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Palästina
09. Juni 2008 08:08; Akt: 09.06.2008 13:53 Print
An der Mauer blüht der Drogenhandel
Ein verstohlener Blick über die Schulter - keine Polizei da. Rasch taucht der Mann seine Hand in ein Loch in der Mauer, zieht ein Paket heraus und verschwindet – mit Drogen für junge Palästinenser und reiche Israeli.
Sechs Meter ist der sogenannte Schutzwall hoch, den Israel an der Grenze zu den Palästinensergebieten gebaut hat. Eine 650 Kilometer lange Mauer aus Beton, gesichert durch Stacheldraht und elektrische Zäune, dazu gemacht, palästinensische Dörfer von jüdischen Siedlungen und Städten zu trennen und potenziellen Attentätern den Eintritt nach Israel zu verwehren.
Menschen kommen hier nicht durch. Aber Drogen. Ausgerechnet entlang einer der bestgesicherten Grenzen der Welt hat sich ein schwungvoller Handel mit Rauschgift jeder Art entwickelt. Denn die Mauer enthält Löcher. Eigentlich soll hierdurch nur der Regen abfliessen. Tatsächlich sind die Lücken gerade gross genug für eine Hand - und kleine Drogenpakete.
In beiden Richtungen
«Junge Palästinenser nehmen Ecstasy oder LSD, aber auch Haschisch und Marihuana», sagt ein 36-jähriger palästinensischer Schmuggler, der sich Zoher nennt. Der Stoff werde direkt vor den Schulen verkauft, und das Geschäft laufe immer besser.
Umgekehrt funktioniert der Drogentransfer übrigens auch: Der 40-jährige Palästinenser Eid berichtet, er habe sich auf die Modedroge Crystal Meth spezialisiert und verkaufe diese vor allem an wohlhabende Israelis.
Verglichen mit Israel und anderen Nachbarländern gibt es in den Palästinensergebieten bisher wenig Probleme mit Rauschgift. Im vergangenen Jahr ging die Polizei ganze 416 Mal gegen Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz vor.
In den meisten Fällen ertappten die Beamten lediglich Gelegenheitsnutzer, daneben gingen noch zehn Dealer und rund ein Dutzend Menschen ins Netz, die Cannabis angebaut hatten.
Drogenhandel zieht an
«Der Drogenhandel ist hier weniger entwickelt als in den meisten westlichen Ländern», sagt auch Colin Smith, Leiter der EU-Polizeimission in den Palästinensergebieten. «Deshalb haben wir jetzt die Gelegenheit, das Problem anzupacken, statt noch fünf Jahre zu warten, bis es viel grösser ist.» Generell würden bislang wenig Drogen konsumiert. «Aber der Handel mit synthetischen Stoffen hat sich mittlerweile ziemlich stark ausgebreitet», warnt Smith.
Aus Ägypten, Jordanien und dem Libanon gelangt der Stoff nach Israel und in die Palästinensergebiete, wie der Chef der palästinensischen Drogenbekämpfung im Westjordanland, Fadel el Alul, sagt. Hauptumschlagplatz sei Jerusalem, und häufig hätten die Schmuggler kein Problem damit, ihre Ware direkt neben den israelischen Strassensperren über die Grenze zu bringen.
Zusammenarbeit über die Mauer
«Wir können sie nicht festnehmen, weil diese Dealer in den israelisch kontrollierten Gebieten leben, sagt Alul. Ausserdem sei die Polizeiarbeit zwischen Israelis und Palästinensern viel zu schlecht koordiniert.
EU-Polizeichef Smith dagegen sagt, die israelische und die palästinensische Polizei arbeiteten immer häufiger zusammen, um den Schmuggel nicht nur von Drogen, sondern auch von Autos zu unterbinden. Und auch die Polizei betont, sie unternehme «jede erdenkliche Anstrengung im Kampf gegen die Drogen».
(sda)


























