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Flut in Pakistan
08. September 2010 13:53; Akt: 08.09.2010 14:29 Print
Die Gesichter der Not
Das Bild eines mit Fliegen bedeckten Jungen ist zum Symbol der Not im Flutgebiet geworden. Doch den Opfern droht bereits das nächste Drama: Bald beginnt der Winter.
Das Bild ging Ende August um die Welt. Es zeigt den zweijährigen Reza Khan mit seinem Zwillingsbruder Mohammed und zwei weiteren Kinder auf einem Teppich liegen. Die Kinder sind von Fliegen bedeckt, der kleine Reza nuckelt an einer leeren Flasche. Ein Reporter der britischen Zeitung «The Guardian» konnte am Wochenende die Familie des Kleinen ausfindig machen und mit der Mutter reden: «Ich habe kein Essen. Die Kinder schreien vor Hunger und haben seit einem Monat keine Milch mehr bekommen», klagte sie.
Bildstrecken Angelina Jolie in PakistanJahrhundert-Flut in PakistanHunger und Durst bereiten den Helfern der Flutkatastrophe (noch) am meisten Sorgen. Doch neben der Nothilfe rückt nun der Aufbau winterfester Unterkünfte immer mehr ins Zentrum: In zwei Monaten beginnt im Norden des Landes der Winter.
Es fehlt an allem
Die Vereinten Nationen benötigen einige hundert Millionen Dollar zusätzlich für die Hilfe. Zurzeit fehlt es an Zelten, Holz, Bambus, Plastikplanen. Viel Baumaterial muss importiert werden. Das braucht Zeit, wie Debora Neumann, humanitäre Hilfskoordinatorin des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH), am Montag sagte. «Das einzige, was es im Übermass gibt, ist Lehm.»
«Die Flutopfer leben in behelfsmässigen Camps, in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder gar am Strassenrand», sagte die 33-Jährige nach ihrer Rückkehr aus Pakistan, wo sie drei Wochen lang als Helferin im Einsatz war.
Das SAH werde deswegen in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten Pakistans 800 temporäre Unterkünfte aus Bambus bauen, die die Menschen dann mit Lehm isolieren können. Weitere Projekte, auch für die von der Flut hart getroffene zentrale Provinz Punjab, werde sie bei ihrer Rückkehr nach Pakistan aufgleisen helfen, sagte Neumann.
Schulbeginn verschoben
Noch stehe bei der UNO und den Hilfswerken die Nothilfe für die 15 bis 20 Millionen Flutopfer im Vordergrund: Sauberes Wasser, Nahrung und Medizin. Doch auch der Aufbau von Unterkünften werde immer dringender, nicht nur wegen des Winters.
Viele Menschen haben in Schulen Unterschlupf gefunden, wo sie mangels Alternativen nach wie vor wohnen. Eigentlich wären in Pakistan die Schulferien am 15. August zu Ende gegangen, sagte Neumann. Wegen der Flut habe die Regierung den Schulbeginn bereits um einen Monat verschoben. «Doch wir denken, dass es Ende September wird.»
Nächste Ernte: Herbst 2011
Diese Kinder wie auch alle anderen Flutopfer werden noch lange auf Hilfe angewiesen bleiben angesichts des Ausmasses des «schleichenden Tsunamis», wie UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Flutkatastrophe genannt hat.
Ein Grund: Die Flut hat die Ernte des Landes vernichtet. Dies in einem Land, in dem nach Angaben des pakistanischen Statistikamtes über 44 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft leben. Derzeit müssten die Bauern beginnen, die Wintersaat auszubringen. Doch das Wasser hat auch das Saatgut zerstört.
«Die nächste Aussaat können die Bauern deshalb erst im kommenden Frühjahr ausbringen, was bedeutet, dass sie erst im Oktober 2011 eine Ernte einfahren können», sagte Neumann. Dazu komme, dass die Felder von einer zwei Meter dicken Sand- und Schlammschicht bedeckt und mit Steinen, Bäumen und Abfall übersät seien.
Auch die Schäden an der Infrastruktur sind enorm: Das Hochwasser hat zwei Drittel des Landes verwüstet. «Für die Bewältigung dieser Katastrophe kann niemals genug Geld da sein», sagte Neumann. «Es braucht so viel, wie wenn man Grossbritannien dreimal wiederaufbauen müsste.
(kle/sda)



























