Erste Bilanz

28. November 2008 12:01; Akt: 28.11.2008 13:45 Print

So schlugen die Terroristen in Mumbai zuSo schlugen die Terroristen in Mumbai zu

Am dritten Tag des Terrors bekommen die Sicherheitskräfte die Lage in Mumbai langsam in den Griff. Eine vorläufige Rekonstruktion der Ereignisse zeigt: Alles hätte noch viel schlimmer ausgehen können.

Bildstrecke im Grossformat »
Trauer und Wut in Mumbai. Viele haben Familienangehörige bei den Attentaten verloren. Inder versammeln sich vor dem Leopold Cafe, einem der Tatorte. Verwüstung im Inneren des Hotels Taj Mahal. Taj Mahal nach dem Terror. Zerstörung im Taj Mahal. Trauer um die Terroropfer: Die letzte Ehre. Trauerzug für den getöteten Kommander Gajendra Singh. Trauer und Leid. Die letzten Brandherde werden gelöscht. Zwei Soldaten richten einen Granatwerfer auf das Hotel Taj Mahal. Ein Soldat zielt auf das Hotel Taj Mahal. Granaten schlagen im alten Teil des Hotel Taj Mahal ein. Der italienische Koch des Trident Oberoi verlässt mit seiner Tochter das Hotel. Sicherheitskräfte nehmen das Hotel Taj Mahal ins Visier. Während sich der Wohnungsmieter unter dem Bett versteckt, feuern Soldaten in Richtung des jüdischen Zentrums. Spezialeinheiten stürmen das jüdische Zentrum. Ein Helikopter setzt indische Einsatzkräfte beim jüdischen Zentrum ab. Einsatzkräfte versuchen das jüdische Zentrum zu stürmen. Ein Scharfschütze gibt Feuerschutz, während Spezialeinheiten das jüdische Zentrum stürmen. Banges Warten auf eine Befreiung im Trident-Oberoi-Hotel. Eine Sicherheitseinheit positioniert sich vor dem Hotel Taj Mahal in Mumbai am 27. November. Leere Strassen im sonst belebten Stadtteil Kulaba in Bombai nach Schüssen am 27. November. Polizisten bewachen das Hotel Taj Mahal in Mumbai am Abend des 27. Novembers. Retter holen mit einer Leiter eine Frau am 27. November aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai. Ein Beamter der Zugbewachungseinheit kontrolliert mit einem Spürhund einen Waggon. Menschen verstecken sich nach Schüssen aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai hinter einem Palisadenzaun. Leute ducken sich am 27. November hinter einen Palisadenzaum um das Hotel Taj Mahal in Mumbai, als Schüsse durch die Luft peitschen. Ein Mann, der fast 24 Stunden lang als Geisel festgehalten wurde, wird vom Hotel Trident Oberoi in Mumbai wegbegleitet. Ein Tourist, der über 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai als Geisel gefangen gehalten wurde, wehrt Medienleute ab. Zwei erschöpfte Touristen, die gegen 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai gefangen gehalten wurden laufen nach ihrer Freilassung gemeinsam weg. Die Indian National Security Guard positionieren sich im Bereich des Kulaba Marktes am 27. November. Die Indian National Security Guard positioniert sich im Bereich des Kulaba-Marktes. Ein Mann der Indian National Security Guard positioniert sich in einem Gebäude beim Kulaba-Markt. Ein TV-Bild zeigt einen der islamistischen Terroristen, die am 26. November 2008 im Mumbai ein Blutbad angerichtet haben. TV-Bilder der Terroristen, die im Taj Mahal Hotel Geiseln genommen haben. Während der Nacht gelang es der Polizei einige der Geiseln aus dem Taj Mahal Hotel zu befreien. Befreite Geiseln und Gäste des Taj Majhal Hotels. Trümmer liegen überall herum. Eine Ambulanz auf dem Weg zu einem Spital. Schaulustige betrachten, was nach der Explosion einer Bombe übrig blieb. Rauch über dem Taj Mahal Hotel in Mumbai. Ein Fotograf bei den Aufnahmen der traurigen Bilder. Polizisten inspizieren einen Ort, an dem die Terroristen gewütet haben. Ein Polizist führt eine ältere Dame aus der Bahnhofshalle, wo kurz davor ein Massaker stattfand.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Das Hotel «Oberoi» und das jüdische Zentrum sind unter Kontrolle von Polizei und Armee, nur im «Taj Mahal» soll sich noch mindestens ein Terrorist verschanzt haben – dies die vorläufige Bilanz des Terrors in Mumbai. Was aber ist in den letzten drei Tagen in der indischen Metropole genau geschehen? Der Versuch einer Rekonstruktion, basierend auf Angaben von CNN:

