Terror in Mumbai

28. November 2008 15:03; Akt: 06.05.2009 18:01 Print

«Das ist nicht Indiens 11. September»«Das ist nicht Indiens 11. September»

von Peter Blunschi - Wer steckt hinter den Anschlägen von Mumbai? Eine Beteiligung von Al-Kaida scheint naheliegend. Experten aber warnen vor voreiligen Schlüssen. Vieles deutet darauf hin, dass die Wurzeln des Terrors in Indien zu suchen sind.

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Trauer und Wut in Mumbai. Viele haben Familienangehörige bei den Attentaten verloren. Inder versammeln sich vor dem Leopold Cafe, einem der Tatorte. Verwüstung im Inneren des Hotels Taj Mahal. Taj Mahal nach dem Terror. Zerstörung im Taj Mahal. Trauer um die Terroropfer: Die letzte Ehre. Trauerzug für den getöteten Kommander Gajendra Singh. Trauer und Leid. Die letzten Brandherde werden gelöscht. Zwei Soldaten richten einen Granatwerfer auf das Hotel Taj Mahal. Ein Soldat zielt auf das Hotel Taj Mahal. Granaten schlagen im alten Teil des Hotel Taj Mahal ein. Der italienische Koch des Trident Oberoi verlässt mit seiner Tochter das Hotel. Sicherheitskräfte nehmen das Hotel Taj Mahal ins Visier. Während sich der Wohnungsmieter unter dem Bett versteckt, feuern Soldaten in Richtung des jüdischen Zentrums. Spezialeinheiten stürmen das jüdische Zentrum. Ein Helikopter setzt indische Einsatzkräfte beim jüdischen Zentrum ab. Einsatzkräfte versuchen das jüdische Zentrum zu stürmen. Ein Scharfschütze gibt Feuerschutz, während Spezialeinheiten das jüdische Zentrum stürmen. Banges Warten auf eine Befreiung im Trident-Oberoi-Hotel. Eine Sicherheitseinheit positioniert sich vor dem Hotel Taj Mahal in Mumbai am 27. November. Leere Strassen im sonst belebten Stadtteil Kulaba in Bombai nach Schüssen am 27. November. Polizisten bewachen das Hotel Taj Mahal in Mumbai am Abend des 27. Novembers. Retter holen mit einer Leiter eine Frau am 27. November aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai. Ein Beamter der Zugbewachungseinheit kontrolliert mit einem Spürhund einen Waggon. Menschen verstecken sich nach Schüssen aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai hinter einem Palisadenzaun. Leute ducken sich am 27. November hinter einen Palisadenzaum um das Hotel Taj Mahal in Mumbai, als Schüsse durch die Luft peitschen. Ein Mann, der fast 24 Stunden lang als Geisel festgehalten wurde, wird vom Hotel Trident Oberoi in Mumbai wegbegleitet. Ein Tourist, der über 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai als Geisel gefangen gehalten wurde, wehrt Medienleute ab. Zwei erschöpfte Touristen, die gegen 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai gefangen gehalten wurden laufen nach ihrer Freilassung gemeinsam weg. Die Indian National Security Guard positionieren sich im Bereich des Kulaba Marktes am 27. November. Die Indian National Security Guard positioniert sich im Bereich des Kulaba-Marktes. Ein Mann der Indian National Security Guard positioniert sich in einem Gebäude beim Kulaba-Markt. Ein TV-Bild zeigt einen der islamistischen Terroristen, die am 26. November 2008 im Mumbai ein Blutbad angerichtet haben. TV-Bilder der Terroristen, die im Taj Mahal Hotel Geiseln genommen haben. Während der Nacht gelang es der Polizei einige der Geiseln aus dem Taj Mahal Hotel zu befreien. Befreite Geiseln und Gäste des Taj Majhal Hotels. Trümmer liegen überall herum. Eine Ambulanz auf dem Weg zu einem Spital. Schaulustige betrachten, was nach der Explosion einer Bombe übrig blieb. Rauch über dem Taj Mahal Hotel in Mumbai. Ein Fotograf bei den Aufnahmen der traurigen Bilder. Polizisten inspizieren einen Ort, an dem die Terroristen gewütet haben. Ein Polizist führt eine ältere Dame aus der Bahnhofshalle, wo kurz davor ein Massaker stattfand.

