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26. Mai 2011 12:04; Akt: 26.05.2011 13:23 Print

«Die SBB müssen über die Bücher»«Die SBB müssen über die Bücher»

von Daniel Schurter - Wie benutzerfreundlich ist der neue Internetauftritt der SBB? 20 Minuten Online hat die Usability-Expertin Silvia Zimmermann befragt. Ihr Urteil fällt klar und deutlich aus.

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Die renommierte Usability-Expertin Silvia Zimmermann hat den neuen Internetauftritt der SBB unter die Lupe genommen. Nachfolgend ihre wichtigsten Kritikpunkte bezüglich Benutzerfreundlichkeit. Startseite: «Das Design der Startseite ist auf den ersten Blick schlicht und übersichtlich. Die Navigation im oberen Bildschirmbereich ist deutlich erkennbar – ein klarer Vorteil gegenüber der vorherigen Site. Die Funktionalität des Fahrplans selbst ist angereichert und dadurch einfacher zu bedienen und flexibler.» Navigation: «Bezüglich Usability muss man nochmals über die Bücher und als allererstes das Mouse-Over-Konzept anpassen. Durch dieses nicht mehr zeitgemässe Design wirkt die Site sehr unruhig, weil Bilder oder die Top-Level-Navigation andere Elemente überblenden, wenn der Nutzer ungewollt mit der Maus damit in Berührung kommt.» Schrift: «Ein Auszeichnen der Schrift (fett) reduziert die Leseeffizienz. In der Top-Navigation (und anderen Elementen) ist alles fett ausgezeichnet. Das verhindert ein schnelles Abscannen der einzelnen Elemente.» Farbkonzeption: «Das 'Grau in Grau' erschwert die einfache Erkennbarkeit der Elemente und ist je nach Bildschirm für die Augen sehr ermüdend. Die Details im Fahrplan sind heute viel schwieriger zu erkennen als in der früheren Version. Je nach Bildschirm sind die grauen Abstufungen von Hintergrund, Widgets und Auswahlbalken zudem kaum erkennbar.» Kontrast: «Der Kontrast ist einerseits zu gering (Schrift Grau auf Grau) und auf der anderen Seite zu kontrastreich (Rot für Schaltflächen mit fett ausgezeichnetem weissen Text, beziehungsweise die Top-Navi mit sattem Blau und fett ausgezeichnetem weissen Text). Auch das kann die Augen überdurchschnittlich beanspruchen.» Facebook und Co.: «Social Media macht Sinn, wenn man es konzeptionell richtig einsetzt. Einen Facebook-Link auf dem Fahrplan der Homepage anzuzeigen, der dann innerhalb von Facebook auf die Website der SBB hinweist, hat nur bedingt mit Social Media zu tun.» Zielgruppengerechte Sprache: «Die SBB-Widgets sind toll angedacht. Wenn ich mir aber mehrere Verbindungen anlegen möchte, ist die Nutzbarkeit schon wieder eingeschränkt. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Nutzer den Begriff überhaupt verstehen.»

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Der neue Internet-Auftritt der SBB ist seit Mittwoch online. Was sticht Ihnen ins Auge?
Das Design der Startseite ist schlicht und übersichtlich. Die Navigation im oberen Bildschirmbereich somit deutlich erkennbar – ein klarer Vorteil gegenüber der bisherigen Site. Ein gutes Service-Design sieht aber anders aus.

Umfrage
Wie beurteilen Sie die neue SBB-Website?
66 %
34 %

Wie meinen Sie das?
Auf der Startseite steht der Fahrplan prominent im Vordergrund. Was sich hinter anderen Stichworten verbirgt, ist nicht sofort erkennbar. Das Versprechen der SBB «Finden statt suchen» wurde nicht eingelöst. Das Design ist verspielt, das geht zu Lasten der Benutzerfreundlichkeit. «Entdecken statt finden» trifft es deshalb besser. Zudem ist die Performance der Website im Moment nicht akzeptabel.

Was ist der grösste Usability-Fehler auf der SBB-Startseite?
Das Konzept der Mouse-Over-Einblendungen. Durch dieses nicht mehr zeitgemässe Design wirkt die Site sehr unruhig, weil Bilder oder die Top-Level-Navigation andere Elemente überblenden, wenn der Nutzer ungewollt mit der Maus damit in Berührung kommt.

Was bewerten Sie positiv?
Die Navigation im oberen Bildschirmbereich ist deutlich erkennbar – ein klarer Vorteil gegenüber der vorherigen Site. Die Funktionalität des Fahrplans selbst ist angereichert und dadurch einfacher zu bedienen und flexibler. Die «SBB Widgets» sind toll angedacht. Wenn ich mir aber mehrere Verbindungen anlegen möchte, ist die Nutzbarkeit schon wieder eingeschränkt.

Was müsste dringend verbessert werden?
Um ein optimales Nutzererlebnis zu gewährleisten, muss die Site-Performance verbessert werden. Ich gehe davon aus, dass dies in den nächsten Tagen und Wochen auch geschehen wird. Bezüglich Usability muss man nochmals über die Bücher und als Allererstes das Mouse-Over Konzept und die Farbkonzeption anpassen.

Wie fällt Ihr Gesamturteil aus?
Die Grundidee des «Bahnhofs im Internet» ist hochspannend und bietet viele Chancen. Die SBB sollten aber bezüglich Benutzerfreundlichkeit über die Bücher. Es ist zwar lobenswert, dass man sich bei der Neugestaltung des Internet-Auftritts auch von ausführlichen Usability-Tests leiten liess. Aber offensichtlich haben die Tests Grundlegendes nicht aufgedeckt. Persönlich stört mich, dass die Site nicht durchgängig allen Altersgruppen gerecht wird und die Versprechen nicht konsequent umgesetzt worden sind.

20 Minuten Online hat die SBB um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort der Bahn-Verantwortlichen folgt ebenfalls im Digital-Ressort.

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  • Günther Ewerri am 23.08.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Service-design, Usabitlity, Mouse-over-Einblendungen, Widgets, Top-Level-Navigation, Site-Performance. Was wird hier überhaupt gemeint?

  • Andreas am 22.06.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vier Millionen für miserable Usability

    Ich habe gerade versucht, nach Angabe von Abfahrts- und Ankunftsort via Tabulator-Taste zur "Suchen/Absenden" Taste zu gelangen -> Das ist das absolute Highlight (bzw. Downlight). Ausprobieren!

    • Claude Martin am 05.08.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Usability, auch mit Keyboard tadellos.

      Hab ich ausprobiert... Funktioniert problemlos. Tab führt über alle Felder bis zum Suchen-Knopf. Ist das vielleicht dein Browser der da was falsch macht?

    einklappen einklappen
  • Christian am 16.06.2011 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemeinte Kritik, Arrogante Antwort

    Bereits vor einigen Tagen habe ich mich beim SBB Kundendienst über deren neue Meisterleistung beschwehrt. Ich bemängelte ettlich nicht funktionierende Funktionen sowie unter anderem der Umstand, dass die Logout Funktion umständlich in Untermenüs zu suchen ist. Die arrogante Antwort: Ich müsse halt einen aktuellen Browser verwenden. Als ob mein IE9 zu wenig aktuell wäre. Doch der Browser ist wohl am wenigsten schuld, dass Funktionen nicht mehr gefunden werden. Aber das passt ja bestens zum Thema: Dienstleistung und Service abbauen um gleichzeitig immer teurer zu werden.