Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Katastrophe in Pakistan
20. August 2010 22:55; Akt: 20.08.2010 23:00 Print
«Jeder hilft, nicht nur Islamisten»
von Nadeem Sarwar/Can Merey, dpa - Die Regierung versagt, Hilfsorganisationen sind überfordert, nur die Islamisten leisten effektive Fluthilfe - das ist der verbreitete Eindruck im Westen. Moderate Pakistaner kritisieren ihn als falsch. Tausende von ihnen helfen selber - ohne jeden Hintergedanken.
-
Flutkatastrophe: Pakistan akzeptiert Hilfe vom Erzfeind
-
Ban ruft zur Hilfe auf: «Zeitlupen-Tsunami in Pakistan»
-
Pakistan: 650 000 haben nicht einmal eine Notunterkunft
-
Überschwemmungen: Schweiz schenkt Pakistan drei Helikopter
-
Flutkatastrophe in Pakistan: Schweizer spenden 13 Millionen
- Dossiers
-
Land unter in Pakistan
Die Studentin Saira Bano verfolgt weder politische noch religiöse Ziele, sie will nur helfen. Gemeinsam mit Mitstudenten an der Universität für moderne Sprachen in Islamabad hat die 24-Jährige genug Spenden gesammelt, um mehrere Lastwagen mit Hilfsgütern ins pakistanische Katastrophengebiet zu schicken.
Infografik Timeline PakistanDer Eindruck, vor allem Islamisten würden die Notleidenden unterstützen und so für ihre Sache werben, sei falsch, sagt Bano. «Jeder hilft ihnen, nicht nur die Islamisten und Extremisten.»
Radikal-islamische Gruppen sind zwar in die Lücke gesprungen, die überforderte Hilfsorganisationen und Behörden in Pakistan bei der Flut liessen, und punkten damit bei Flutopfern.
Heer von Freiwilligen
Doch die Extremisten sind längst nicht die einzigen Freiwilligen, die helfen. Immer mehr moderate, gebildete Muslime engagieren sich neben ihrer eigentlichen Arbeit, um das Leid ihrer Landsleute zu lindern.
«Wir fingen an, Spenden an der Universität zu sammeln», sagt Bano. «Wir baten Studenten, uns das zu geben, was sie entbehren können - ihr ganzes Taschengeld oder nur eine Rupie (2 Rappen), ein Glas, eine Tüte Weizenmehl oder eine Flasche Wasser. Wir bekamen viel mehr zusammen als wir erwartet hatten.» Studenten an allen Universitäten der Hauptstadt würden den Notleidenden inzwischen helfen.
Nicht nur Studenten engagieren sich. Ärzte und Krankenschwestern reisen von Dorf zu Dorf, um Flutopfer kostenlos zu behandeln. Agrarwissenschaftler beraten Bauern, wie sie überspültes Ackerland wieder nutzbar machen können. Zwei prominente Fernsehmoderatoren haben sich zusammengetan und Millionen Rupien gesammelt.
Popstar mobilisiert seine Fans
Auch Künstler stehen den Freiwilligen in Sachen Hilfsbereitschaft in Nichts nach. Popstar Abrar-ul-Haq wird für freizügige Lieder wie «Parveen, du bist so salzig» von Islamisten gehasst. Für seine Hilfsorganisation Sahara for Life hat er nun hunderte Fans und Freiwillige mobilisiert, die Hilfsgüter in die Flutgebiete bringen.
Der Sänger selber ist gerade in Grossbritannien. Bei einem Fundraising-Bankett vor allem für Pakistaner in Manchester will er bei rund 1000 Gästen an diesem Sonntag umgerechnet etwa
Schon jetzt habe Al-Haqs Hilfsorganisation zwei Zeltdörfer im Katastrophengebiet errichtet, sagt ein Sprecher des Künstlers. 2000 Familien bekämen dort zwei Mahlzeiten am Tag, sauberes Wasser und medizinische Behandlung.
Westen wird bei seiner Meinung bleiben
Der Eindruck, extremistische Gruppen würden den Flutopfern am meisten helfen, sei falsch, sagt auch der Analyst Rasool Bux Raees von der Universität für Management-Wissenschaften in Lahore.
Internationale Medien hätten die Islamisten beim Hochwasser erst zum Thema gemacht. «Wie wenig sie auch unternehmen, es wird wegen der Einstellung der westlichen Medien hervorgehoben. Und die gute Arbeit der restlichen Gesellschaft und Organisationen wird nicht anerkannt.»


























