Golf von Mexiko

25. Juni 2010 18:13; Akt: 25.06.2010 18:25 Print

Hurrikan für Ölpest-Region vorhergesagtHurrikan für Ölpest-Region vorhergesagt

In der Ölpest-Region am Golf von Mexiko wächst die Angst vor den ersten Tropenstürmen. Doch ein Hurrikan könnte sogar positive Auswirkungen haben.

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John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

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Es gebe eine 70- prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein Unwetter im Westen der Karibik innerhalb der nächsten zwei Tage zu einem tropischen Wirbelsturm werde, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami am Freitag mit. Manche Prognosemodelle schliessen nicht aus, dass der Sturm auch in den Golf von Mexiko ziehen und dort den Kampf gegen die Ölpest stören könnte, meldete der US-Fernsehsender CNN.

Möglicherweise positive Wirkung

Der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen, räumte ein, dass es kein festes «Drehbuch» für den Fall gebe, gleichzeitig mit der Ölkatastrophe und heftigen Unwettern fertig zu werden. «Es hat aber jede Menge Planung gegeben», sagte er CNN. Die Herausforderung sei, zwei Konzepte für den Katastrophenschutz - eines für die Ölpest, das andere für Stürme - unter einen Hut zu bringen.

Die Auswirkungen auf die Ölkatastrophe können Experten zufolge gut und schlecht sein: Positioniere sich ein Wirbelsturm östlich der Ölquelle, trieben die rotierenden Winde das verschmutzte Wasser aufs Meer hinaus, sagte CNN-Meteorologe Chad Myers. Westlich des ausser Kontrolle geratenen Bohrlochs blase der Sturm das Öl unterdessen umgekehrt genau in Richtung Küste.

Mehr Stürme als im 2009

Nach einer eher ruhigen Hurrikan-Saison im vergangenen Jahr erwartet die US-Wetterbehörde NOAA 2010 deutlich mehr und heftigere Stürme. «Es gibt eine 85-prozentige Chance auf eine überdurchschnittliche Hurrikan-Saison», sagte Behördenchefin Jane Lubchenco Ende Mai.

Es seien drei bis sieben Wirbelstürme mit starker Zerstörungskraft zu erwarten - das sind Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von 178 Kilometern pro Stunde und mehr. Die Saison dauert immer vom 1. Juni bis 1. November.

BP muss tief in die Tasche greifen

Laut BP wurden am Mittwoch rund 2300 Tonnen Öl am Bohrloch aufgefangen oder abgefackelt. Der Energiekonzern hatte vorige Woche angekündigt, die tägliche Menge bis Ende Juni auf rund 7200 Tonnen erhöhen zu wollen. Mitte Juli solle dann eine Kapazität von bis zu rund 11 000 Tonnen täglich erreicht werden. Nach jüngsten Schätzungen strömen derzeit bis zu 8200 Tonnen Öl pro Tag ins Meer. Die Kosten für den BP-Konzern kletterten auf 2,35 Milliarden Dollar.

(sda)