Golf von Mexiko

08. Mai 2010 22:48; Akt: 11.05.2010 11:20 Print

Stahlbetonglocke muss wieder wegStahlbetonglocke muss wieder weg

Rückschlag im Kampf gegen das Öl. Der Versuch mit der Stahlbetonglocke ist fehlgeschlagen, sie musste wieder vom Leck abgezogen werden.

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Borschiffe (im Hintergrund) bei der Arbeit fürs Ölleck im Golf von Mexiko (10. Julli 2010). Im Vordergrund eine Ölplattform, die überschüssiges Gas abfackelt. Die neue Auffangglocke während der Tests am 17. Juli 2010. Aufnahme vom 16. Juli. Aufnahme vom 15. Juli. Kurz nach Beginn der Tests mit dem neuen Zylinder meldet der Erdölkonzern BP, dass kein Öl mehr aus dem Leck im Golf von Mexiko austrete. (15.7.2010) Der Testlauf eines zum Ölabsauger umgebauten Riesentankers (A Whale) ist vorerst ergebnislos verlaufen. (5.7.2010) Ein Roboter versucht, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, um ... ... das Öl danach kontrolliert abzuleiten. Das Öl fliesst pausenlos. Bewohner der Gemeinde Grand Isle in Louisiana machen ihrem Unmut über BP Luft. Am 25. Mai fand in Jackson (Mississippi) eine Trauerfeier für die elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der «Deepwater Horizon» ums Leben gekommen waren. Von der Transocean-Bohrinsel «Development Driller III» aus wird die Entlastungsbohrung vorgenommen. Zwei Crevetten-Fischerboote ziehen eine Ölsperre. Im Hintergrund wird Öl kontrolliert abgefackelt. Die Nationalgarde Louisianas baut einen Damm, um Teile der flachen Küste vor dem Öl zu schützen. Hier sprudelt das Öl. Dies sind die ersten Aufnahmen des Öllecks. Der Ölteppich breitet sich weiter aus: Am 9. Mai gelangten erste Teerklumpen an die Küste Alabamas. Der Versuch, eines der Bohrlöcher mit einer Stahlbetonglocke zu stopfen, scheiterte. In der riesigen Konstruktion bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser, die die Öffnungen verstopfen, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte. Eine Bohrinsel im ölverschmutzten Wasser. Ölverschmutzung aus der Nähe. Crevetten-Fischerboote schleppen eine Ölsperre aufs Meer hinaus. Die US-Regierung hat aufgrund der Ölverschmutzung ein Fischfangverbot verhängt und die Garnelen-Saison vorzeitig beendet. Noch ist kein Notstand für die Krebstiere ausgebrochen. Viele Fischer sind aber in ihrer Existenz bedroht. Sollte es den Einsatzkräften nicht gelingen, das Öl von der Küste fernzuhalten, dürften die Helfer an der Küste noch mehr Opfer zu beklagen haben. Die Aufnahme des Satelliten Eumetsat vom 29. April zeigt den Ölteppich, wie er auf das Mississippi-Delta zutreibt. Der Ölteppich bedroht das hochsensible Sumpfgebiet im Mississippi-Delta. Sollte das Öl das Sumpfgebiet erreichen, wäre es das Ende des Ökosystems vor Ort. Anders als von Steinküsten können die Ölverschmutzungen nicht so leicht abgetragen und gesäubert werden. Zudem könnten die Wasserarme des Deltas das Öl weiter ins Innere tragen und damit die gesamte Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Mit schwimmenden Barrieren versuchen die Rettungskräfte, den Ölteppich aufzuhalten. Durch kontrolliertes Abfackeln versuchen die Behörden, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Methode ist jedoch umstritten. Experten befürchten, dass täglich gegen eine Million Liter Rohöl in den Golf gelangen könnten. Das Öl stammt aus einem Bohrloch unterhalb der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon. Die Deepwater Horizon war am 21. April 2010 in Brand geraten. Am 22. April 2010 sank die Plattform. 115 der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten in Sicherheit gebracht werden, drei davon schwer verletzt. Elf Menschen kamen ums Leben. Die 121 Meter lange und 78 Meter breite Plattform befand sich rund 70 Kilometer vor Louisianas Küste. Die Ölplattform Deepwater Horizon gehörte dem Schweizer Unternehmen Transocean und war vom britischen Konzern BP geleast. Die Firma verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Ursprünglich eine US-Firma, hat das Unternehmen seinen Sitz seit 2008 in Zug.

