt teil. Der Bau dauerte nur zehn Monate, Einsprachen gab es keine. Das Minarett ist 18 Meter hoch. Beim zweiten Minarett in der Schweiz, das zur Moschee von Petit-Saconnex in Genf gehört, kam es zu Einsprachen. Die Moschee wurde am 1. Juni 1978 eingeweiht. Das Minarett ist 22 Meter hoch. Den Bau entworfen hat ein Genfer Architekt türkischer Herkunft. Bei der Einweihung waren der damalige Bundespräsident Pierre Aubert und der saudische König Khaled Bin Abdulaziz Âl Saud anwesend. Ein Muslim liest vor dem Freitagsgebet im Koran in der Moschee von Petit-Saconnex in Genf. Das dritte Minarett in der Schweiz entstand erst 2005 in Winterthur. Es sorgte kaum für Aufregung. Die Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins steht in einem Industriequartier. Gläubige beten in der Winterthurer Moschee, die in einem vorhandenen Gewerbebau untergebracht ist. Für grössere Aufregung sorgte das Minarett in Wangen bei Olten. Mehrere Einsprachen blockierten das Vorhaben des Türkischen Kulturvereins, bis schliesslich im Juli 2007 das Bundesgericht zugunsten des Vereins entschied. Am 9. Januar 2009 wird das in der Türkei vorgefertigte Minarett auf dem Dach des bestehenden Gebäudes angebracht. Am 27. Juni 2009 wurde das Minarett von Wangen bei Olten eingeweiht. Mehrere Politiker blieben der Feier fern, da der türkische Kulturverein der nationalistischen Organisation der Grauen Wölfe nahestehen soll. Ein weiteres Minarett soll in Langenthal entstehen. Das Gebäude, aufgenommen im August 2006, gehört dem albanischen Verein Xhamia e Langenthalit. Am 2. Juli 2009 erteilen die Behörden die Baubewilligung für das Minarett. Aufnahme des Gebetsraums in Langenthal. Viele Moscheen oder Gebetsräume haben in der Schweiz kein Minarett. In Basel teilen sich eine Moschee und ein Gugge-Treff den Eingang. Neben Türken und Albanern stammen viele Muslime aus Bosnien-Herzegowina. Die bosnische Gemeinde hat in Emmenbrücke eine Moschee. Ein Islamisches Zentrum steht auch in Lausanne. Es bietet Platz für rund 600 Gläubige. Der Imam hält die Freitagspredigt am 7. November 2008 im Islamischen Zentrum in Lausanne. Die bosnische Moschee in Emmenbrücke ist nach Genf die zweitgrösste Moschee der Schweiz. In Zofingen (AG) hat das Bosnische Kulturzentrum einen Gebetsraum. In Zürich gibt es neben der Mahmud-Moschee weitere Gebetsräume ohne Minarett. Gläubige beten zu Beginn des Fastenmonats Ramadan Ende Oktober 2003 in der Moschee der türkisch-islamischen Stiftung. Die rituelle Fusswaschung in der Moschee der türkisch-islamischen Stiftung in Zürich.

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«Informieren Sie sich richtig, um Ängste und Vorurteile abzubauen», heisst es etwa auf der Einladung der Ahmadiyya Moschee Zürich. Die Moschee steht seit 46 Jahren mit einem über 14 Meter hohen Minarett im reformierten Zürich.

Das Minarett sei weder «Zeichen einer Landeseroberung» noch «Symbol eines religiös-politischen Machtanspruchs», sondern einfach Zeichen des islamischen Gebetshauses, schreiben die Veranstalter der Ahmadiyya Moschee.

Der Tag der offenen Moschee findet in den Kantonen Aargau, in beiden Appenzell, Basel, Bern, Freiburg, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau, Waadt, Zürich und Liechtenstein statt. Hunderte Moscheen öffnen ihre Pforten, wie der Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz (DIGO) am Montag mitteilte.

Mehrere tausend Besucher erwartet

Laut DIGO-Präsident Hisham Maizar erwarten die Muslime mehrere tausend Besucher. «Wir hoffen, dass die vielen Begegnungen zu Brücken des Dialogs und des besseren Verständnisses werden», sagte Maizar.

Der Tag der offenen Moschee fügt sich in die Veranstaltungswoche «Woche der Religionen» vom 1. bis am 7. November ein. Nach 2007 und 2008 bereits zum dritten Mal organisiert die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (IRAS) die «Plattform für Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit».

Im Vorjahr fanden gemäss IRAS in 60 Schweizer Städten und Gemeinden rund 170 Anlässe statt. Die Idee für eine solche Veranstaltungsreihe sei aufgrund der politischen Diskussionen um den Bau von Minaretten und der Ausländerintegration entstanden, hatten die Veranstalter vor zwei Jahren ihr Engagement begründet.

(sda)