Arbeiten an Betonglocke

07. Mai 2010 15:35; Akt: 07.05.2010 15:36 Print

«Wir haben so etwas noch nie gemacht»«Wir haben so etwas noch nie gemacht»

von Harry Weber - Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ruhen die Hoffnungen nun auf einer riesigen Stahlbetonglocke. Experten des Ölkonzerns BP liessen diese jetzt langsam in die Tiefe.

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Borschiffe (im Hintergrund) bei der Arbeit fürs Ölleck im Golf von Mexiko (10. Julli 2010). Im Vordergrund eine Ölplattform, die überschüssiges Gas abfackelt. Die neue Auffangglocke während der Tests am 17. Juli 2010. Aufnahme vom 16. Juli. Aufnahme vom 15. Juli. Kurz nach Beginn der Tests mit dem neuen Zylinder meldet der Erdölkonzern BP, dass kein Öl mehr aus dem Leck im Golf von Mexiko austrete. (15.7.2010) Der Testlauf eines zum Ölabsauger umgebauten Riesentankers (A Whale) ist vorerst ergebnislos verlaufen. (5.7.2010) Ein Roboter versucht, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, um ... ... das Öl danach kontrolliert abzuleiten. Das Öl fliesst pausenlos. Bewohner der Gemeinde Grand Isle in Louisiana machen ihrem Unmut über BP Luft. Am 25. Mai fand in Jackson (Mississippi) eine Trauerfeier für die elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der «Deepwater Horizon» ums Leben gekommen waren. Von der Transocean-Bohrinsel «Development Driller III» aus wird die Entlastungsbohrung vorgenommen. Zwei Crevetten-Fischerboote ziehen eine Ölsperre. Im Hintergrund wird Öl kontrolliert abgefackelt. Die Nationalgarde Louisianas baut einen Damm, um Teile der flachen Küste vor dem Öl zu schützen. Hier sprudelt das Öl. Dies sind die ersten Aufnahmen des Öllecks. Der Ölteppich breitet sich weiter aus: Am 9. Mai gelangten erste Teerklumpen an die Küste Alabamas. Der Versuch, eines der Bohrlöcher mit einer Stahlbetonglocke zu stopfen, scheiterte. In der riesigen Konstruktion bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser, die die Öffnungen verstopfen, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte. Eine Bohrinsel im ölverschmutzten Wasser. Ölverschmutzung aus der Nähe. Crevetten-Fischerboote schleppen eine Ölsperre aufs Meer hinaus. Die US-Regierung hat aufgrund der Ölverschmutzung ein Fischfangverbot verhängt und die Garnelen-Saison vorzeitig beendet. Noch ist kein Notstand für die Krebstiere ausgebrochen. Viele Fischer sind aber in ihrer Existenz bedroht. Sollte es den Einsatzkräften nicht gelingen, das Öl von der Küste fernzuhalten, dürften die Helfer an der Küste noch mehr Opfer zu beklagen haben. Die Aufnahme des Satelliten Eumetsat vom 29. April zeigt den Ölteppich, wie er auf das Mississippi-Delta zutreibt. Der Ölteppich bedroht das hochsensible Sumpfgebiet im Mississippi-Delta. Sollte das Öl das Sumpfgebiet erreichen, wäre es das Ende des Ökosystems vor Ort. Anders als von Steinküsten können die Ölverschmutzungen nicht so leicht abgetragen und gesäubert werden. Zudem könnten die Wasserarme des Deltas das Öl weiter ins Innere tragen und damit die gesamte Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Mit schwimmenden Barrieren versuchen die Rettungskräfte, den Ölteppich aufzuhalten. Durch kontrolliertes Abfackeln versuchen die Behörden, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Methode ist jedoch umstritten. Experten befürchten, dass täglich gegen eine Million Liter Rohöl in den Golf gelangen könnten. Das Öl stammt aus einem Bohrloch unterhalb der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon. Die Deepwater Horizon war am 21. April 2010 in Brand geraten. Am 22. April 2010 sank die Plattform. 115 der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten in Sicherheit gebracht werden, drei davon schwer verletzt. Elf Menschen kamen ums Leben. Die 121 Meter lange und 78 Meter breite Plattform befand sich rund 70 Kilometer vor Louisianas Küste. Die Ölplattform Deepwater Horizon gehörte dem Schweizer Unternehmen Transocean und war vom britischen Konzern BP geleast. Die Firma verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Ursprünglich eine US-Firma, hat das Unternehmen seinen Sitz seit 2008 in Zug.

Die Glocke auf dem Weg zur Unglücksstelle.

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Die Mega-Stahlbetonglocke soll über das Leck am Meeresboden gestülpt werden und so das austretende Öl auffangen. Läuft alles nach Plan, könnte am Sonntag mit dem Absaugen des Öls begonnen werden.

«Wir haben so etwas noch nie gemacht. Das ist sehr komplex, und wir können nichts garantieren», sagte BP-Sprecher David Nicholas. Die gigantische Konstruktion besteht aus einem etwa vier Stockwerke hohen Quader und einer Kuppel, durch die das Öl mit Rohren in einen Tanker an der Wasseroberfläche abgesaugt werden soll. So sollen bis zu 85 Prozent des austretenden Öls aufgefangen werden.

In dieser Tiefe herrscht ein enormer Druck

Die grösste Herausforderung für die Einsatzkräfte bestand darin, die Glocke exakt zu platzieren und so sicherzustellen, dass die offene Ölquelle rund 1500 Meter unter der Wasseroberfläche richtig abgedeckt wird. Noch nie zuvor wurde die Methode in einer solchen Tiefe angewandt, wo ein enormer Druck herrscht.

Parallel prüfen BP-Ingenieure, ob das Leck auch mit der sogenannten «Top-Kill»-Methode abgedichtet werden könnte. Dabei wird ein Gemisch aus Lehm und Beton direkt in die Quelle gepumpt, wie ein BP-Sprecher erläuterte.


WWF warnt vor langfristigen Folgen

Aus den Lecks am Meeresgrund sprudeln seit dem Untergang der Bohrplattform «Deep Water Horizon» täglich rund 800.000 Liter Öl. Wie dringend die Abdichtung der Löcher ist, zeigte sich an der Küste von Louisiana, wo das Öl am Donnerstag einige vorgelagerte Inseln erreichte. Es wurden mehrere Vögel beobachtet, die in das braune, ölige Wasser tauchten. Die Umweltschutzorganisation WWF warnte am Freitag vor einem «Desaster für die Tier- und Pflanzenwelt». Die Ölpest treffe mit der beginnenden Brut- und Laichsaison vieler Arten zusammen. «Der Nachwuchsjahrgang wird massiv geschwächt. Einige Populationen werden diesen Aderlass durch das Öl auch in kommenden Jahren nicht wieder wettmachen können», erklärte Alfred Schumm, Leiter des Internationalen WWF-Zentrums für Meeresschutz.

In den USA wird es mindestens bis Ende des Monats keine neuen Genehmigungen für Ölbohrungen vor der Küste geben. Das teilte US-Innenminister Ken Salazar vor dem Krisenzentrum des Ölkonzerns BP in Houston mit. Wann das Moratorium aufgehoben werde, hänge vom Ergebnis der Untersuchung ab. Die Empfehlungen sollen US-Präsident Barack Obama am 28. Mai vorgelegt werden. Bis dahin seien weitere Entscheidungen über Genehmigungen ausgesetzt, sagte Salazar.