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SBB kämpfen gegen Frost
08. Februar 2012 16:33; Akt: 08.02.2012 17:03 Print
Wenn die Kälte die WC-Tanks sprengt
von Adrian Müller - Verrückte Anzeigetafeln, spukende Automaten, berstende Toiletten: Die sibirischen Temperaturen sorgen bei den SBB für nicht alltägliche Störungen.
Die Kältewelle bringt die SBB an ihre Leistungsgrenzen: Neben Weichenstörungen und Schienenbrüchen sorgten defekte Wagen und Loks in den vergangenen Tagen für Verspätungen und Zugsausfälle: «Wir verzeichnen fast 50 Prozent mehr Fahrzeugstörungen als im Normalfall», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann zu 20 Minuten Online. Die Gründe dafür sind laut Kormann vielfältig: Bei den Loks gibt es Probleme wegen vereisten Stromabnehmern oder Ausfall der Motorenleistung. In den Waggons lässt die Kälte die Klimatisierung und Beleuchtung aussteigen oder sorgt für Tür- und Trittbrettstörungen. Damit nicht genug: «In Tunnels haben sich während der Fahrt schon Eisbrocken von Zügen gelöst und Scheiben entgegenkommender Züge zertrümmert», so der SBB-Sprecher weiter.
Holländer wollen von SBB lernenDie Kältewelle sorgte in den Niederlanden für ein Chaos im Zugsverkehr. Wegen festgefrorenen Weichen fiele am Wochenende zahlreiche Züge aus oder verkehrten mit grosser Verspätung. Nun hat sich sogar die holländische Verkehrsministerin eingeschaltet: «Wir wollen von anderen lernen», sagte Melanie Schultz von Hagen in einem Zeitungsbericht. Darauf besuchte ein Team des holländischen Staatsfernsehen die SBB in Bern, um in einem Beitrag die Vorzüge des Schweizer Zugsystems im Vergleich zu Holland darzustellen. Fazit: Bei den Holländern fehlt es wohl an Personal. Denn bei den SBB sind rund 9000 Mitarbeiter für den Unterhalt der Infrastruktur zuständig, während es in Holland bei einem vergleichbaren Schienennetz nur 4000 sind.
Mehr Züge verspätet
Die vielen Pannen schlagen sich auch in der Pünktlichkeits-Statistik der SBB nieder: In den Eistagen zwischen dem 2. und 6. Februar verkehrten nur noch gut 80 Prozent der SBB-Züge bis drei Minuten verspätet, normalerweise liegt dieser Wert bei rund 90 Prozent.
Die eisigen Temperaturen treiben auch die Stromrechnung der SBB in die Höhe: Im Vergleich zum milden Januar müssen die Bahnen pro Tag für 200 000 Franken zusätzlichen Strom beziehen. Die 20 Prozent zusätzliche Elektrizität (entspricht dem Tagesverbrauch der Stadt Zürich) wird für das Vorheizen der Züge sowie die 6800 Weichenheizungen benötigt.
Anzeigetafeln spielen verrückt
Mit Heizen allein kriegen die SBB aber nicht alle Probleme in den Griff: Wegen der tiefen Temperaturen spielen zahlreiche SBB-Anzeigetafeln verrückt: «Bitte nicht Amsterdam», verkündet etwa eine Perronanzeige im Zürcher HB (weitere Beispiele siehe Bildstrecke).
Die Kälte setzt der feinen Mechanik der Anzeigen arg zu, die Blätter mit den Zielorten kommen an der falschen Stelle zum Stillstand. Dadurch treten falsche Angaben derzeit gehäuft auf, wie zahlreiche Leser-Bilder zeigen. Abhilfe ist nicht von heute auf morgen in Sicht: «Wir ersetzen bis spätestens 2024 die verbleibenden 4000 maschinellen Perronanzeiger durch digitale Anzeigetafeln», sagt Kormann.
Spukende Billettautomaten
Nicht nur die Anzeigen, auch die Billettautomaten versagen wegen der Kälte vermehrt ihren Dienst. So wird das Münz nicht mehr akzeptiert oder das Touchscreen-Display spukt, wie folgendes Leser-Video aus Amriswil TG zeigt: Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
Laut Kormann treten derzeit bis 35 Automatenstörungen pro Tag auf, dies ist dreimal mehr als üblich. Dies obschon die Automaten bereits vor einigen Jahren mit zusätzlichen Heizungen ausgestattet worden sind.
Explodierende Toiletten
Eine Heizung fehlt hingegen in den Zugstoiletten: Durch die Kälte frieren in viele Zug-WCs die Leitungen ein: «Im dümmsten Fall sprengt es den Tank», sagt Kormann. Mitunter mit unappettitlichen Folgen, wie folgendes Leser-Bild einer Zürcher-S-Bahn-Komposition zeigt.

Im Vergleich zu ausländischen Bahnen meistern die SBB die sibirische Kälte realtiv gut (siehe Box). Laut Kormann ist dies in erster Linie dem unermüdlichen Einsatz der SBB-Mitarbeiter zu verdanken. «Wir haben 360 Mitarbeiter für den Winterdienst abgezogen. Dies bewährt sich jetzt.»
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Alle 44 Kommentare






























nichts besonderes.
Bei dieser überteuerte Tarifen sollte sowas selbstvärständlich sein. Die Transsibirische Eisenbahn funktioniert auch zuverlässig in minus -40 Grad!
ja eben...
bitte nicht Amsterdam (siehe Box :-))
Übelst schlimm...
Ist ja krass. Ein bisschen unter 0 und alles kommt beinahe zum erliegen oder bereitet irgendwelche Probleme. Wir sind einfach verwöhnt.