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Kontroverse Fatwa
23. Dezember 2009 14:08; Akt: 23.12.2009 15:10 Print
Islam-Gelehrter wettert gegen Weihnachten
von Peter Blunschi - Ein angesehener erzkonservativer Geistlicher verlangt ein Verbot des Weihnachtsfests in islamischen Ländern. Dabei bezieht er sich explizit auf das Schweizer Minarettverbot.
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Anti-Minarett-Initiative
Der 83-jährige Yussuf al-Kardawi gilt als eine der grossen Autoritäten des sunnitischen Islam und als moralische Instanz. Der gebürtige Ägypter leitet ein islamisches Forschungszentrum im Golfemirat Katar. Seine Predigten und Kommentare erreichen unter anderem über den populären Fernsehsender Al Dschasira ein breites Publikum in der arabisch-islamischen Welt. Er hat zahlreiche Rechtsgutachten, so genannte Fatwas, verfasst.
Weihnachtsmann und Minarette, aufgenommen am 14. Dezember in der libanesischen Hauptstadt Beirut.(Bild: Keystone)
Kardinal gegen Minarett-Verbot
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ist klar gegen ein Minarett-Verbot in Österreich. Das Schweizer Bauverbot habe er «nicht zu kommentieren», erklärte Schönborn in der Wochenzeitung «Furche». In Österreich aber sei der Islam seit 1912 eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft und habe deshalb «das Recht, seine Religion öffentlich auszuüben». Dazu gehörten «natürlich auch religiöse Bauwerke». (sda)
Dabei vertritt al-Kardawi laut Wikipedia erzkonservative Ansichten. Zwar verurteilt er den Al-Kaida-Terror, er befürwortet jedoch Selbstmordattentate im Kampf gegen Israel und bezeichnet Adolf Hitler als «gerechte Strafe Allahs für die Juden». Weiter wettert er gegen Homosexualität, ausserdem befürwortet er die Todesstrafe für die «Abkehr von Islam». Während des Streits um die Mohammed-Karikaturen sprach er sich für einen Boykott dänischer Produkte aus.
Keine Kreuze mehr auf Kirchen
Mit seiner neusten Fatwa aber könnte Yussuf al-Kardawi zu weit gegangen sein. «Araber und Muslime dürfen keine Weihnachtsfeste mehr erlauben», fordert er in einer auf Video verbreiteten Predigt. Man müsse Weihnachten in islamischen Ländern verbieten, denn das Fest verstosse gegen den islamischen Glauben. Er beklagt, dass an vielen Orten Christbäume aufgestellt werden, «auch von muslimischen Geschäftsinhabern», während Millionen Muslime in den westlichen Ländern den Ramadan oder muslimische Feiertage nicht in den Innenstädten begehen dürften.
Dort würden dafür Minarette verboten, wettert al-Kardawi weiter. Die Schweiz erwähnt er nicht explizit. Dafür bezieht er sich auf eine angebliche Umfrage in Frankreich, wonach 41 Prozent ein Verbot von Moscheen forderten. Der Gelehrte selber will im Gegenzug nicht, dass Kirchen in islamischen Ländern verboten werden. Er fordert jedoch: «Kirchen dürfen keine Kreuze mehr tragen. Kirchenglocken dürfen auch nicht mehr läuten.»
«Regimes wollen Problem aussitzen»
Die islamischen Regierungen sind ob der neuen Fatwa entsetzt bis pikiert, berichtet «Spiegel Online». Sie wagten jedoch keine Konfrontation mit dem populären Geistlichen. «Niemand will das Massenidol antasten», sagte ein anonymer Regierungsvertreter in Kairo. «Am liebsten würden die Regimes das Problem aussitzen.» Doch das könnte angesichts der christlichen Minderheiten in der islamischen Welt schwierig werden. Der Libanon ist ein Land mit einer fragilen Balance zwischen den Religionen, in al-Kardawis Geburtsland Ägypten ist das koptische Weihnachtsfest ein staatlicher Feiertag.
Trotzdem könnte es für den Prediger eng werden. Der Sender Al Dschasira ging laut «Spiegel Online» merklich auf Distanz zu al-Kardawi, je ausfälliger seine Kommentare gerieten. Und angeblich wird gemunkelt, der vergleichsweise liberale Emir von Katar habe den unbequemen Gast aufgefordert, seine Aussagen zurückzunehmen.


























