Mord in Dubai

27. Dezember 2010 14:44; Akt: 27.12.2010 15:44 Print

Mossad-Chef sagt Sorry für falsche Pässe

Der neue Chef des israelischen Geheimdienstes will sich offenbar in London für die Verwendung falscher britischer Pässe bei der Tötung eines Hamas-Führers entschuldigen.

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Tamir Pardo ist seit Ende November Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad. (Bild: Keystone/Yehoshua Yosef)

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Am 20. Januar war Mahmud al-Mabhuh, ein hochrangiger Funktionär der radikalislamischen Hamas, in seinem Hotelzimmer in Dubai ermordet aufgefunden worden. Der Verdacht fiel rasch auf den israelischen Geheimdienst Mossad, der Erfahrung mit solchen Operationen hat. Die Behörden in Dubai fanden heraus, dass die am Mord beteiligten Personen mit gefälschten britischen, irischen, französischen, australischen und deutschen Pässen eingereist waren. Teilweise hatten sie die Identitäten von tatsächlich existierenden Menschen geklaut.

Dieser Missbrauch sorgte vor allem in Grossbritannien für Empörung. Der damalige Aussenminister David Miliband bezeichnete ihn als «inakzeptabel» und liess einen israelischen Diplomaten, bei dem es sich um den Leiter des Mossad-Büros in London gehandelt haben soll, des Landes verweisen. Der damalige Mossad-Direktor Meir Dagan verweigerte jedoch eine Entschuldigung. Sein Nachfolger Tamir Pardo will dies nun offenbar nachholen, wie der britische «Telegraph» mit Berufung auf Mossad-Insider berichtet.

Gegen falsche Pässe

Demnach will sich Pardo bei einem Besuch Anfang Januar in London bei Aussenminister William Hague und Innenministerin Theresa May entschuldigen und ihnen versichern, dass israelischen Agenten nie wieder der Gebrauch falscher britischer Papiere bei Operationen im Ausland erlaubt werde. Der 57-jährige Pardo ist seit 30 Jahren beim Mossad und war zuletzt Vizedirektor. Er soll die Verwendung der gefälschten Pässe bei der Dubai-Operation laut «Telegraph» von Anfang an abgelehnt haben, doch Dagan habe nicht auf ihn gehört.

Als neuer Chef will Tamir Pardo offenbar die beschädigten Beziehungen zu Grossbritannien und seinen Geheimdiensten MI5 und MI6 kitten. Einen ersten Schritt hat er laut dem Bericht bereits gemacht und die moderne Gesichtserkennungs-Technologie des Mossad für die Ermittlungen im nach wie vor ungeklärten Todesfall Gareth Williams zur Verfügung gestellt. Der britische Agent wurde Ende August tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden, seine Leiche war in eine Sporttasche gesteckt worden.

(pbl)