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Auf den ersten Blick scheint der Fall klar: Die Attentäter von Mumbai suchten nach Amerikanern und Briten. Und sie griffen ein jüdisches Ziel an. Dies deutet auf das Terrornetz Al Kaida als Urheber der Anschläge hin. Nigel Inkster vom Internationalen Institut für strategische Studien, ein ehemaliger Vizedirektor des britischen Geheimdienstes MI6, wollte dies gegenüber der Zeitung «The Independent» nicht ausschliessen. Ein spektakulärer Al-Kaida-Anschlag während der Übergangsperiode von Bush zu Obama in den USA sei vielfach erwartet worden.

Doch bei näherer Betrachtung ist die Sachlage weniger eindeutig. Der britische Aussenminister David Miliband warnte vor voreiligen Schlüssen: «Terrorismus ist mehr als ein Krieg gegen den Westen.» Die «New York Times» schrieb mit Berufung auf Terrorexperten, die Art der Anschläge und die Ziele in Mumbai deuteten darauf hin, dass die Angreifer «indische Muslime mit einheimischen Zielen» seien. Tatsächlich sind nur die wenigsten der bislang mehr als 140 Toten Ausländer, die meisten sind Einheimische. Und während Al-Kaida vorwiegend mit Selbstmordattentaten operiert, gingen die jungen Attentäter von Mumbai mit Schusswaffen und Handgranaten vor.

Vorgehen wie in Kaschmir

Dieses Vorgehen entspreche der bevorzugten Methode der Aufständischen auf dem Höhepunkt des Konflikts um die mehrheitlich von Muslimen bewohnte indische Provinz Kaschmir zwischen 1999 und 2003, schrieb Sumantra Bose, Politikprofessor an der London School of Economics, in einem Beitrag für die BBC. So genannte «Fidyaeen»-Einheiten (übersetzt etwa mit «todesverachtend») hätten mit halbautomatischen Gewehren und Granaten Angriffe auf Einrichtungen von Polizei und Militär durchgeführt. Schon damals sei es häufig zu mehrstündigen Auseinandersetzungen gekommen.

Eingeführt worden sei die «Fidayeen»-Taktik von radikalen Gruppen in Pakistan wie Lashkar-e Toiba, so Bose weiter. Zwar hat die von Pakistani gegründete Gruppe sich von den Anschlägen von Mumbai distanziert. Doch einer der Attentäter machte in einem Telefonanruf an einen indischen Fernsehsender einen klaren Verweis auf den Kaschmir-Konflikt: «Wisst ihr, wie viele Menschen in Kaschmir umgebracht wurden?» Er soll Urdu mit Kaschmir-Akzent gesprochen haben, so «The Independent».

Angriff auf Wirtschaftsboom

Für heimische Wurzeln spricht auch die Wahl der Ziele. Die vielen Terroranschläge in Indien in den letzten Jahren trafen vor allem arme Menschen. In Mumbai aber wurde eine neue Dimension erreicht. Die Angreifer hätten den «Krieg» in die indische Elite getragen, so Sumantra Bose in seinem BBC-Beitrag. Mit den Ausländern habe man eine «maximale Medienresonanz auf globaler Ebene» erzielen wollen. Vor allem aber wurde mit der Finanzmetropole Mumbai ein Symbol des indischen Wirtschaftsbooms attackiert.

Genau von diesem Boom fühlt sich ein grosser Teil der rund 150 Millionen indischen Muslime ausgeschlossen, mit entsprechenden Folgen. «Es gibt viele sehr, sehr wütende Muslime in Indien», erklärte Christine Fair, Südasien-Expertin des Thinktanks RAND Corporation, der «New York Times». Das Land nehme die Ungleichheiten nur zögerlich wahr. Dabei wüssten die Geheimdienste genau, dass die indischen Muslimgemeinden zunehmend in die «globale Landkarte des islamistischen Jihad» integriert würden.

Auch Nigel Inkster vom Institut für strategische Studien erklärte dem «Independent», man sei besorgt über den «wachsenden islamistischen Extremismus in Indien». Für Christine Fair ist deshalb klar: «Die Inder werden versucht sein, Al-Kaida für die Anschläge verantwortlich zu machen. Aber das Problem ist hausgemacht.» Weshalb sie eine häufig verwendete Analogie zurückweist: «Das ist nicht Indiens 11. September.»