Einige Reserve-Einheiten befänden sich bereits im Umkreis der Stadt Gaza, teilte Brigadegeneral Avi Benajahu in Jerusalem mit. Beobachter werteten dies als Hinweis, dass Israel eine neue Phase seiner Bodenoffensive eingeleitet habe. Dazu würden die tausenden Reservisten gebraucht, die bereits im Grenzgebiet stationiert seien.
Während des Tages griff die israelische Luftwaffe wieder Ziele an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten an, wo sich zahlreiche Tunnelanlagen für den Schmuggel von Waffen und Versorgungsgütern befinden. Die Zahl der Todesopfer stieg zu Beginn der dritten Kriegswoche nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbehörden auf rund 870. Auf israelischer Seite sind 13 Menschen ums Leben gekommen.
Die deutsche Bundesregierung verstärkte ihre Bemühungen um einen raschen Waffenstillstand in Nahost. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier bot in Ägypten deutsche Hilfe an, um den Waffenschmuggel zu unterbinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel deutete an, sie lehne eine deutsche Beteiligung an einer internationalen Friedensmission nicht grundsätzlich ab.
Israel begrüsst Steinmeiers Initiative
Steinmeier besuchte am Samstag in Ägypten den Grenzübergang Rafah und wurde Augenzeuge von Luftangriffen und Kämpfen. Am Sonntag erörterte er den Konflikt in Israel unter anderem mit Aussenministerin Zipi Livni. Livni lobte Steinmeiers Initiative gegen den Waffenschmuggel als «sehr wertvollen Beitrag» und begrüsste, dass Deutschland bereits Innenstaatssekretär August Hanning nach Kairo entsandt habe. In den kommenden Tagen wird Deutschland laut Steinmeier dann ein Expertenteam an die Grenze entsenden.
Die diplomatischen Bemühungen der ägyptischen Regierung um eine Lösung des Konflikts traten vorerst auf der Stelle. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Zu dessen Überwachung schlug er die Stationierung internationaler Beobachter im Gazastreifen vor. Die dort regierende Hamas lehnte dies umgehend ab. Ägypten wiederum stellte klar, dass es keine Beobachter auf seinem Territorium akzeptieren werde. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wollte noch im Laufe der Woche in die Region reisen. Katar verlangte ein sofortiges Aussenministertreffen der 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga.
Olmert: Nah am Ziel
Trotz des massiven militärischen Drucks hat Israel sein Ziel einer Einstellung der israelischen Raketenangriffe noch nicht erreicht. Am Wochenende schlugen Geschosse in der Stadt Beerscheba ein. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, die Offensive nähere sich ihren Zielen, «aber mehr Geduld, Entschlossenheit und Anstrengung ist noch gefordert».
Auch die Hamas gab sich unnachgiebig. Ihr Führer Chalid Maschaal kündigte an, seine Organisation werde solange weiterkämpfen, bis die Israelis sich zurückzögen und die Blockade des Gazastreifen beendeten.
Mit Blick auf die Resolution des Weltsicherheitsrats sagte Olmert, Israel halte an seinen eigenen Entscheidungen fest. Am Wochenende warfen israelische Flugzeuge Flugblätter über dem Gazastreifen ab, auf denen die Bevölkerung vor einer Ausweitung der Offensive gewarnt wurde. Das Verteidigungsministerium liess verlauten, die Streitkräfte seien auf eine dritte Phase der Offensive vorbereitet, die dann auch mit Strassenkämpfen verbunden sei.
Barack Obama kündigte am Sonntag im Fernsehsender ABC an, er werde direkt nach Amtsantritt mit einem kompetenten Team im Nahen Osten vermitteln.
Phosphorgranaten abgefeuert?
Mindestens 55 Menschen seien in der Nacht auf Sonntag durch Phosphorgranaten verletzt worden. «Die Art der Verbrennungen, die diese Menschen haben, können nur von weissem Phosphor verursacht werden», sagte der Arzt. Eine Sprecherin der israelischen Armee dementierte einen Militäreinsatz in dem Dorf sowie den Einsatz von Phosphorgranaten.
Zuvor hatte bereits die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert, Israel setze weisses Phosphor ein und riskiere damit Hautverbrennungen bei Zivilisten. Der Einsatz von Phosphorgranaten ist umstritten, nach internationalem Recht aber nicht grundsätzlich verboten.
Hunderttausende protestieren gegen Israel
Aus Protest gegen die israelische Offensive sind am Wochenende hunderttausende Menschen in ganz Europa und im Nahen Osten auf die Strasse gegangen. Allein in Paris versammelten sich am Samstag mehrere zehntausend Demonstranten. In Berlin und anderen deutschen Städten protestierten insgesamt mehr als
|
Diesen Artikel weiterempfehlen... |