SBB-Strategie

20. Juli 2011 13:29; Akt: 20.07.2011 16:48 Print

Echten Komfort gibts nur noch in der 1. KlasseEchten Komfort gibts nur noch in der 1. Klasse

von Lukas Mäder - Die SBB wollen mehr Kunden für das 1.-Klasse-GA gewinnen – und werben dafür kräftig in der Holzklasse. Fernziel sind mehr Komfort und höhere Preise für die Premium-Kunden.

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Nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Ruhe: Die SBB bauen den Komfort in der 1. Klasse gezielt aus. (Bild: Keystone)

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Die Eisenbahn war nie ein klassenloses Fortbewegungsmittel – auch wenn sie bei der Einführung als demokratisch galt. Doch derzeit zeigt sich deutlich, dass 1.-Klasse-Passagiere den SBB besonders teuer sind. In einer grossangelegten Werbeaktion erhalten ausgewählte GA-Besitzer Zweiter Klasse einen Prospekt, der in der 1. Klasse mehr Komfort verspricht: «Mehr Beinfreiheit, mehr Ruhe, mehr Annehmlichkeiten», heisst es in der Broschüre. Ziel ist laut SBB, «den Auslastungsgrad der 1. Klasse zu steigern». Von Juli bis September verschicken die Bundesbahnen 60 000 Werbebriefe.

Mit der jüngsten Aktion machen die SBB einen Trend deutlich, der schon lange abzusehen ist. Während die 2. Klasse vor allem auf den Hauptstrecken des Pendlerverkehrs immer mehr den Charakter einer Holzklasse für die Massen annimmt, locken in der 1. Klasse zunehmend Komfort-Angebote, insbesondere für Geschäftsreisende. Seit Juni 2009 empfängt eine Lounge am Hauptbahnhof Zürich exklusiv Kunden mit einem 1.-Klasse-GA und bietet kostenlos Getränke und Internetzugang - mit Erfolg. In Genf und Basel entstehen in den nächsten Jahren ebenfalls Lounges. Gleichzeitig haben die SBB jedoch den Komfort für arbeitswillige Bahnfahrer in der 2. Klasse gesenkt: Ende 2009 wurden die Ruhewagen abgeschafft. Den Komfort der Ruhe, für den die SBB auch im aktuellen Prospekt wirbt, gibt es seither nur noch in der 1. Klasse.

Durchgang gesperrt

Ebenfalls für Ruhe in der 1. Klasse sorgen die SBB mittlerweile, indem die Zugführer teilweise den Durchgang zwischen den beiden Klassen absperren. Damit soll verhindert werden, dass Passagiere der 2. Klasse durch die Waggons der Komfort-Kunden gehen. «Für die Erstklass-Kunden ist es mühsam, wenn ständig Leute durchlaufen», begründet Sprecherin Lea Meier die Massnahme, die aber nur bei grosser Unruhe gerechtfertigt sei.

Das Umsorgen der 1.-Klasse-Kunden hat durchaus einen Grund. Die SBB versprechen sich insbesondere von der Idee des teuren Komfort-GA viel, wie entsprechende Äusserungen der Verantwortlichen zeigen. So sagte SBB-Chef Andreas Meyer im Mai dem «Sonntag»: «Ich kenne viele Leute, die wären bereit, für das 1.-Klasse-GA das Dreifache zu bezahlen.» Und selbst der inzwischen abgetretene Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), Peter Vollmer, befürwortete höhere Preise für 1.-Klasse-GA in Kombination mit Zusatznutzen.

Preiserhöhungen kommen

Dass das Generalabonnement der 1. Klasse bisher attraktiv war, zeigen die Zuwachszahlen seit 2004. Bis 2010 stieg die Zahl der Komfort-Kunden um gut 62 Prozent, beim 2.-Klasse-GA waren es nur 55 Prozent. Das ist auch auf die Preispolitik zurückzuführen, die bisher ausgewogen war. Zwischen 2004 und 2010 stieg der Preis für ein normales 2.-Klasse-GA um 10,4 Prozent, in der 1. Klasse war die Preiserhöhung mit 9,6 Prozent sogar ein bisschen kleiner. Doch das soll sich nun ändern. Im kommenden Dezember steigen die Preise für das GA der Komfort-Klasse überdurchschnittlich um 4,3 Prozent im Unterschied zu 1,7 Prozent in der 2. Klasse.

Dass die SBB Passagiere für die 1. Klasse anwerben will, sei nur logisch, sagt Christian Laesser, Professor an der Universität St. Gallen und Direktor des dortigen SBB Labs. «Alle Unternehmen versuchen, Kunden auf das nächstbessere Angebot zu locken.» Dass die SBB vermehrt Zusatzangebote anbieten, erhöhe dabei die Chancen. «So entsteht ein differenzierteres Produkt, das Interessierten verschiedene Gründe für einen Kauf bietet.» Für Laesser ist klar, dass die Preisdifferenz zwischen den beiden Klassen künftig grösser wird - zumal die überfüllte 2. Klasse weiterhin für die Masse gedacht sei.

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  • giovanni bernasconi am 24.07.2011 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die 1. Kl. bequemer?

    Fehlurteil: die 1. Kl. gleicht, in der CH, immer mehr der 2. Klasse. Keine Trennung der Sitze, minime Beinfreiheit, kein Platz um auch nur eine Tasche abzulegen...von den steilen Treppen gar nicht zu reden (ICN Tueren u. Doppelstockwaggons, usw. Aber immer teuerer! Vielleicht sollten die SBB schauen wie anderswo die 1. Klasse aussieht! Die Qualitaet die ist meistens erbaermlich (Gotthard) und das Wort "Puencktlichkeit" ein absolutes Fremdwort!

  • Pascal/Cornioley am 24.07.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Preis-Leistung geht nicht auf

    Ich bezahle von Stresa nach Milano mit dem Regionalzug von trenitalia ca. 9 Euro ca. 13 Franken für eine Strecke von knapp 100 km. Für die selbe Distanz bezahle ich in der Schweiz 50 Franken. Das Preis-Leisungsverhältnis geht nicht auf. Die Leistung ist in beiden Ländern die selbe, der Preis nicht. Die Hochgeschwindigkeitszüge in Italien kosten auch viel, aber man ist auch schneller am Ziel und hat einen gewissen Komfort, Sitzplatz ist reserviert, die Leute benehmen sich nicht so unmöglich wie in unseren Intercitys und das Personal macht einen souveränen Eindruck.

  • Pascal/Cornioley am 24.07.2011 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sitzplatzreservation

    Wie wäre es mit Sitzplatzreservation mit Ticket? Und schaut mal bei rein, der AVE das ist ein schöner Zug. Die SBB ist zu teuer und die Qualität lässt sehr nach. Die SBB nützt die Monopolstellung aus. Die SBB ist auch ein Spiegel der Schweiz: Teuer und zunehmend schlechte Qualität.