Anschläge von Mumbai

03. Dezember 2008 14:18; Akt: 06.05.2009 18:01 Print

Hightech-Terror mit GPS und VoIPHightech-Terror mit GPS und VoIP

von Peter Blunschi - Der Terror von Mumbai dauerte geschlagene 60 Stunden. Hauptgrund war der technologische Vorteil der Angreifer. Sie waren mit Hightech-Material ausgerüstet, die Polizisten mit Gewehren aus dem Zweiten Weltkrieg.

Das Hotel «Taj Mahal» (l.) neben dem «Gateway of India». Mit solchen Satellitenfotos bereiteten sich die Terroristen auf den Angriff vor.

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Der Alptraum von Mumbai war «Terrorismus im Digitalzeitalter», so die «Washington Post». Tatsächlich liess die Ausrüstung der schwer bewaffneten Angreifer keine Wünsche offen. «Das war eine technologisch ziemlich hoch entwickelte Gruppe», sagt der indische Terrorismus-Experte Praveen Swami. Für die Fahrt auf dem Seeweg von Karachi nach Mumbai hätten die Angreifer ein GPS-System modernster Bauart verwendet. Die Vorbereitung auf den Angriff sei mit Satellitenkarten in hoher Auflösung erfolgt, so Swami weiter. Die Polizei habe CDs mit entsprechendem Material in den Hotelzimmern gefunden, in denen sich die Angreifer aufhielten.

Auch Azam Amir Kasab, der einzige überlebende Terrorist, bestätigte im Verhör, dass ihm vor dem Angriff Videos und Satellitenfotos der Ziele gezeigt wurden. Die Terroristen seien etwa mit Blackberrys ausgerüstet gewesen, und die Kommunikation mit den Anführern sei via Satellitentelefon und VoIP erfolgt. Und untereinander hätten die Angreifer unter anderem mit Handys kommuniziert, die sie den Geiseln abgenommen hatten, erklärte Praveen Swami der «Washington Post».

«Eine Generation im Rückstand»

Taktisch waren die Angreifer den Sicherheitskräften damit überlegen, wie diese zögerlich zugaben. «Die Technologie macht jeden Tag Fortschritte. Wir versuchen mitzuhalten», sagte Mumbais Polizeichef Hassan Gafoor am Dienstag an einer Medienkonferenz.

Indische Experten äussern sich deutlicher. Die Polizei sei noch mit Gewehren aus dem Zweiten Weltkrieg ausgerüstet und technologisch unterlegen gegenüber Cyber-Kriminellen und Internet-erfahrenen Angreifern, erklärten sie der «Washington Post». So gebe es in Mumbai Überwachungskameras, aber viele seien unbedient, oder sie funktionierten nicht.

Die indischen Sicherheitskräfte seien «eine Generation im Rückstand beim Verständnis der Technologie, die von den Terroristen benutzt wurde», so das harte Fazit von Ajay Sahni, Direktor des Instituts für Konfliktmanagement in Neu Delhi. Selbst Eliteeinheiten wie die National Security Guard, auch bekannt als «Black Cats», seien schlecht ausgerüstet. Sie verfügten kaum über Nachtsichtgeräte oder Wärmekameras, mit denen sie die Angreifer in den Luxushotels hätten aufspüren können. Die «Black Cats» hätten 7400 Mann, aber kein eigenes Flugzeug, weshalb sie erst nach acht Stunden vor Ort waren. «Und als sie ankamen, hatten sie keine Pläne der Hotels, von Hightech-Ausrüstung ganz zu schweigen», fügte Sahni an.

Terroristen verfolgten TV-Übertragung

Als Problem erwies sich nicht nur die mangelhafte Ausrüstung von Polizei und Armee. So verfolgten die Terroristen in ihren Hotelzimmern am TV die Direktübertragung der Fernsehsender und waren so über das Vorgehen der Sicherheitskräfte informiert.

Als Einheiten der «Black Cats» gezeigt wurden, wie sie sich vom Helikopter auf das Dach des jüdischen Zentrums abseilten, wurde es der Stadtregierung zu bunt. Sie stoppte die Live-Übertragung für 45 Minuten, was prompt zu Protesten von verängstigten Einwohnern führte. Allein der News-Sender «Times Now» erhielt rund 1000 SMS. An einer Konferenz wollen die TV-Stationen ihre Rolle in der Krise analysieren.