Vox-Analyse

25. Januar 2010 11:00; Akt: 25.01.2010 13:04 Print

Es waren nicht die linken FrauenEs waren nicht die linken Frauen

Die Annahme der Minarett-Initiative war das politische Erdbeben 2009. Nun zeigt sich, weshalb sie angenommen wurde: Die Mitte-Wähler folgten ihren Parteien nicht und viele wollten einfach ein Zeichen setzen – obwohl sie im Zusammenleben mit Muslimen eigentlich kein Problem sehen.

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Die Ergebnisse der VOX-Analyse zur Abstimmung über die Minarett-Initiative

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Es war ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit überraschte: Am 29. November 2009 stimmten die Schweizer der Anti-Minarett-Initiative mit 57,5 Prozent zu. Und das, obwohl sämtliche Parteien ausser der SVP und der EDU die Nein-Parole ausgegeben hatten. Nun liegt die Vox-Analyse vor, die dem Resultat auf den Grund gehen will.

Sie bringt vor allem drei Punkte ans Tageslicht: Den Ausschlag gaben letztendlich die Wähler der Mitte-Parteien. Die Sympathisanten von FDP und CVP entschieden sich mehrheitlich gegen die Nein-Parole ihrer eigenen Parteien: CVP-Anhänger sagten zu 54 Prozent Ja, FDP-Anhänger sogar zu 60 Prozent. Sie verhielten sich damit laut Vox-Analyse grundsätzlich anders als bei früheren ausländerpolitischen Abstimmungen.

Fromme sagten Ja

Zum zweiten wirkte sich die formale Bildung am stärksten auf den Abstimmungsentscheid aus. Wer als Bildungsabschluss eine Lehre hat, stimmte zu 76 Prozent mit Ja. Wer eine höhere Berufsschule besuchte, war zu 48 Prozent und wer eine Hochschule absolvierte, war nur zu 34 Prozent für ein Minarettverbot.

Nicht zuletzt zeigen sich grosse Unterschiede bei Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen: Religiöse Menschen beider Konfessionen stimmten zu rund 60 Prozent für die Initiative, religionslose Personen lehnten sie ab.

Ein Zeichen setzen

Doch weshalb stimmten die Ja-Wähler schliesslich Ja? Hier zeigt sich ein klares Bild: Am häufigsten ist die Absicht genannt, ein Zeichen gegen die Ausbreitung des Islam und des von ihm propagierten Gesellschaftsmodells setzen zu wollen. Konkrete Kritik an den in der Schweiz lebenden Muslimen gaben nur 15 Prozent der Ja-Stimmenden als Entscheidmotiv an.

Die Zustimmung zum Minarett-Verbot dürfe also nicht als generelle Ablehnung der in der Schweiz lebenden Muslime interpretiert werden, heisst es in der Vox-Analyse. So habe sich eine Mehrheit von 64 Prozent aller Stimmenden voll oder ziemlich davon überzeugt erklärt, dass sich die schweizerische und die islamische Lebensweise gut vertragen würden. Auf das Stimmverhalten wirkte sich diese positive Einschätzung allerdings überhaupt nicht aus. Auch diejenigen, die von einer sehr guten Verträglichkeit ausgehen, stimmten dem Verbot des Baus neuer Minarette mit einem Ja-Anteil von 49 Prozent zu.

Linke Frauen stimmten Nein

Nur etwa jeder sechste Befürworter begründete seinen Entscheid als Reaktion auf die Diskriminierung der christlichen Kirchen in islamisch geprägten Ländern. Bei den Gegnern war die Einschränkung der in der Verfassung garantierten Grundrechte auf Religionsfreiheit und Nichtdiskriminierung für ihre Nein-Stimme ausschlaggebend.

Keine grossen Unterschiede gab es im Abstimmungsverhalten nach Geschlecht und Alter. Im Gegensatz zu den nach der Abstimmung geäusserten Vermutungen kam das Minarettverbot aber bei den linken Frauen sehr schlecht an. Es stimmten nur 16 Prozent dafür. Bei den linken Männern waren es mit 21 Prozent etwas mehr. Eine stärkere Sympathie der Frauen für das Minarettverbot gab es hingegen im Lager der Rechten. Und zwar legten 87 Prozent der Frauen und nur 71 Prozent der Männer ein Ja in die Urne.

Für die 100. Vox-Analyse wurden 1008 stimmberechtigte Personen befragt. Durchgeführt wurde die Befragung in den zwei Wochen nach der Volksabstimmung durch das Forschungsinstitut gfs.bern – notabene das Institut, dass zwei Wochen vor den Wahlen prognostizierte, dass die Minarett-Initiative abgelehnt werde. Die Analyse der Daten wurde durch das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Bern vorgenommen.

(mlu/sda/dapd)

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  • Willy Argast am 28.01.2010 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiss man wer wer ist ?

    Wie weiss man wer Frau oder Mann ist, wer in welcher Partei und wer wie alt ist??? Sind die Wahlen Anonym?

  • lisa f. am 26.01.2010 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schon gewusst?

    Wahlanalysen sind der Versuch, Leichen in fremde Keller zu legen.....

  • Mäx Hasler am 26.01.2010 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Anonym

    Ich dachte Abstimmungen seien anonym. Warum weiss man denn im Nachnhinein wer wie abgestimmt hat?

    • Helen Romer am 26.01.2010 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Beim brieflich Abstimmen...

      ...wird natürlich die Post geöffnet, der Name und die Wahlzettel gescannt - so kann man alles schön zuordnen und der Staat weiss ganz genau, welcher Bürger wie stimmt! Wenn man zu früh sein Couvert aufgibt, hat der Staat also noch die Möglichkeit, Wahlwerbung nachzuschiessen, falls nicht das gewünschte Ergebnis aus den bereits eingegangenen Stimmzetteln prognostiziert wird.

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