ÖV-Tarife

04. August 2010 16:35; Akt: 04.08.2010 17:16 Print

«Es gibt definitiv keinen Geheimplan»«Es gibt definitiv keinen Geheimplan»

von Adrian Müller, Bern - Das Ringen um die Ticketpreise hat ein Ende - vorläufig. VöV-Präsident Peter Vollmer erklärt im Interview, welche Folgen das für die Kunden hat.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Herr Vollmer, Sie sind mit den von Ihnen geforderten Preiserhöhungen nicht ganz durchgekommen. Das Loch in der ÖV-Kasse wird grösser und grösser. Müssen Sie nun Zugverbindungen streichen?
Peter Vollmer: Es ist bedauerlich, dass uns durch den Kompromiss mit dem Preisüberwacher rund 10 Millionen Franken Einnahmen entgehen. Jeder Franken, der uns für Angebotsverbesserungen fehlt, ist schmerzlich. Ich hoffe aber, dass wir keine Verbindungen streichen müssen.

Durch die Abstriche steigt der Mittelbedarf bei den ÖV-Unternehmen unmittelbar. Folgt 2011 bereits die nächste Preiserhöhung?
Bisher haben wir die Preise in der Regel alle zwei Jahre erhöht. Ob die Tickets nächstes Jahr teurer werden, hängt von der Kostenentwicklung im ÖV, der Teuerung sowie der Politik ab. Die Frage ist: Will die öffentliche Hand mehr Geld bei den Kunden holen oder nicht? Da ist noch alles offen. Es gibt definitiv keinen Geheimplan, die Preise bereits nächstes Jahr wieder zu erhöhen. Denn jede Preiserhöhung führt zu einem Rückgang der Nachfrage, dies gilt es zu verhindern.

Zankapfel bleiben weiterhin die Distanzzuschläge, welche etwa die Billets auf der Paradestrecke Bern-Zürich massiv verteuern. Bis im April 2011 müssen Sie hier eine Lösung finden. Wie könnte diese Aussehen?
Es geht darum, die heutigen Distanzzuschläge mit objektiven Faktoren auszuweisen. Bei Bern-Zürich lassen sich etwa höhere Preise durch den Halbstundentakt, modernes Rollmaterial sowie die schnelle Verbindung rechtfertigen. Dies gilt es bei der Berechnung der Preise zu berücksichtigen - bisher geschah dies ohne klare Berechnungsgrundlage.

Das heisst, die SBB erheben die Distanzzuschläge willkürlich?
Bis anhin gibt es keine direkte Hinterlegung der genannten Faktoren, das ist so. Man hat bisher geschaut, wo man bei den Preisen etwas herausholen kann. Ich glaube jedoch, dass sich die Zuschläge nach der neuen Berechnung nicht gross ändern werden.

Sie müssen sich überhaupt erst mit den Distanzzuschlägen herumschlagen, weil das neue Tarifsystem für den ÖV weiter auf sich warten lässt. Wieso?

Wir wollen ein neues Preissystem einführen, das Altlasten wie die Streckenzuschläge beseitigt und weiterhin ein offenes Netz bleibt. Es gibt aber noch viele Ungereimtheiten. Ein neues Preissystem zu schaffen ist keine Sonntagsschularbeit. Fernverkehr, Tourismus und Nahverkehr haben alle unterschiedliche Interessen, die es unter einen Hut zu bringen gilt.

Welche Vision verfolgt der VöV mit dem neuen Tarifsystem?
Wir wollen den Zugang zum ÖV weiter erleichtern, die preislichen Hürden sollen abgebaut werden. Neuerungen wird es sicherlich beim Tickethandling geben, das elektronische Billet wird eine wichtige Rolle im neuen Tarifsystem spielen.

Die SBB klagen, das GA bringe zu wenig Ertrag. Wie viel darf ein Generalabo im Jahr 2020 kosten?

Wir wollen bestimmt keine grossen Preissprünge beim GA machen. Wer jedoch sein Abo intensiv nutzt, ist sicher bereit, in Zukunft mehr zu zahlen.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • hans Gwunder am 03.05.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit den Oberen Bossem

    Weg mit den Verwaltungen die fressen das grosse Geld Fassweise

  • Stephan Riediker am 23.12.2010 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Preissenkung oder weg mit der Monopolstellung!

    Preiserhöhungen an allen Enden und nirgends eine Senkung ist ein klarer Fall von Marktübervorteilung und daher rechtswidrig. Die Schweiz ist jetzt schon eine Hochpreisinsel und es ist inakzeptabel, dass diese rot-grüne Marktpolitik noch weiter Fuss fassen kann. Eine Privatisierung sämtlicher Unternehmen hat sich bisher als das einzige nachhaltige Mittel zur Lösung des Problems erwiesen. Mit Sammelklagen wegen Marktübervorteilung und politischen Vorstössen für die Aufhebung der Monopolstellung können und müssen wir diesem Spiel ein Ende setzen.

  • Daniel Henseler am 08.12.2010 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Preiserhöhung versus Reallohnanpassung

    Die Preiserhöhung der Bahn durchschnittlich von 6,5% steht nicht im Verhältnis der Qualitätsverbessung, welcher der Pendler nutzen kann. Des weiteren haben viel Pendler nie eine Lohnerhöhung in diesem Masse, vorallem nicht in der momentan Zeit. Die Bahn muss den öffentlichen Nutzen gewähren und sollte sich nicht zu einem Luxusmittele "entwickeln".