Die Terroristen erreichten Mumbai am Mittwochabend mit Booten. Polizeiquellen sprechen von rund 26 Angreifern. Sie landeten gemäss Polizeiangaben in der Nähe des Wahrzeichens «Gateway of India» und brachten Autos in ihre Gewalt, darunter auch ein Polizeifahrzeug. Danach spalteten sie sich in mindestens drei Gruppen auf.

Eine der Gruppen begab sich zum Café «Leopold», das bei westlichen Touristen beliebt ist. Die Terroristen feuerten wahllos auf Passanten. Danach soll sich die Gruppe nach Behördenangaben zum Hauptbahnhof Chhatrapati Shivaji begeben und dort um sich geschossen und Handgranaten geworfen zu haben. Als sich die Polizei zu den Tatorten begab, erfolgte ein weiterer Angriff auf das Cama-Spital. Mehrere Menschen kamen ums Leben, die Belagerung dauerte bis Donnerstagmorgen.

Angriffe auf Hotels und jüdisches Zentrum

Zwei weitere Gruppen attackierten die Luxushotels «Oberoi» und «Taj Mahal» und nahmen Geiseln. Vielen von ihnen gelang am Donnerstag und Freitag die Flucht. Immer wieder waren Schüsse und Explosionen in den beiden Hotels zu hören, Brände brachen aus. Das grosse Feuer im Hotel «Oberoi» konnte am frühen Freitagmorgen gelöscht werden. Die genaue Opferzahl bleibt unklar, ebenso die Zahl der Menschen, die in den Hotels verweilten und sich in ihren Zimmern verschanzt hatten.

Auch im jüdischen Zentrum im Nariman House wurden Geiseln genommen. Von dort aus feuerten die Terroristen nach Angaben der Polizei wahllos auf Passanten. Ein Paar, das sich auf dem Heimweg befand, wurde getötet, ebenso ein 16-jähriger Junge. Die Sicherheitskräfte hatten die Lage am Freitag noch nicht unter Kontrolle.

Während Monaten vorbereitet

Die vorläufige Opferbilanz wurde von den Behörden am Freitag mit 125 Toten, darunter mindestens sechs Ausländern, und 327 Verwundeten beziffert. Die Zahlen dürften noch ansteigen. Mindestens neun Angreifer wurden bei Kämpfen mit der Polizei getötet. Die Polizei beklagt 14 Tote, auch der Chef der Antiterror-Einheit von Mumbai befindet sich unter den Opfern.

Nach indischen Regierungsangaben gibt es Indizien, dass die Attentäter die Anschläge während Monaten vorbereitet und in den beiden Hotels eigentliche «Kontrollräume» eingerichtet hatten. Die Behörden fanden zudem in einem Restaurant in der Nähe des «Taj Mahal» acht Kilogramm RDX, einen der stärksten militärischen Sprengstoffe. Dies deute darauf hin, dass die Terroristen noch mehr Gewaltakte geplant hätten.

Kamen die Angreifer aus Pakistan?

Mehrere indische Medien erhielten E-Mails einer Gruppe namens «Deccan Mujaheddin», die sich zu den Anschlägen bekannte. Terrorismusexperten glauben jedoch angesichts der Dimension und der ausgefeilten Planung, dass eine etablierte Gruppe hinter den Anschlägen steckt. Die indische Marine und Küstenwache befragten am Freitag die Besatzung der MV Alpha. Die Behörden vermuten, dass die Boote der Terroristen von diesem Schiff gekommen waren. Dessen Ausgangspunkt sei die pakistanische Stadt Karachi gewesen. Die dortigen Behörden sagen, es gebe dafür keine Beweise.

(pbl)