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Erste Bilanz
28. November 2008 12:01; Akt: 28.11.2008 13:45 Print
So schlugen die Terroristen in Mumbai zu
Am dritten Tag des Terrors bekommen die Sicherheitskräfte die Lage in Mumbai langsam in den Griff. Eine vorläufige Rekonstruktion der Ereignisse zeigt: Alles hätte noch viel schlimmer ausgehen können.
Das Hotel «Oberoi» und das jüdische Zentrum sind unter Kontrolle von Polizei und Armee, nur im «Taj Mahal» soll sich noch mindestens ein Terrorist verschanzt haben – dies die vorläufige Bilanz des Terrors in Mumbai. Was aber ist in den letzten drei Tagen in der indischen Metropole genau geschehen? Der Versuch einer Rekonstruktion, basierend auf Angaben von CNN:
Die Terroristen erreichten Mumbai am Mittwochabend mit Booten. Polizeiquellen sprechen von rund 26 Angreifern. Sie landeten gemäss Polizeiangaben in der Nähe des Wahrzeichens «Gateway of India» und brachten Autos in ihre Gewalt, darunter auch ein Polizeifahrzeug. Danach spalteten sie sich in mindestens drei Gruppen auf.
Eine der Gruppen begab sich zum Café «Leopold», das bei westlichen Touristen beliebt ist. Die Terroristen feuerten wahllos auf Passanten. Danach soll sich die Gruppe nach Behördenangaben zum Hauptbahnhof Chhatrapati Shivaji begeben und dort um sich geschossen und Handgranaten geworfen zu haben. Als sich die Polizei zu den Tatorten begab, erfolgte ein weiterer Angriff auf das Cama-Spital. Mehrere Menschen kamen ums Leben, die Belagerung dauerte bis Donnerstagmorgen.
Angriffe auf Hotels und jüdisches Zentrum
Zwei weitere Gruppen attackierten die Luxushotels «Oberoi» und «Taj Mahal» und nahmen Geiseln. Vielen von ihnen gelang am Donnerstag und Freitag die Flucht. Immer wieder waren Schüsse und Explosionen in den beiden Hotels zu hören, Brände brachen aus. Das grosse Feuer im Hotel «Oberoi» konnte am frühen Freitagmorgen gelöscht werden. Die genaue Opferzahl bleibt unklar, ebenso die Zahl der Menschen, die in den Hotels verweilten und sich in ihren Zimmern verschanzt hatten.
Auch im jüdischen Zentrum im Nariman House wurden Geiseln genommen. Von dort aus feuerten die Terroristen nach Angaben der Polizei wahllos auf Passanten. Ein Paar, das sich auf dem Heimweg befand, wurde getötet, ebenso ein 16-jähriger Junge. Die Sicherheitskräfte hatten die Lage am Freitag noch nicht unter Kontrolle.
Während Monaten vorbereitet
Die vorläufige Opferbilanz wurde von den Behörden am Freitag mit 125 Toten, darunter mindestens sechs Ausländern, und 327 Verwundeten beziffert. Die Zahlen dürften noch ansteigen. Mindestens neun Angreifer wurden bei Kämpfen mit der Polizei getötet. Die Polizei beklagt 14 Tote, auch der Chef der Antiterror-Einheit von Mumbai befindet sich unter den Opfern.
Nach indischen Regierungsangaben gibt es Indizien, dass die Attentäter die Anschläge während Monaten vorbereitet und in den beiden Hotels eigentliche «Kontrollräume» eingerichtet hatten. Die Behörden fanden zudem in einem Restaurant in der Nähe des «Taj Mahal» acht Kilogramm RDX, einen der stärksten militärischen Sprengstoffe. Dies deute darauf hin, dass die Terroristen noch mehr Gewaltakte geplant hätten.
Kamen die Angreifer aus Pakistan?
Mehrere indische Medien erhielten E-Mails einer Gruppe namens «Deccan Mujaheddin», die sich zu den Anschlägen bekannte. Terrorismusexperten glauben jedoch angesichts der Dimension und der ausgefeilten Planung, dass eine etablierte Gruppe hinter den Anschlägen steckt. Die indische Marine und Küstenwache befragten am Freitag die Besatzung der MV Alpha. Die Behörden vermuten, dass die Boote der Terroristen von diesem Schiff gekommen waren. Dessen Ausgangspunkt sei die pakistanische Stadt Karachi gewesen. Die dortigen Behörden sagen, es gebe dafür keine Beweise.
(pbl)



























