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ÖV-Tarife
04. August 2010 16:35; Akt: 04.08.2010 17:16 Print
«Es gibt definitiv keinen Geheimplan»
von Adrian Müller, Bern - Das Ringen um die Ticketpreise hat ein Ende - vorläufig. VöV-Präsident Peter Vollmer erklärt im Interview, welche Folgen das für die Kunden hat.
Herr Vollmer, Sie sind mit den von Ihnen geforderten Preiserhöhungen nicht ganz durchgekommen. Das Loch in der ÖV-Kasse wird grösser und grösser. Müssen Sie nun Zugverbindungen streichen?
Peter Vollmer: Es ist bedauerlich, dass uns durch den Kompromiss mit dem Preisüberwacher rund 10 Millionen Franken Einnahmen entgehen. Jeder Franken, der uns für Angebotsverbesserungen fehlt, ist schmerzlich. Ich hoffe aber, dass wir keine Verbindungen streichen müssen.
Peter Vollmer, Direktor des Verbands Öffentlicher Verkehr (VöV), kämpft für jeden ÖV-Franken. (Bild: Keystone)
Infografik
Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB)Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB)
Reaktionen auf die Einigung
Die SBB rechnet mit Mindereinnahmen von insgesamt 11 Mio. Franken nach der Einigung des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) und des Preisüberwachers zu den Fahrpreis-Erhöhungen. «Der SBB wird Geld fehlen», sagte SBB-Sprecher Daniele Pallecchi am Mittwoch. Hereingeholt werden könne die Summe weder mit zusätzlichen Mitteln vom Bund noch mit einer Steigerung der Produktivität.
Pallecchi betonte, dass die seit der letzten Preiserhöhung 2007 aufgelaufene Teuerung 4 Prozent betrage. Das sei deutlich mehr als die Erhöhung der Preise für Einzelbillette und Streckenabonnemente. Verwaltung, Politik und VöV seien nun gefordert, nach Lösungen zu suchen für die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, sagte Pallecchi.
Etwas anders beurteilt die BLS AG die Lage. Die BLS als zweitgrösstes Schweizer Bahnunternehmen begrüsse die Einigung, sagte Wyler. Damit könnten die Vorarbeiten für den bevorstehenden Fahrplanwechsel beginnen.
Die Umweltorganisation umverkehR sprach in einer Mitteilung von massiver Wettbewerbsverzerrung. Die Erhöhung der Preise insgesamt sei trotz der Einigung mit dem Preisüberwacher happig und deutlich stärker als der Anstieg der Benzinpreise. Dies wirke sich negativ aus auf die umweltfreundliche Mobilität. (sda)
Durch die Abstriche steigt der Mittelbedarf bei den ÖV-Unternehmen unmittelbar. Folgt 2011 bereits die nächste Preiserhöhung?
Bisher haben wir die Preise in der Regel alle zwei Jahre erhöht. Ob die Tickets nächstes Jahr teurer werden, hängt von der Kostenentwicklung im ÖV, der Teuerung sowie der Politik ab. Die Frage ist: Will die öffentliche Hand mehr Geld bei den Kunden holen oder nicht? Da ist noch alles offen. Es gibt definitiv keinen Geheimplan, die Preise bereits nächstes Jahr wieder zu erhöhen. Denn jede Preiserhöhung führt zu einem Rückgang der Nachfrage, dies gilt es zu verhindern.
Zankapfel bleiben weiterhin die Distanzzuschläge, welche etwa die Billets auf der Paradestrecke Bern-Zürich massiv verteuern. Bis im April 2011 müssen Sie hier eine Lösung finden. Wie könnte diese Aussehen?
Es geht darum, die heutigen Distanzzuschläge mit objektiven Faktoren auszuweisen. Bei Bern-Zürich lassen sich etwa höhere Preise durch den Halbstundentakt, modernes Rollmaterial sowie die schnelle Verbindung rechtfertigen. Dies gilt es bei der Berechnung der Preise zu berücksichtigen - bisher geschah dies ohne klare Berechnungsgrundlage.
Das heisst, die SBB erheben die Distanzzuschläge willkürlich?
Bis anhin gibt es keine direkte Hinterlegung der genannten Faktoren, das ist so. Man hat bisher geschaut, wo man bei den Preisen etwas herausholen kann. Ich glaube jedoch, dass sich die Zuschläge nach der neuen Berechnung nicht gross ändern werden.
Sie müssen sich überhaupt erst mit den Distanzzuschlägen herumschlagen, weil das neue Tarifsystem für den ÖV weiter auf sich warten lässt. Wieso?
Wir wollen ein neues Preissystem einführen, das Altlasten wie die Streckenzuschläge beseitigt und weiterhin ein offenes Netz bleibt. Es gibt aber noch viele Ungereimtheiten. Ein neues Preissystem zu schaffen ist keine Sonntagsschularbeit. Fernverkehr, Tourismus und Nahverkehr haben alle unterschiedliche Interessen, die es unter einen Hut zu bringen gilt.
Welche Vision verfolgt der VöV mit dem neuen Tarifsystem?
Wir wollen den Zugang zum ÖV weiter erleichtern, die preislichen Hürden sollen abgebaut werden. Neuerungen wird es sicherlich beim Tickethandling geben, das elektronische Billet wird eine wichtige Rolle im neuen Tarifsystem spielen.
Die SBB klagen, das GA bringe zu wenig Ertrag. Wie viel darf ein Generalabo im Jahr 2020 kosten?
Wir wollen bestimmt keine grossen Preissprünge beim GA machen. Wer jedoch sein Abo intensiv nutzt, ist sicher bereit, in Zukunft mehr zu zahlen.
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Alle 325 Kommentare






























Weg mit den Oberen Bossem
Weg mit den Verwaltungen die fressen das grosse Geld Fassweise
Preissenkung oder weg mit der Monopolstellung!
Preiserhöhungen an allen Enden und nirgends eine Senkung ist ein klarer Fall von Marktübervorteilung und daher rechtswidrig. Die Schweiz ist jetzt schon eine Hochpreisinsel und es ist inakzeptabel, dass diese rot-grüne Marktpolitik noch weiter Fuss fassen kann. Eine Privatisierung sämtlicher Unternehmen hat sich bisher als das einzige nachhaltige Mittel zur Lösung des Problems erwiesen. Mit Sammelklagen wegen Marktübervorteilung und politischen Vorstössen für die Aufhebung der Monopolstellung können und müssen wir diesem Spiel ein Ende setzen.
Preiserhöhung versus Reallohnanpassung
Die Preiserhöhung der Bahn durchschnittlich von 6,5% steht nicht im Verhältnis der Qualitätsverbessung, welcher der Pendler nutzen kann. Des weiteren haben viel Pendler nie eine Lohnerhöhung in diesem Masse, vorallem nicht in der momentan Zeit. Die Bahn muss den öffentlichen Nutzen gewähren und sollte sich nicht zu einem Luxusmittele "entwickeln".