Pakistan

31. August 2010 21:41; Akt: 31.08.2010 21:46 Print

Flüchtlinge verkaufen ihre HilfsgüterFlüchtlinge verkaufen ihre Hilfsgüter

von Z. Khan und C. Brummitt, AP - Bei den Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe in Pakistan kommt Geld oft besser an als andere Formen der Hilfe. Die Angst vor Inflation und Korruption wächst.

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Das Dorf Sarjani im Distrikt Thatta (28. August 2010). Dämme brechen bei der südpakistanischen Stadt Thatta . Bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge stehen bei einer weggespülten Anlegestelle einer Fähre bei Thatta (26. August 2010). 2,3 Millionen Menschen flüchten allein in dieser Region vor dem Wasser (26. August 2010). Weite Gebiete in der Region sind überschwemmt (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). 25. August: Die UNO meldet, dass 800 000 Menschen für Hilfslieferungen nur über den Luftweg erreicht werden können. Mindestens 40 Schwerlasthubschrauber seien nötig, «um die grosse Zahl zunehmend verzweifelter Menschen mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen». Bei Thul in der Provinz Sindh warten die Menschen auf Hilfe aus der Luft. Auch die afghanische Armee unterstützt die Hilfsaktionen mit Helikoptern und Personal. Aus einem afghanischen Helikopter werden Nahrungspakete über Thul abgeworfen. Ein Helikopter landet im Quba Saed Khan nahe Shadad Kot in der Provinz Sindh. Dutzende Bewohner wurden von der pakistanischen Armee auf dem Luftweg aus der isolierten Gegend evakuiert. 23. August: Flüchtlinge sitzen zwischen den Autostrassen in Peshawar. Schwimmend mit Hab und Gut durch Sukkur. Poulet, mit Fliegen überzogen: Schwieriges Essen im Flüchtlingslager in Nowshera. 19. August: Das Elektrizitätswerk in Muzaffargarh unter Wasser. Staatschef Zardari zeigt sich mit Überlebenden der Flutkatastrophe. Eine Farm wird zur Insel: Hochwasser in der Sindh-Provinz. 16. August: Eine pakistanische Familie in Shekarpur schützt sich vor dem Monsun-Regen. Sauberes Wasser ist ein knappes Gut in den zerstörten Gebieten, wie hier in Nowshera in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. (16. August 2010) Wasserausgabe in Shikarpur: Die UNO warnte, dass 3,5 Millionen Kinder von Krankheiten bedroht sind, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. In Sukkur und anderen Orten haben wütende Flutopfer Strassen blockiert, um gegen die zögerliche Hilfe der Regierung zu protestieren. Nach UNO-Angaben haben viele der betroffenen Menschen noch keinerlei Unterstützung erhalten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln stellt die Helfer aus dem In- und Ausland immer noch vor grosse Probleme. Die UNO erklärte, wegen der Hochwasserkatastrophe drohe vielen Menschen Unterernährung. Wird Essen ausgegeben, kommt es regelmässig zu Verteilkämpfen, wie hier in Shekarpur. Hunger und Verzweiflung lässt die Menschen handgreiflich werden. Nahe der Stadt Dera Alayar werden Lebensmittel und Wasserflaschen über gestrandeten Flutopfern abgeworfen. Viele Überlebende können nur durch die Luft versorgt werden. Von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan sind 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen. Hunderttausende leben unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern wie hier in Pathan Wala. Flüchtlinge in einer Schule in Sukkar. Traurige Heimkehr: Flutopfer kommen in ihre zerstörten Häuser im Nowshera District in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa zurück. Ein zerstörter Schienenweg in In Sultankot, in der Provinz Sindh. Die Zerstörung der Infrastruktur Pakistans ist gewaltig. Die UNO rechnet damit, dass die Schäden in die Milliarden gehen. Ein Pakistani nutzt die defekten Schienen als Brücke in Sultan Kot Eine Familie im Muzaffargarh-Distrikt im Punjab ist mit ihren Habseligkeiten auf dem Weg in ein trockenes Gebiet. Überlebende im Muzaffargarh-Distrikt, Punjab. Flüchtlingscamp in Razzakabad. Eine Frau in Khangarh, nahe Multan, nutzt eine grosse Pfanne, um sich in Sicherheit zu bringen. Gemäss zahlen der UNO wurden Hektar Ernte vernichtet. Hier ein Bild des Überschwemmungsgebiet im Punjab nahe der Millionenstadt Multan. Und die pakistanischen Behörden befürchten weitere Überflutungen durch den Fluss Indus. In der Nähe von Multan sind ganze Dörfer verschwunden. Ein Helilandeplatz ist im Khyber-Pakhtunkhwa Gebiet unter Wasser. Binnenflüchtlinge in Sukkur erhalten rudimentäre medizinische Hilfe. 14. August 2010: Ein pakistanischer Soldat hält einen Sack mit Hilfsgütern im Helikopterflug über Jacobabad. Abwurf von Hilfspaketen über Jacobabad. Das Elend ist gross. Ein Mann mit seinen Habseligkeiten in Sukkar. 13. August 2010: Ein Mann sitzt auf den Trümmern seines Hauses in Aza Kheil in der Nähe von Peshawar. Exodus aus Muzaffargarh in der Nähe von Multan (13. August 2010). Nach Angaben der Regierung sollen 20 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren haben. Die Jahrhundertflut hat in Pakistan grosse Not ausgelöst. Flüchtlingslager in Risalpur. Die USA haben Kriegsschiffe und Helikopter entsandt, um Hilfe ins Land zu bringen. Kreative Selbsthilfe in Shah Jamal. Zahlreiche Dörfer sind seit Tagen von ihrer Umwelt abgeschnitten. Die Bewohner können nur noch aus der Luft evakuiert werden. Die Zerstörung ist immens. Viele Pakistaner haben alles verloren. Jeder versucht zu retten, was er kann. Eine Nähmaschine... ...einen Fernseher... ... oder eine Kuh, wie Bauer Rasool Bux. Schätzungen der UNO zufolge sind mindestens 14 Millionen Menschen von den durch heftige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen betroffen. Es fehlt an allem, die Überlebenden sind auf fremde Hilfe angewiesen. 1800 Tote haben die verheerenden Überschwemmungen bereits gefordert. Essen und Trinken werden verteilt. Von Helikoptern aus aufgenommene Bilder des pakistanischen Fernsehens zeigten Menschen, die in ihren Dörfern auf den Dächern beschädigter Häuser Schutz vor den reissenden Fluten suchten. Luftaufnahmen zeigten, dass die Fluten ganze Dörfer weggespült hatten. Mit Militärhubschraubern und mehr als 100 Booten versuchten Rettungskräfte, zu rund 27 300 noch immer von Wasser eingeschlossenen Einwohnern der Provinz vorzudringen. Menschen, die sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuss einen Weg durch die Wassermassen bahnten. Nach Angaben des UNO-Büros für humanitäre Hilfe in Pakistan konnten sich die Rettungskräfte noch immer kein klares Bild vom kompletten Ausmass der Flutkatastrophe machen. Viele Kommunikationswege sind zusammengebrochen. Die Behörden würden in Schulen Notunterkünfte errichten, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Doch aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse steigt in den Massenunterkünften die Gefahr von Seuchen. Ärzte berichteten bereits aus Notlagern von Ausschlägen und Durchfallerkrankungen. Zudem gebe es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Aus dem Distrikt Swat wurden mehrere Cholera-Fälle bekannt, wie der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, erklärte. Hussain sprach von der «schlimmsten Flut in Khyber Pakhtunkhwa in der Geschichte des Landes». Die Provinz Khyber Pakhtunkhwa grenzt im Nordwesten des Landes an Afghanistan. Viele Menschen dort wohnen in abgelegenen Bergdörfern. Mehr als 27000 Menschen waren am Sonntag noch immer von den Fluten im Nordwesten des Landes eingeschlossen, ... ... wo nach heftigem Monsunregen zahlreiche Flüsse über die Ufer traten.

