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Islamstreit
20. Dezember 2009 11:26; Akt: 20.12.2009 17:49 Print
Die Schlammschlacht im Cyberspace
Nach dem Minarettverbot werden im Internet immer mehr Attacken unter der Gürtellinie geritten. So stellte das SVP-nahe Informationskomitee «Pikom» ein Video mit antimuslimischer Verschwörungstheorie auf seine Seite, während anonyme Aktivisten SVP-Jungpolitiker Lukas Reimann in den Dreck ziehen.

SVP-Politiker Lukas Reimann und ein Minarett in der pakistanischen Stadt Karachi.
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Das parteiunabhängige Komitee «Pikom», in dem allerdings fast ausschliesslich SVP-Leute sitzen, hat auf seiner Webseite ein Video aufgeschaltet, das von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus als «abstruses Weltherrschaftsvideo, dessen Aussagen muslimfeindlich sind und mit rassistischen Elementen spielt», taxiert wird.
Auf dem Video wird suggeriert, dass Europa dem Untergang geweiht sei, da die hohe Kinderrate von muslimischen Einwanderern zu einem islamischen Grossreich führe, wie der «SonntagsBlick» berichtet. Das Pikom hat das Video von einer deutschen Webseite übernommen, die als islamfeindlich und rechtsextrem-freundlich eingestuft wird und deshalb vom Verfassungschutz beobachtet wird.
Das Komitee «Pikom» ist erst vor kurzem negativ aufgefallen. Der oberste Aargauer Staatsanwalt musste das Vize-Präsidium abgeben, weil das Komitee einen Musterbrief gegen Einbürgerungen anbot. Und ein weiteres Pikom-Vorstandmitglied, der Aargauer SVP-Politiker Andreas Glarner, geriet in die Kritik, weil er der Bürgerbewegung Köln beitrat, die als Rechtsextremisten-freundlich gilt.
Pikom-Präsident und SVP Politiker Thomas Fuchs verspricht nun laut «SonntagsBlick», dem Rat der Rassismus-Kommission zu folgen und das antiislamische Hetzvideo vom Netz zu nehmen.
«Milchreisbubi» Reimann mit Hitler gleichgesetzt
Doch SVP-Exponenten schiessen nicht nur, sie werden auch beschossen. Nach dem Minarett-Verbot wütet auf dem Online-Videodienst Youtube eine Hetzjagd gegen Lukas Reimann, wie die Zeitung «Sonntag» meldet. Der St. Galler SVP-Nationalrat, einer der Hauptexponenten der Minarett-Initiative, ist ins Fadenkreuz anonymer Aktivisten geraten. Sie haben diese Woche nicht weniger als 167 Hassfilme hochgeladen – weltweit von jedermann abrufbar. Bereits haben mehrere Hundert Youtube-Nutzer die Videos angeklickt.
Die Filme zeigen Auftritte des deutschen Islampredigers Pierre Vogel, Sequenzen mit Hakenkreuzen, Schwulen-Videos und Darstellungen über Kinderschänder – alles versehen mit dem Stichwort «Lukas Reimann». Einer der Filme trägt den Titel «Pfarrer vergewaltigt Ministranten in der Kirche», ein anderer «Lukas Reimann und der Schweizer Faschisten-Schmarrn». Darin wird der SVP-Politiker mit Adolf Hitler gleichgestellt.
Reimann sei «ein Milchreisbubi», sagt die schneidende Stimme im Off, «Hitler war letzten Endes auch nur ein Milchreisbubi». Reimann zeigt sich über die Onlinehatz schockiert. «Ich habe so etwas noch nie erlebt», sagte er im «Sonntag». Diese Hetzkampagne sei «einmalig». Reimann: «Da geht es um Rufschädigung.»
Google löscht einige Videos
Einige der Filme wurden von Google, der Muttergesellschaft von Youtube, gestern gelöscht, nachdem der «Sonntag» um eine Stellungnahme gebeten hatte. Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz: «Wenn die persönlichen Rechte von jemandem verletzt werden und Youtube darauf aufmerksam gemacht wird, gehen wir der Angelegenheit auf den Grund und nehmen entsprechende Massnahmen vor – beispielsweise die Entfernung der Videos oder die Löschung des Benutzerkontos.» Die Youtube-Richtlinien würden die «Imitation einer Person und Cyberstalking» klar verbieten.
Rufmord auf Facebook
Auch auf Facebook wird Reimann massiv angeschossen. Die Gruppe «Ich könnte Lukas Reimann den ganzen Tag die Fresse polieren» hat ein Bild hochgeladen, dass den Nationalrat mit blutigem Gesicht und Einschusslöchern zeigt. Die Gruppe wurde von einem Aargauer Gymnasiasten gegründet.
(rub)


























