Golf von Mexiko

27. Juni 2010 23:46; Akt: 28.06.2010 08:06 Print

Delfine und Wale leben gefährlichDelfine und Wale leben gefährlich

von Andrea Löbbecke, dpa - Von der Ölkatastrophe sind auch mindestens zwei Dutzend Wal- und Delfinarten bedroht. In dem Gebiet leben mehr als 40 Populationen der Meeressäuger.

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John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

Die Opfer der Ölkatastrophe

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Die Ölpest im Golf von Mexiko hat tiefe Spuren hinterlassen. Auch bei den Meeressäugern. «Wale und Delfine nehmen das Öl über ihr Atemloch oder den Mund auf und können daran verenden», sagte Ralf Sonntag von der Tierschutzorganisation IFAW im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Agadir. In der marokkanischen Hafenstadt trafen sich diese Woche mehr als 80 Nationen der Internationalen Walfangkommission zu ihrer Jahreskonferenz.

Welche Folgen die Umweltkatastrophe konkret auf die Walpopulationen hat, sei bislang schwer abzuschätzen. Da sich der Ölteppich auch verlagert, seien möglicherweise sogar noch mehr Tiere bedroht, betonte der Meeresbiologe.

Ölverschmutzungen sind nur ein Umweltgift, mit dem Wale zu kämpfen haben. Die Meere seien auch zunehmend mit Chemikalien wie Quecksilber oder PCB belastet - mit erheblichen Folgen für seine Bewohner.

Fortpflanzung gestört

«Es könnte sein, dass die Stoffe unter anderem einen Einfluss auf die Fortpflanzung haben, etwa bei den nördlichen Glattwal im Nordatlantik», erklärte Sonntag. Dabei sei es besonders prekär, dass sich die Gifte im Körper der Tiere ansammelten. Auf den dänischen Faröer-Inseln hätten Gesundheitsbehörden deswegen vor dem Verzehr von Walfleisch gewarnt, sagte der Experte.

Wachsendes Problem ist nach seinen Worten auch die akustische Umweltverschmutzung der Weltmeere. Schiffslärm vertreibe Wale von wichtigen Nahrungsgründen. «Nehmen die Tiere weniger Energie auf, bekommen sie unter anderem weniger Junge. Die Populationen schrumpfen», sagte der Biologe.

«Auch wenn man im besten Restaurant sitzt und um den Tisch kreist ein Motorrad, dann vergeht einem der Appetit.» Durch militärische Sonar-Signale seien nachweislich Wale getötet worden, betonte Sonntag. Nach Manövern in Griechenland und an den Kanaren strandeten tote Schnabelwale.

Das starke Signal zerstöre entweder das Gehör der Wale oder schrecke sie dermassen auf, dass sie zu schnell auftauchen und verenden.