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Der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat einen Dämpfer erlitten. Am Samstag scheiterte ein Versuch, in 1500 Metern Tiefe eine Stahlglocke über dem sprudelnden Bohrloch dauerhaft abzusetzen, weil sich eisähnliche Kristalle an der Konstruktion gebildet hatten.

Die Einsatzkräfte mussten die Glocke deshalb von dem Bohrleck wieder abziehen, wie ein Vertreter des Mineralölkonzerns BP, Doug Suttles, sagte.

Ölglocke steht jetzt neben dem Leck

Wegen der Probleme habe man die rund 100 Tonnen schwere und 13 Meter hohe Kuppel, die in der Nacht zum Samstag zunächst über dem Leck platziert wurde, jetzt neben das Leck gestellt. «Die Kuppel befindet sich etwa 200 Meter vom Öl-Leck entfernt auf dem Meeresboden.» Experten würden derzeit prüfen, wie die Kristallbildung verhindert werden könne. Dies werde vermutlich zwei Tage dauern, sagte Suttles. Eine der Möglichkeiten sei es, die Kristallbildung etwa mit Wärme zu verhindern. Eine andere Möglichkeit sei der Einsatz von Ethanol. Die Frage, die sich derzeit stelle, laute: «Gibt es einen Weg, diese Problem zu lösen?»

Unterdessen weiteten die US-Behörden das Verbot für Fischfang an der Küste vor Louisiana weiter aus. Bereits am Donnerstag hatte ein erster Ölfilm eine unbewohnte Insel vor der Küste erreicht. Etwa 8500 Helfer auf mehr als 260 Schiffen waren im Einsatz, um zu verhindern, das das Öl das ökologisch empfindliche Marschland am Mississippi-Delta zerstört.

Roboter-Arbeit

Die Kuppel ist etwa so hoch wie ein vierstöckiges Haus und muss mit Robotern in Mini-U-Booten ferngesteuert werden. Alleine die Aktion, die Kuppel auf dem Meeresgrund herunterzulassen, hatte mehr als 18 Stunden gedauert. Das Problem ist: Derartige Stahlkonstruktionen wurden zwar in der Vergangenheit schon einige Male eingesetzt, aber noch niemals in einer Tiefe von 1500 Metern.

Zunächst müsse die Kuppel im Laufe des Wochenendes präzise über dem Leck in Position gebracht werden, hiess es. Dann soll sie zunächst etwas in den Schlamm am Meeresgrund einsinken, bevor sie endgültig verankert werden kann, meinten BP-Experten. Erst Anfang der kommenden Woche könne man das ausströmende Öl absaugen. Wenn alles gutgehe, könnten auf diese Weise etwa 85 Prozent des Ölflusses gestoppt werden. Weiter hiess es, bereits am Donnerstag seien erneut rund 680 Tonnen Öl verbrannt worden, die auf dem Meeresspiegel trieben.

Ein Problem ist die grosse Kälte in der Meerestiefe. Um zu verhindern, dass das Öl in den Aufstiegsrohren zu klumpen beginnt, soll warmes Wasser an den Rohren in die Tiefe geführt werden.

Dramatischer Bohrturm-Untergang

Unterdessen berichteten Überlebende über die dramatischen Minuten, als die Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April von mehreren schweren Explosionen erschüttert wurde. «Wir waren uns alle sicher, dass wir sterben würden», berichtete Öl-Arbeiter Dennis Dewayne Martinez der «New York Times».

Die Explosionen seien durch ausströmende Gase verursacht worden. US-Regierungsbehörden hätten BP zuvor ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen, schreibt die Zeitung.
Unmittelbar vor der Explosion sei auf der Bohrinsel über Lautsprecher vor den entflammbaren Gasen gewarnt worden. Den meisten der über 100 Arbeiter gelang es, sich in Rettungsbooten in Sicherheit zu bringen. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Zwei Tage später versank die Bohrinsel im Meer.

(dapd)