Golf von Mexiko

20. August 2010 06:56; Akt: 20.08.2010 06:57 Print

Der Ölteppich ist noch da - unter WasserDer Ölteppich ist noch da - unter Wasser

Wissenschaftler in den USA haben die Existenz einer riesigen untermeerischen Ölfahne im Golf von Mexiko nachgewiesen, die aus dem defekten Bohrloch des Ölkonzerns BP am Meeresboden stammt.

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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: Elf Menschen starben, tausende von Vögeln und Fischen sind verendet, über 700 Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen. 20. April 2010: Die Ölplattform Deepwater im Golf von Mexiko explodiert. Elf von 126 Arbeitern sterben, die andern werden evakuiert, drei von ihnen schwer verletzt. 21. April 2010: Die Bohrinsel steht in Flammen. Löschversuche verlaufen erfolglos. 22. April 2010: Deepwater sinkt. Die Ölplattform gehört der Schweizer Transocean mit Sitz im schweizerischen Zug, der britische Konzern BP hat sie von Transocean geleast. 28. April 2010: Ölarbeiter versuchen, eine Sperre um das auslaufende Öl zu errichten. Erfolglos. 30. April 2010: Das Öl erreicht die Küste. Die Pelikane «verölen». 3. Mai 2010: US-Präsident Barack Obama erklärt die Katastrophe zum Ereignis von nationaler Bedeutung. 3. Mai 2010: BP kündigt an, alle Kosten der Katastrophe zu übernehmen. 7. Mai 2010: Eine Stahlbetonglocke wird über das Leck gestülpt. Ohne Erfolg. Mai 2010: Das Sterben geht weiter. Mai 2010: Ölschwaden auf dem Wasser. Mai 2010: Die US-Navy versucht, das Öl kontrolliert abzubrennen. Erfolglos. Mai 2010: Pelikan im mexikanischen Golf. 11. Mai 2010: Protest im US-Senat während eines BP-Hearings. 12. Mai 2010: BP versucht, eine kleinere Glocke über das Loch zu stülpen. Ohne Erfolg. 15. Mai 2010: Protest am Firmensitz der Plattformbesitzerin Transocean in Zug. 26. Mai 2010: Die Aktion «Top Kill» soll das Leck mit Schlamm versiegeln. Erfolglos. 2. Juni 2010: Die US-Behörden leiten strafrechtliche Schritte gegen BP ein. 3. Juni 2010: Das Öl erreicht die Traumstrände Floridas. 17. Juni 2010: BP-Chef Tony Hayward redet von einer «beispiellosen Serie von Fehlern». 29. Juni 2010: BP gibt zu, dass die Schäden eventuell unbezahlbar sind. 2. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: Augenzeugen berichten, BP schütte an gewissen Stränden einfach Sand über das Öl. 3. Juli 2010: Der Supertanker «A Whale» wird als Öl-Sauger eingesetzt. Erfolglos. 10. Juli 2010: Ein am 4. Juni installierter Trichter wird entfernt. Das Öl fliesst wieder völlig ungehindert ins Meer. 12. Juli 2010: Eine neue Glocke wird über das Leck gestülpt. 18. Juli 2010: Serie von Fehlern geht weiter: BP veröffentlicht auf ihrer Website ein manipuliertes Foto, das Geschäftigkeit im BP-Katastrophenzentrum vortäuscht. Im Original war der Bildschirm im unteren Bild weiss. Ab 15. Juli 2010: Die neu installierte Absaugglocke schliesst das Leck. Erstmals seit Beginn der Katastrophe fliesst kein Öl mehr ins Meer. Die Verseuchung ist aber nach wie vor omnipräsent. 19.9.2010: Die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko ist endgültig versiegelt. Fünf Monate nach Beginn der Ölpest gelang es BP-Experten, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement zu verschliessen.

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Die Fahne aus Öl-Wasser-Gemisch, deren Existenz bislang nur vermutet worden war, sei etwa 35 Kilometer lang und etwa zwei Kilometer breit, schrieben die Experten des Meeresforschungsinstituts Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) in der neuen Ausgabe des Magazins «Science».

Sie befinde sich etwa 900 Meter unter der Wasseroberfläche und ist deshalb - anders als ein Ölteppich - nicht sofort sichtbar. «Wir haben die Existenz der Ölfahne im Golf von Mexiko nicht nur belegen können, sondern auch ihren Ursprung und ihre Zusammensetzung bestimmen können», sagte Studienautor Richard Camilli.

Die Fahne bestehe nicht aus reinem Rohöl. Das Öl sei in Komponenten wie Benzol, Ethylbenzol und Toluol zerfallen und habe sich mit Wasser vermischt. «Die Fahne ist nicht so dick wie Schokoladensirup», erklärte Mitautor Christopher Reddy: «Das heisst aber nicht, dass sie nicht schädlich für die Umwelt wäre.»

Das Vorhandensein der Fahne lasse vermuten, dass Spuren des ausgetretenen Öls «länger im Ozean bleiben werden als gedacht», hiess es. Die Forscher beobachteten aber auch, wie ölzersetzende Bakterien zu einem natürlichen Verschwinden des Stoffen beitrügen.

Dieser biologische Prozess gehe aber langsam vonstatten. Die Untersuchung beruht auf Daten, die Ende Juni auf einer Forschungsexpedition gesammelt wurden.

«Bottom Kill» im September

Die endgültige Versiegelung der vor vier Monaten leckgeschlagenen Ölquelle im Golf von Mexiko verzögert sich um etwa drei weitere Wochen. Die US-Regierung visiert den Start des als «Bottom Kill» bezeichneten Verfahrens nun für Anfang September an.

Neben einer Reihe von Tests solle ein neues Sicherheitsventil auf der Quelle installiert werden, sagte Admiral Thad Allen am Donnerstag dem US-Fernsehsender CNN. «Dann machen wir den «Bottom Kill».» Dabei sollen über einen Nebenzugang Schlamm und Zement von unten in die Ölquelle gepumpt werden.

Als voraussichtlichen Zeitpunkt für das Manöver nannte Allen die Woche nach dem US-Feiertag Labor Day, der dieses Jahr auf den 6. September fällt. Ursprünglich sollte Mitte August mit «Bottom Kill» begonnen werden.

(sda)