Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Eskalation
08. Januar 2009 07:56; Akt: 08.01.2009 12:58 Print
Nordisrael aus dem Libanon beschossen
Der Krieg in Nahost hat den Norden Israels erreicht: In den Morgenstunden schlugen aus dem Libanon abgefeuerte Raketen im Gebiet um Naharija ein. Damit droht eine zweite Front zu entstehen.
Als Reaktion hat die israelische Armee am Donnerstag zurückgefeuert. «Wir schiessen direkt auf den Ursprungsort des Raketenbeschusses im Libanon», sagte ein Sprecher des israelischen Militärs.
Israelis begutachten ein durch Raketenbeschuss beschädigtes Gebäude in Naharija.(Bild: Keystone)
Knapp zwei Wochen nach Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen waren am Donnerstagmorgen aus dem Süden des Libanon erstmals wieder Raketen auf Israel abgefeuert worden. Vier Katjuscha-Raketen schlugen im Gebiet um Naharija im Nordwesten Israels ein.
Dabei wurden nach Angaben von Sanitätern fünf Menschen leicht verletzt. Naharija liegt etwa neun Kilometer südlich der Grenze zum Libanon.
Offenbar keine Hisbollah-Raketen
Bislang hat sich keine Gruppe zu dem Raketenangriff bekannt. Die Armee geht nach Radioangaben davon aus, dass militante Palästinensergruppen die Raketen aus dem Libanon mit Einwilligung der pro-iranischen Hisbollah-Milizen abgefeuert haben.
Bei den Raketentypten soll es sich um ältere Modelle handeln, die von der Hisbollah nicht benutzt werden. Sowohl die Hamas im Libanon als auch die Hisbollah bestritten am Donnerstag, für den Anschlag verantwortlich zu sein.
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte am Mittwoch Angriffe aus dem Libanon auf Israel hingegen nicht ausgeschlossen. «Wir sind bereit, unsere Seelen, unsere Kinder und unsere Liebsten zu opfern», sagte er vor zehntausenden Anhängern seiner Miliz. Alles sei möglich.
Vor zweieinhalb Jahren hatte Israel einen Krieg im Libanon gegen die mit der radikal-islamischen Hamas sympathisierende Hisbollah geführt. Die Hisbollah hatte damals vom südlichen Libanon aus zahlreiche Katjuscha-Raketen auf israelischen Boden abgefeuert.
Krieg in Gaza geht weiter
Israel setzte am Donnerstag seine schweren Angriffe auf Ziele der Hamas im Gazastreifen fort. Kampfflugzeuge flogen nach Angaben eines Militärsprechers in der Nacht mehr als 60 Einsätze.
Dabei seien unter anderem die Häuser von zwei hochrangigen Hamas-Mitgliedern in Rafah im südlichen Gazastreifen bombardiert worden. Darüber hinaus sei eine Moschee angegriffen worden, die als Waffenlager und Treffpunkt für Hamas-Militante gedient haben soll.
Bei den seit 13 Tagen anhaltenden Kämpfen wurden bislang nach Spitalangaben mindestens 658 Palästinenser getötet. Israel hat erklärt, so lange gegen die Hamas vorzugehen, bis diese keine Raketen mehr in den Süden Israels abfeuern kann.
Verhandlungen in Ägypten
Gleichzeitig waren in Ägypten Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gang. Am Donnerstag reiste dazu ein Berater des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak nach Kairo. Die Hamas wollte über den Plan in ihrem Exil in Damaskus beraten.
In New York unterbrach der UNO-Sicherheitsrat seine dreitägigen Beratungen über den Konflikt, ohne eine gemeinsame Linie zu finden.
Calmy-Rey begrüsst Plan für Waffenruhe
Die Schweiz unterstützt den französisch-ägyptischen Vorschlag für eine Waffenruhe im Gazastreifen. «Es besteht die Hoffnung, dass die Konfliktparteien sich auf einen Friedensplan einigen können», sagte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.
Gegenüber dem Westschweizer Radio RSR erklärte Calmy-Rey am Donnerstag, die Schweiz sei zwar nicht an den diplomatischen Verhandlungen beteiligt, «mache aber Druck, dass das humanitäre Völkerrecht eingehalten wird».
Die Schweiz sei besorgt über die humanitäre Krise im Gazastreifen. Die Situation sei schwierig und werde von Hilfsorganisationen gar als katastrophal bezeichnet. Die Grenzen zu dem Palästinensergebiet müssten unbedingt für Nothilfe geöffnet werden, forderte Calmy-Rey.
Den israelischen Angriff auf eine UNO-Schule vom Dienstag mit über 40 Toten bezeichnete die Bundesrätin als «schmerzhaftes Ereignis». Sie forderte eine unabhängige Untersuchung, um die Verantwortung an dem Bombardement zu klären.
(Video: AP/dga, 20 Minuten Online)
(sda)




























