Mumbai nach den Anschlägen

29. November 2008 10:07; Akt: 06.05.2009 18:02 Print

Der Nervenkrieg geht weiterDer Nervenkrieg geht weiter

In den voll besetzten Zügen, auf den Strassen, in Läden und Büros von Mumbai stellen sich die Menschen immer wieder dieselbe Frage: «Ist überhaupt noch jemand sicher?» Der Terror hat die indische 18-Millionen-Stadt erschüttert wie noch nie zuvor. Auch wenn Mumbai schon früher verheerende Anschläge mit hunderten Toten erlebte und immer wieder schnell auf die Beine kam, scheint diesmal alles anders.

Bildstrecke im Grossformat »
Trauer und Wut in Mumbai. Viele haben Familienangehörige bei den Attentaten verloren. Inder versammeln sich vor dem Leopold Cafe, einem der Tatorte. Verwüstung im Inneren des Hotels Taj Mahal. Taj Mahal nach dem Terror. Zerstörung im Taj Mahal. Trauer um die Terroropfer: Die letzte Ehre. Trauerzug für den getöteten Kommander Gajendra Singh. Trauer und Leid. Die letzten Brandherde werden gelöscht. Zwei Soldaten richten einen Granatwerfer auf das Hotel Taj Mahal. Ein Soldat zielt auf das Hotel Taj Mahal. Granaten schlagen im alten Teil des Hotel Taj Mahal ein. Der italienische Koch des Trident Oberoi verlässt mit seiner Tochter das Hotel. Sicherheitskräfte nehmen das Hotel Taj Mahal ins Visier. Während sich der Wohnungsmieter unter dem Bett versteckt, feuern Soldaten in Richtung des jüdischen Zentrums. Spezialeinheiten stürmen das jüdische Zentrum. Ein Helikopter setzt indische Einsatzkräfte beim jüdischen Zentrum ab. Einsatzkräfte versuchen das jüdische Zentrum zu stürmen. Ein Scharfschütze gibt Feuerschutz, während Spezialeinheiten das jüdische Zentrum stürmen. Banges Warten auf eine Befreiung im Trident-Oberoi-Hotel. Eine Sicherheitseinheit positioniert sich vor dem Hotel Taj Mahal in Mumbai am 27. November. Leere Strassen im sonst belebten Stadtteil Kulaba in Bombai nach Schüssen am 27. November. Polizisten bewachen das Hotel Taj Mahal in Mumbai am Abend des 27. Novembers. Retter holen mit einer Leiter eine Frau am 27. November aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai. Ein Beamter der Zugbewachungseinheit kontrolliert mit einem Spürhund einen Waggon. Menschen verstecken sich nach Schüssen aus dem Hotel Taj Mahal in Mumbai hinter einem Palisadenzaun. Leute ducken sich am 27. November hinter einen Palisadenzaum um das Hotel Taj Mahal in Mumbai, als Schüsse durch die Luft peitschen. Ein Mann, der fast 24 Stunden lang als Geisel festgehalten wurde, wird vom Hotel Trident Oberoi in Mumbai wegbegleitet. Ein Tourist, der über 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai als Geisel gefangen gehalten wurde, wehrt Medienleute ab. Zwei erschöpfte Touristen, die gegen 24 Stunden im Trident Oberoi Hotel in Mumbai gefangen gehalten wurden laufen nach ihrer Freilassung gemeinsam weg. Die Indian National Security Guard positionieren sich im Bereich des Kulaba Marktes am 27. November. Die Indian National Security Guard positioniert sich im Bereich des Kulaba-Marktes. Ein Mann der Indian National Security Guard positioniert sich in einem Gebäude beim Kulaba-Markt. Ein TV-Bild zeigt einen der islamistischen Terroristen, die am 26. November 2008 im Mumbai ein Blutbad angerichtet haben. TV-Bilder der Terroristen, die im Taj Mahal Hotel Geiseln genommen haben. Während der Nacht gelang es der Polizei einige der Geiseln aus dem Taj Mahal Hotel zu befreien. Befreite Geiseln und Gäste des Taj Majhal Hotels. Trümmer liegen überall herum. Eine Ambulanz auf dem Weg zu einem Spital. Schaulustige betrachten, was nach der Explosion einer Bombe übrig blieb. Rauch über dem Taj Mahal Hotel in Mumbai. Ein Fotograf bei den Aufnahmen der traurigen Bilder. Polizisten inspizieren einen Ort, an dem die Terroristen gewütet haben. Ein Polizist führt eine ältere Dame aus der Bahnhofshalle, wo kurz davor ein Massaker stattfand.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Es gibt eine Grenze dafür, was eine Stadt verkraften kann», sagt die 33-jährige Hausfrau Ayesha Dar. «Diesmal ist es eine ganz, ganz andere Art von Angst. Es wird einige Zeit dauern, bis die Lage wieder normal ist.» Rund 200 Tote und 300 Verletzte meldeten die Behörden am Samstag nach den koordinierten Angriffen mutmasslich muslimischer Extremisten auf zehn Orte der Finanzmetropole und den rund 60 Stunden anhaltenden Kämpfen. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigt.