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In den überfluteten Gebieten im Nordwesten des Landes verkaufen Flüchtlinge die erhaltenen Hilfsgüter wie Öl, Mehl und Kekse an Händler, die damit Läden beliefern. Die Annahme vieler Hilfsorganisationen, dass es häufig effizienter, effektiver und sogar billiger sei, den Betroffenen der Naturkatastrophe statt etwa Lebensmittel einfach Geld zu geben, wird durch derartige Tauschgeschäfte gestützt.

Rund 17 Millionen Menschen sind bislang von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen. Einige grosse Wohlfahrtsorganisationen haben bereits damit angefangen, den Betroffenen Geld - häufig in Form von Schecks oder Gutscheinen - zu geben, andere wollen es noch tun.

Allerdings gibt es auch Mitglieder humanitärer Einrichtungen, wie etwa grössere Behörden der Vereinten Nationen, bei denen sich Sorgen breit machen, die Geldvergabe könne Inflation und Korruption in Gang setzen. Viele pakistanische Behörden teilen offenbar diese Bedenken - statt Geld verteilen sie lieber Dinge wie Kleidung und Arzneimittel an die Hochwasseropfer.

«Wir bevorzugen Geld», sagte Mirbat Khan, der die Trümmer seines überfluteten Dorfs im Bezirk Nowshera begutachtete. Die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern sei nicht sehr gut. «Menschen, die es nicht verdienen, bekommen Dinge, die andere wirklich brauchen.»

Mit diesem Empfinden ist Khan nicht allein. Viele Betroffene, die allmählich in ihre Dörfer im Nordwesten des Landes zurückkehren, haben gesagt, dass ihnen Geld lieber sei als andere Hilfeleistungen. Der vergangene Monat sei ein Monat der Erniedrigung für sie gewesen, sagen viele. Schliesslich hätten sie versuchen müssen, sich aus Helikoptern oder Lastwagen abgeworfene Hilfsgüter vor anderen unter den Nagel zu reissen.

Skepsis gegenüber der Vergabe von Geld

Manche Experten sagen, die Abneigung einiger Hilfsgruppen gegenüber der Vergabe von Geld an Betroffene habe einen kulturellen Hintergrund. So seien damit Annahmen verbunden, westliche Länder wüssten am besten, was die Armen in Entwicklungsländern bräuchten.

«Wir können Menschen vertrauen», sagt Claudie Meyers von der Hilfsorganisation Oxfam, die bereits Schecks in Höhe von jeweils etwa 60 Dollar (knapp 47 Euro) an 7.000 Familien im Nordwesten Pakistans verteilt hat. «Sie können bei ihren Bedürfnissen Prioritäten setzen. Wenn ich in dieser Situation wäre, würde ich Lebensmittel kaufen. Das tun (die Betroffenen) auch.»

Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), das bis Ende September sechs Millionen Menschen in Pakistan mit Essen versorgen will, ist zu dem Schluss gekommen, dass die Vergabe von Geld durchaus sinnvoll ist. So hätten im nordwestlichen Bezirk Buner die Begünstigten 70 Prozent des erhaltenen Gelds für Lebensmittel ausgegeben. Die Geldvergabe sei etwa fünf Prozent billiger als Lebensmittel in Lastwagen zu transportieren, um sie anschliessend zu verteilen.