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Vox-Analyse
25. Januar 2010 11:00; Akt: 25.01.2010 13:04 Print
Es waren nicht die linken Frauen
Die Annahme der Minarett-Initiative war das politische Erdbeben 2009. Nun zeigt sich, weshalb sie angenommen wurde: Die Mitte-Wähler folgten ihren Parteien nicht und viele wollten einfach ein Zeichen setzen – obwohl sie im Zusammenleben mit Muslimen eigentlich kein Problem sehen.
Die Ergebnisse der VOX-Analyse zur Abstimmung über die Minarett-Initiative
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Zumindest vorübergehend: Das Aus für die Abstimmungs-Umfrage
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Es war ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit überraschte: Am
54 Prozent Ja-Stimmen, 46 Prozent Nein-Stimmen zur Minarett-Initiative - das waren die Ergebnisse einer Umfrage von 20 Minuten Online im Vorfeld der Volksabstimmung an der sich 8399 Internetnutzer beteiligten. Damit lag die - zumindest nach bislang gängigen Standards - nicht repräsentative Umfrage dieser Zeitung lediglich drei Prozent neben dem tatsächlichen Ergebnis. Um ein Vielfaches exakter als die Werte anerkannter Meinungsforschungsinstitute. Sie lagen in ihren Umfragen durch die Bank mit ihrer Prognose weit neben der Realität. So prognostizierte die letzte SRG-Umfrage gerade einmal 37 Prozent Ja-Stimmen. Also 20 Prozent daneben. Ein Desaster für die Demoskopie.
Die Aussagekraft und Glaubwürdigkeit anonymer Online-Umfragen zeigte sich erneut in einer weiteren Umfrage unmittelbar nach dem Wahlsonntag. So gaben auf die Frage, wie sie bei der Minarett-Abstimmung votiert haben, 60 Prozent an, ihr Kreuz bei Ja gesetzt zu haben. Also erneut lediglich drei Prozent Abweichung von den tatsächlichen Ergebnissen (weitere Interessante Aspekte der Umfrge gibt es hier). Die klassische Meinungsforschung indes hat bei solchen Fragen mit dem Phänomen zu kämpfen, dass Befragte dazu tendieren, sich auf die «Gewinner»-Seite zu schlagen. In der Anonymität des Internets tritt dieser Effekt wie das Beispiel zeigt allerdings in den Hintergrund.
Vorlagen über Muslime finden kaum Zustimmung
Vorlagen über schlecht Integrierte mit fremden Wertvorstellungen - wie beispielsweise Muslime - haben an der Urne nur wenig Chancen. Dies zeigt eine vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität Bern veröffentlichte Auswertung der insgesamt knapp 300 minderheitenrelevanten Volksabstimmungen auf Bundes- und Kantonsebene von 1960 bis 2009. Von über 70 Abstimmungsvorlagen zur rechtlichen Besserstellung von Ausländerinnen und Ausländern wurden seit 1960 fast die Hälfte abgelehnt, wie Adrian Vatter, Gesamtverantwortlicher für die Vox-Analyse von Ende November 2009, an der Medienkonferenz in Bern sagte. Die Muslime seien dabei doppelt betroffen, und zwar als religiöse Minderheit und als Ausländer. Andere Minderheiten wie Behinderte oder Sprachminderheiten würden dagegen an der Urne kaum diskriminiert. Auf Bundesebene stimmten vor allem linke Bürgerinnen und Bürger, die für eine weltoffene Schweiz sind, generell am minderheitenfreundlichsten. Demgegenüber sind laut Vatter rechte und traditionsbewusste Bürgerinnen und Bürger Minderheiten gegenüber besonders kritisch eingestellt. (ddp)
Sie bringt vor allem drei Punkte ans Tageslicht: Den Ausschlag gaben letztendlich die Wähler der Mitte-Parteien. Die Sympathisanten von FDP und CVP entschieden sich mehrheitlich gegen die Nein-Parole ihrer eigenen Parteien: CVP-Anhänger sagten zu 54 Prozent Ja, FDP-Anhänger sogar zu 60 Prozent. Sie verhielten sich damit laut Vox-Analyse grundsätzlich anders als bei früheren ausländerpolitischen Abstimmungen.
