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Nahost-Konflikt
16. Januar 2009 16:09; Akt: 16.01.2009 17:24 Print
Ausflug ins Leere
Da liess das israelische Militär endlich einmal ein Dutzend Auslandsreporter in den Gazastreifen, doch sie sahen nichts: Keine Gefechte, keine kämpfenden Soldaten weit und breit.
Und das ausgerechnet an dem Tag, als das Hauptquartier der UN-Flüchtlingshilfe bei den Kämpfen getroffen und der Innenminister der Hamas getötet wurde. Doch die Journalisten sahen nichts davon.
Von einem Stützpunkt nahe der Grenze wurden sie am Donnerstag eine halbe Stunde lang in unbewohntes Gelände gefahren, wo ein Offizier in einem Panzer vorfuhr, eine Stellungnahme abgab und ein paar Fragen beantwortete. Keine Gefechte, keine kämpfenden Soldaten weit und breit.
Aufnahmen von Fotografen gelöscht
Ganz im Gegensatz zum Libanonkrieg 2006, als sich Medienvertreter frei bewegen konnten, geht bei der Gaza-Offensive kaum etwas. Journalisten sind aus der Kampfzone ausgesperrt. Sie erhalten nur begrenzt Zugang, selbst wenn sie, was selten genug vorkommt, bei den israelischen Streitkräften «eingebettet» werden. Interviews mit Militärangehörigen finden, wenn überhaupt, nur unter strenger Aufsicht statt. Auch weite Teile Südisraels sind als Aufmarschgebiet für Journalisten gesperrt. Einige Reporter, die sich trotzdem vorwagten, wurden festgenommen. Fotografen wurden die Aufnahmen gelöscht.
Israelische Regierungsvertreter begründen die Aussperrung aus Gaza damit, dass die Berichterstatter dort in Gefahr geraten würden. Sie sagen aber auch, dass manche die Sichtweise der Hamas ungeprüft übernehmen und so eine verzerrte Darstellung des Konflikts übermitteln würden - ein Eingeständnis, dass eher grundsätzlichen Erwägungen als Sicherheitsbedenken dahinter stecken.
Der Gazastreifen war schon einen Monat vor Beginn der israelischen Offensive gesperrt worden, als noch relative Ruhe herrschte. Die Vereinigung der Auslandspresse klagte vor dem Obersten Gerichtshof Israels dagegen und bekam begrenzten Zugang zugesprochen. Mit der Auslegung des Militärs, das kurze Ausflüge unter strenger Bewachung für ausreichend hält, ist sie allerdings nicht einverstanden.
Die Taktik kann auch nach hinten losgehen
«Es sind nicht nur die Journalisten. Sie halten alle Informationen unter dem Deckel, die dafür von Bedeutung sind, dass sie den Krieg führen können, den sie führen wollen», erklärt der Kommunikationswissenschaftler Gad Wolfsfeld von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er weist darauf hin, dass auch die israelischen Soldaten selbst ihre Handys nicht mit in den Einsatz nehmen dürfen. «Ich glaube, die Schlussfolgerung aus dem letzten Krieg war: Ob richtig oder falsch - je weniger gesagt wird, desto besser, je weniger gefilmt wird, desto besser.»
Das erleichtere es Israel, den Inhalt zu kontrollieren. Wolfsfeld erinnert aber auch daran, dass diese Taktik in der Vergangenheit auch schon nach hinten losgegangen ist. So hatten 2002 beim Einmarsch in Dschenin im Westjordanland die ausgesperrten Medien unter Berufung auf palästinensische Angaben von einem Blutbad mit 500 Toten berichtet. Als UN-Vertreter den Ort nachher betreten durften, stellte sich heraus, das die Zahl der Opfer eher bei 50 lag.
Ganz anders dann im Libanon 2006. Da konnten sich die Berichterstatter, die von libanesischer Seite ohnehin ungehindert herankamen, frei bewegen und hatten sogar Zugang selbst zu den ranghöchsten Offizieren. Und israelische Soldaten riefen sogar selbst beim Staatsfernsehen an, um sich über ihre unzureichende Ausbildung und Ausrüstung zu beschweren.
(dapd)



























