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Flut in Pakistan
06. September 2010 10:00; Akt: 06.09.2010 12:13 Print
«Sie geben uns gar nichts»
von Ravi Nessman, dapd - Abdul Rehman und seine Familie sind konsterniert: Ihr Haus wurde von den Wassermassen zerstört. Hilfe hat er noch keine erhalten. Der Grund: Korruption und Überforderung der Regierung.
Abdul Rehman und seine Familie leben unter einem Baum ganz in der Nähe des Schutthaufens, der einmal ihr Haus war. Seit vor einem Monat das Hochwasser sein Dorf überschwemmte, habe er keinerlei Hilfe erhalten, weder von der pakistanischen Regierung noch von anderen Hilfsorganisationen, berichtet der 30-Jährige. Aus Frust und Verzweiflung hat er gemeinsam mit anderen Dorfbewohnen aus Protest eine Strasse blockiert. Doch alles, was es ihm eingebracht habe, sei eine Anzeige, sagt er - keine Hilfe für seine sechsköpfige Familie.
Abdul Rehman und seine Familie leben unter einem Baum ganz in der Nähe des Schutthaufens, der einmal ihr Haus war.(Bild: Keystone/AP)
Der Sohn von Abdul Rehman mit einer Spielzeugpistole.(Bild: Keystone/AP)
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Laut Angaben der Vereinten Nationen warten über drei Millionen Flutopfer noch auf dringend benötigte Lebensmittelhilfe und fast eine Million Menschen haben nach Angaben der pakistanischen Regierung noch überhaupt keine Hilfe erhalten. Das schiere Ausmass der Katastrophe ist das grösste Problem. Ende Juli haben die Wassermassen ihr langsames, aber zerstörerisches Werk begonnen und ein Fünftel des Landes überflutet. Etwa acht Millionen Menschen sind auf Hilfe von aussen angewiesen, schätzt die UN. «Sie brauchen alles», sagt Ahmad Kamal, Sprecher des zuständigen Ministeriums.
Das Ausbleiben der Hilfe hat den Zorn gegen die Regierung geschürt. Dafür, dass keine Hilfe bei ihnen ankommt, machen viele die Korruption verantwortlich. Von den 32 Familien, die in dem Dorf Daira Dinpanah leben, haben nur sieben mit Beziehungen zu Lokalpolitikern überhaupt Hilfe erhalten, sagt Khalid Iqbal. Der 35-Jährige steht am Rand einer Strasse und wartet darauf, dass ein Fahrzeug einer Hilfsorganisation vorbeikommt - in seiner Hand eine Liste mit den Namen der Dorfbewohner, die dringend Hilfe benötigen.
Existenzen im Wasser versunken
Einen Monat nach der Flut steht das Wasser noch immer auf den Feldern, und viele Strassen des Dorfs versinken im Schlamm. Rehmans Kiosk am Strassenrand ist in den Fluten untergegangen und mit ihm sein Kontobuch, in dem er sich notierte, wenn einer seiner Kunden anschreiben liess. «Wir haben nichts mehr ausser unseren zerstörten Häusern», sagt der 30-Jährige. «Wir mussten nachts um 02.00 Uhr raus, mit nichts als unseren Sachen am Leib. Das ist alles, was wir noch besitzen.» Rehman fordert: «Die Regierung soll uns eine Unterkunft geben und Geld, damit wir unsere Häuser wieder aufbauen und Essen kaufen können. Wenn sie dazu nicht in der Lage ist, sollte sie wenigstens Zelte bereitstellen, damit unsere Kinder in anständigen Verhältnissen leben können.»
Seine Mitarbeiter hätten die Hilfe auf den Weg gebracht, sagt Kamal vom Katastrophenschutzministerium. Allerdings hätten sie keine Möglichkeit zu kontrollieren, wie sie verteilt werde. Der örtliche Oppositionspolitiker Javed Akhter ist überzeugt, die Korruption ist schuld daran, dass die Hilfe die Bedürftigen nicht erreicht. Der grösste Teil werde von der Verwaltung an ihre eigenen Leute umgeleitet, sagt er. «Das stimmt nicht», widerspricht Malik Ahmed Hunajara, ein Abgeordneter des Provinzparlaments. Bei der riesigen Zahl an Betroffenen sei die Regierung einfach nicht in der Lage, jedem zu helfen.
Radikale Islamisten punkten mit Nothilfe. Internationale und regionale Hilfsorganisationen sowie die Streitkräfte versuchen, die Lücken zu füllen. In einigen Regionen springen auch islamische Gruppen den Flutopfern bei. So versorgt die Falah-e-Insaniat das Tibba-Jamal-Wala-Auffanglager mit Nahrung. Die Gruppe soll der Lashkar-e-Taiba nahestehen, der die Anschläge in Mumbai zugeschrieben werden. Die Regierung habe ihnen vor drei Wochen die Zelte zur Verfügung gestellt und sie dann sich selbst überlassen, sagen die Lagerbewohner. Aus Protest gegen ihre Behandlung haben die Flüchtlinge am Mittwoch eine Strasse blockiert. Tags darauf kamen Vertreter der Regierung vorbei, schauten sich um und brachten wieder keine Hilfe, erzählt Aijaz Hussein. «Ich weiss nicht, was die sich denken. Sie geben uns gar nichts», sagt der 27-Jährige. «Zukünftig werden wir die Regierung nicht mehr unterstützen. Wir unterstützen die, die uns helfen.»




