Sorge, Angst und Trauer halten die Stadt im Griff. «Kann es wieder passieren?» fragen sich die Menschen. «Die Leute sind besorgt, aber diesmal kommt auch die Wut dazu», sagt Rajesh Jain, Chef einer Maklerfirma. «Die Menschen sind aufgebracht über die Unfähigkeit der Behörden. Hat die Regierung den Willen, die Fähigkeit, die Gefahren, denen wir ausgesetzt sind, anzupacken?» Trotz allem seien die Hälfte seiner 40 Mitarbeiter weiter zur Arbeit gekommen - in nur 500 Meter Entfernung vom Taj-Mahal-Hotel, in dem sich noch bis zum Samstag Extremisten verschanzt hielten.


Leere Kinos und Restaurants

Nach Beginn der Terrorattacke am Mittwochabend schlossen die Behörden die meisten der sogenannten weichen Ziele, darunter Schulen und Kinos. Am Montag sollen die Kinder von Ayesha Dar wieder zum Unterricht gehen, wie sie über ihr Mobiltelefon erfahren hat.

Die sonst brechend vollen Kinos sind noch weit von einem Normalbetrieb entfernt: «Ich kann nicht sagen, wann wir wieder öffnen», erklärt Karan Amin vom «Regal»-Kino. «Wer will denn kommen, wenn überall die Angst herrscht?»

Auch in den Restaurants bleiben die Kunden weg. «Die Leute kommen nicht in Restaurants oder Bars, wenn sie Angst haben», sagt Barbesitzer Pranav Desai. «Hier geht es um gut ausgebildete Extremisten, nicht irgendwelche Jungs, denen man sagt, sie sollen Bomben legen und verschwinden. Diesmal ist es nicht so einfach.»


Bereits mehrmals von verheerenden Anschlägen erschüttert

In den vergangenen Jahren hat Mumbai mehrfach verheerende Terroranschläge und Tragödien überstanden. 2006 rissen sieben Explosionen in Zügen 187 Menschen in den Tod. Die Sprengsätze wurden zur Stosszeit am Abend gezündet. Drei Jahre zuvor wurden mit Sprengstoff beladene Taxis vor dem «Gateway of India», einem Wahrzeichen der Stadt, in die Luft gesprengt. Die Explosionen auf einem belebten Markt gleich in der Nähe des Taj-Mahal-Hotels kosteten 52 Menschen das Leben. Nur Stunden später kehrte damals Normalität auf den Strassen ein.

1993 erschütterte eine Serie von 13 Bombenexplosionen die Stadt, 257 Menschen wurden getötet. Die Börse, vor der eine Autobombe hoch ging, wurde nicht einmal geschlossen.

Nach dem Zug des Terrors durch die Stadt in der zurückliegenden Woche sind sich die Einwohner von Mumbai nicht so sicher, dass ihre Stadt sich bald wieder erholt. «Plötzlich fühlt sich keiner mehr sicher», sagt Joe Sequeira, Manager eines Restaurants nahe dem Oberoi-Hotel, welches ebenfalls Ziel der Terrorwelle war.

Langfristig lässt sich die Stadt nach Ansicht Sequeiras aber nicht unterkriegen. «Es wird dauern», meint er. «Die Leute haben Angst, aber sie werden merken, dass es nichts bringt, nur Angst zu haben und zu Hause zu sitzen.» Das Leben müsse wieder in normale Bahnen gelenkt werden, betont er. «Wir haben keine Wahl.»

(dapd)