Fromme sagten Ja
Zum zweiten wirkte sich die formale Bildung am stärksten auf den Abstimmungsentscheid aus. Wer als Bildungsabschluss eine Lehre hat, stimmte zu 76 Prozent mit Ja. Wer eine höhere Berufsschule besuchte, war zu 48 Prozent und wer eine Hochschule absolvierte, war nur zu 34 Prozent für ein Minarettverbot.
Nicht zuletzt zeigen sich grosse Unterschiede bei Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen: Religiöse Menschen beider Konfessionen stimmten zu rund 60 Prozent für die Initiative, religionslose Personen lehnten sie ab.
Ein Zeichen setzen
Doch weshalb stimmten die Ja-Wähler schliesslich Ja? Hier zeigt sich ein klares Bild: Am häufigsten ist die Absicht genannt, ein Zeichen gegen die Ausbreitung des Islam und des von ihm propagierten Gesellschaftsmodells setzen zu wollen. Konkrete Kritik an den in der Schweiz lebenden Muslimen gaben nur 15 Prozent der Ja-Stimmenden als Entscheidmotiv an.
Die Zustimmung zum Minarett-Verbot dürfe also nicht als generelle Ablehnung der in der Schweiz lebenden Muslime interpretiert werden, heisst es in der Vox-Analyse. So habe sich eine Mehrheit von 64 Prozent aller Stimmenden voll oder ziemlich davon überzeugt erklärt, dass sich die schweizerische und die islamische Lebensweise gut vertragen würden. Auf das Stimmverhalten wirkte sich diese positive Einschätzung allerdings überhaupt nicht aus. Auch diejenigen, die von einer sehr guten Verträglichkeit ausgehen, stimmten dem Verbot des Baus neuer Minarette mit einem Ja-Anteil von 49 Prozent zu.
Linke Frauen stimmten Nein
Nur etwa jeder sechste Befürworter begründete seinen Entscheid als Reaktion auf die Diskriminierung der christlichen Kirchen in islamisch geprägten Ländern. Bei den Gegnern war die Einschränkung der in der Verfassung garantierten Grundrechte auf Religionsfreiheit und Nichtdiskriminierung für ihre Nein-Stimme ausschlaggebend.
Keine grossen Unterschiede gab es im Abstimmungsverhalten nach Geschlecht und Alter. Im Gegensatz zu den nach der Abstimmung geäusserten Vermutungen kam das Minarettverbot aber bei den linken Frauen sehr schlecht an. Es stimmten nur 16 Prozent dafür. Bei den linken Männern waren es mit 21 Prozent etwas mehr. Eine stärkere Sympathie der Frauen für das Minarettverbot gab es hingegen im Lager der Rechten. Und zwar legten 87 Prozent der Frauen und nur 71 Prozent der Männer ein Ja in die Urne.
Für die 100. Vox-Analyse wurden 1008 stimmberechtigte Personen befragt. Durchgeführt wurde die Befragung in den zwei Wochen nach der Volksabstimmung durch das Forschungsinstitut gfs.bern – notabene das Institut, dass zwei Wochen vor den Wahlen prognostizierte, dass die Minarett-Initiative abgelehnt werde. Die Analyse der Daten wurde durch das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Bern vorgenommen.
(mlu/sda/dapd)
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Alle 205 Kommentare





























Wie weiss man wer wer ist ?
Wie weiss man wer Frau oder Mann ist, wer in welcher Partei und wer wie alt ist??? Sind die Wahlen Anonym?
Schon gewusst?
Wahlanalysen sind der Versuch, Leichen in fremde Keller zu legen.....
Anonym
Ich dachte Abstimmungen seien anonym. Warum weiss man denn im Nachnhinein wer wie abgestimmt hat?
Beim brieflich Abstimmen...
...wird natürlich die Post geöffnet, der Name und die Wahlzettel gescannt - so kann man alles schön zuordnen und der Staat weiss ganz genau, welcher Bürger wie stimmt! Wenn man zu früh sein Couvert aufgibt, hat der Staat also noch die Möglichkeit, Wahlwerbung nachzuschiessen, falls nicht das gewünschte Ergebnis aus den bereits eingegangenen Stimmzetteln prognostiziert wird.