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20. Juni 2010 20:30; Akt: 20.06.2010 22:01 Print

Es könnten 16 Millionen Liter Öl fliessenEs könnten 16 Millionen Liter Öl fliessen

Aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko könnte nach Angaben des Ölkonzerns BP noch deutlich mehr Öl austreten als bislang angenommen.

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Borschiffe (im Hintergrund) bei der Arbeit fürs Ölleck im Golf von Mexiko (10. Julli 2010). Im Vordergrund eine Ölplattform, die überschüssiges Gas abfackelt. Die neue Auffangglocke während der Tests am 17. Juli 2010. Aufnahme vom 16. Juli. Aufnahme vom 15. Juli. Kurz nach Beginn der Tests mit dem neuen Zylinder meldet der Erdölkonzern BP, dass kein Öl mehr aus dem Leck im Golf von Mexiko austrete. (15.7.2010) Der Testlauf eines zum Ölabsauger umgebauten Riesentankers (A Whale) ist vorerst ergebnislos verlaufen. (5.7.2010) Ein Roboter versucht, einen Behälter über dem Leck in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, um ... ... das Öl danach kontrolliert abzuleiten. Das Öl fliesst pausenlos. Bewohner der Gemeinde Grand Isle in Louisiana machen ihrem Unmut über BP Luft. Am 25. Mai fand in Jackson (Mississippi) eine Trauerfeier für die elf Arbeiter statt, die bei der Explosion der «Deepwater Horizon» ums Leben gekommen waren. Von der Transocean-Bohrinsel «Development Driller III» aus wird die Entlastungsbohrung vorgenommen. Zwei Crevetten-Fischerboote ziehen eine Ölsperre. Im Hintergrund wird Öl kontrolliert abgefackelt. Die Nationalgarde Louisianas baut einen Damm, um Teile der flachen Küste vor dem Öl zu schützen. Hier sprudelt das Öl. Dies sind die ersten Aufnahmen des Öllecks. Der Ölteppich breitet sich weiter aus: Am 9. Mai gelangten erste Teerklumpen an die Küste Alabamas. Der Versuch, eines der Bohrlöcher mit einer Stahlbetonglocke zu stopfen, scheiterte. In der riesigen Konstruktion bildeten sich Eiskristalle aus Gas und Wasser, die die Öffnungen verstopfen, durch die das Öl kontrolliert abgepumpt werden sollte. Eine Bohrinsel im ölverschmutzten Wasser. Ölverschmutzung aus der Nähe. Crevetten-Fischerboote schleppen eine Ölsperre aufs Meer hinaus. Die US-Regierung hat aufgrund der Ölverschmutzung ein Fischfangverbot verhängt und die Garnelen-Saison vorzeitig beendet. Noch ist kein Notstand für die Krebstiere ausgebrochen. Viele Fischer sind aber in ihrer Existenz bedroht. Sollte es den Einsatzkräften nicht gelingen, das Öl von der Küste fernzuhalten, dürften die Helfer an der Küste noch mehr Opfer zu beklagen haben. Die Aufnahme des Satelliten Eumetsat vom 29. April zeigt den Ölteppich, wie er auf das Mississippi-Delta zutreibt. Der Ölteppich bedroht das hochsensible Sumpfgebiet im Mississippi-Delta. Sollte das Öl das Sumpfgebiet erreichen, wäre es das Ende des Ökosystems vor Ort. Anders als von Steinküsten können die Ölverschmutzungen nicht so leicht abgetragen und gesäubert werden. Zudem könnten die Wasserarme des Deltas das Öl weiter ins Innere tragen und damit die gesamte Pflanzen- und Tierwelt gefährden. Mit schwimmenden Barrieren versuchen die Rettungskräfte, den Ölteppich aufzuhalten. Durch kontrolliertes Abfackeln versuchen die Behörden, eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Methode ist jedoch umstritten. Experten befürchten, dass täglich gegen eine Million Liter Rohöl in den Golf gelangen könnten. Das Öl stammt aus einem Bohrloch unterhalb der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon. Die Deepwater Horizon war am 21. April 2010 in Brand geraten. Am 22. April 2010 sank die Plattform. 115 der 126 Arbeiter auf der Plattform konnten in Sicherheit gebracht werden, drei davon schwer verletzt. Elf Menschen kamen ums Leben. Die 121 Meter lange und 78 Meter breite Plattform befand sich rund 70 Kilometer vor Louisianas Küste. Die Ölplattform Deepwater Horizon gehörte dem Schweizer Unternehmen Transocean und war vom britischen Konzern BP geleast. Die Firma verfügt über rund 140 bewegliche Bohranlagen und die grösste Flotte in der Branche. Ursprünglich eine US-Firma, hat das Unternehmen seinen Sitz seit 2008 in Zug.

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Im schlimmsten Fall könnten unter bestimmten Bedingungen bis zu 15,9 Millionen Liter pro Tag ausfliessen, heisst es in einem internen BP-Dokument.

Dieses Dokument wurde am Sonntag vom US-Kongressabgeordneten Ed Markey veröffentlicht. Bislang wurde die maximal mögliche Menge von der US-Regierung auf 9,5 Millionen Liter geschätzt.

BP erklärte, die Zahlen aus dem Dokument seien nicht relevant. Sie bezögen sich auf den Fall, dass das Absperr-Ventil am Bohrloch entfernt worden wäre - was aber nicht geschehen sei.

Markey hingegen sagte, das Dokument werfe «die sehr beunruhigenden Fragen auf, was BP gewusst hat und wann sie es gewusst haben». «Es ist klar, dass BP von Anfang an in Bezug auf das wirkliche Ausmass des Öl-Lecks nicht ehrlich mit der Regierung und dem amerikanischem Volk umgegangen ist», sagte der Demokrat.

Zahlen immer grösser

Das Öl strömt seit dem 20. April ins Meer. Damals war die BP- Bohrplattform «Deepwater Horizon» nach einer Explosion gesunken. Anfangs hatte es geheissen, es strömten wohl bis zu 59 000 Liter Öl pro Tag ins Meer, kurz darauf war von bis zu 795'000 Litern die Rede.

Die Zahl hielt sich bis fast Ende Mai, dann sprach die Regierung von bis zu 3 Millionen Litern. Ab Mitte Juni gingen US-Experten von bis zu 6,4 Millionen Litern aus, zuletzt war dann von 9,5 Millionen Litern die Rede.

BP ist es bislang nicht gelungen, das Loch zu schliessen. Seit wenigen Wochen wird aber ein Teil des ausströmenden Öls aufgefangen. Dennoch hat das Unglück, bei dem auch elf Arbeiter starben, zur schlimmsten Umweltkatastrophe in der US-Geschichte geführt.

Aussenstehende Experten hatten wiederholt erklärt, es sei kaum möglich, die genaue Menge des ausströmenden Öls zu bestimmen. Hierzu müssten Gegebenheiten wie etwa der Druck in der Ölquelle und geologische Verhältnisse bekannt sein. Auch der Umstand, dass zusammen mit dem Öl auch Erdgas aus dem Loch austrete, erschwere exakte Bestimmungen.

(sda)