Hochwasser in Pakistan

21. August 2010 11:33; Akt: 21.08.2010 22:40 Print

Neue Flutwellen lösen Panik ausNeue Flutwellen lösen Panik aus

Der Indus in der südlichen Provinz Sindh ist dramatisch angestiegen. 150 000 Menschen wurden aus ihren Häusern und Flüchtlingslagern vertrieben.

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Das Dorf Sarjani im Distrikt Thatta (28. August 2010). Dämme brechen bei der südpakistanischen Stadt Thatta . Bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge stehen bei einer weggespülten Anlegestelle einer Fähre bei Thatta (26. August 2010). 2,3 Millionen Menschen flüchten allein in dieser Region vor dem Wasser (26. August 2010). Weite Gebiete in der Region sind überschwemmt (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). 25. August: Die UNO meldet, dass 800 000 Menschen für Hilfslieferungen nur über den Luftweg erreicht werden können. Mindestens 40 Schwerlasthubschrauber seien nötig, «um die grosse Zahl zunehmend verzweifelter Menschen mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen». Bei Thul in der Provinz Sindh warten die Menschen auf Hilfe aus der Luft. Auch die afghanische Armee unterstützt die Hilfsaktionen mit Helikoptern und Personal. Aus einem afghanischen Helikopter werden Nahrungspakete über Thul abgeworfen. Ein Helikopter landet im Quba Saed Khan nahe Shadad Kot in der Provinz Sindh. Dutzende Bewohner wurden von der pakistanischen Armee auf dem Luftweg aus der isolierten Gegend evakuiert. 23. August: Flüchtlinge sitzen zwischen den Autostrassen in Peshawar. Schwimmend mit Hab und Gut durch Sukkur. Poulet, mit Fliegen überzogen: Schwieriges Essen im Flüchtlingslager in Nowshera. 19. August: Das Elektrizitätswerk in Muzaffargarh unter Wasser. Staatschef Zardari zeigt sich mit Überlebenden der Flutkatastrophe. Eine Farm wird zur Insel: Hochwasser in der Sindh-Provinz. 16. August: Eine pakistanische Familie in Shekarpur schützt sich vor dem Monsun-Regen. Sauberes Wasser ist ein knappes Gut in den zerstörten Gebieten, wie hier in Nowshera in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. (16. August 2010) Wasserausgabe in Shikarpur: Die UNO warnte, dass 3,5 Millionen Kinder von Krankheiten bedroht sind, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. In Sukkur und anderen Orten haben wütende Flutopfer Strassen blockiert, um gegen die zögerliche Hilfe der Regierung zu protestieren. Nach UNO-Angaben haben viele der betroffenen Menschen noch keinerlei Unterstützung erhalten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln stellt die Helfer aus dem In- und Ausland immer noch vor grosse Probleme. Die UNO erklärte, wegen der Hochwasserkatastrophe drohe vielen Menschen Unterernährung. Wird Essen ausgegeben, kommt es regelmässig zu Verteilkämpfen, wie hier in Shekarpur. Hunger und Verzweiflung lässt die Menschen handgreiflich werden. Nahe der Stadt Dera Alayar werden Lebensmittel und Wasserflaschen über gestrandeten Flutopfern abgeworfen. Viele Überlebende können nur durch die Luft versorgt werden. Von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan sind 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen. Hunderttausende leben unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern wie hier in Pathan Wala. Flüchtlinge in einer Schule in Sukkar. Traurige Heimkehr: Flutopfer kommen in ihre zerstörten Häuser im Nowshera District in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa zurück. Ein zerstörter Schienenweg in In Sultankot, in der Provinz Sindh. Die Zerstörung der Infrastruktur Pakistans ist gewaltig. Die UNO rechnet damit, dass die Schäden in die Milliarden gehen. Ein Pakistani nutzt die defekten Schienen als Brücke in Sultan Kot Eine Familie im Muzaffargarh-Distrikt im Punjab ist mit ihren Habseligkeiten auf dem Weg in ein trockenes Gebiet. Überlebende im Muzaffargarh-Distrikt, Punjab. Flüchtlingscamp in Razzakabad. Eine Frau in Khangarh, nahe Multan, nutzt eine grosse Pfanne, um sich in Sicherheit zu bringen. Gemäss zahlen der UNO wurden Hektar Ernte vernichtet. Hier ein Bild des Überschwemmungsgebiet im Punjab nahe der Millionenstadt Multan. Und die pakistanischen Behörden befürchten weitere Überflutungen durch den Fluss Indus. In der Nähe von Multan sind ganze Dörfer verschwunden. Ein Helilandeplatz ist im Khyber-Pakhtunkhwa Gebiet unter Wasser. Binnenflüchtlinge in Sukkur erhalten rudimentäre medizinische Hilfe. 14. August 2010: Ein pakistanischer Soldat hält einen Sack mit Hilfsgütern im Helikopterflug über Jacobabad. Abwurf von Hilfspaketen über Jacobabad. Das Elend ist gross. Ein Mann mit seinen Habseligkeiten in Sukkar. 13. August 2010: Ein Mann sitzt auf den Trümmern seines Hauses in Aza Kheil in der Nähe von Peshawar. Exodus aus Muzaffargarh in der Nähe von Multan (13. August 2010). Nach Angaben der Regierung sollen 20 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren haben. Die Jahrhundertflut hat in Pakistan grosse Not ausgelöst. Flüchtlingslager in Risalpur. Die USA haben Kriegsschiffe und Helikopter entsandt, um Hilfe ins Land zu bringen. Kreative Selbsthilfe in Shah Jamal. Zahlreiche Dörfer sind seit Tagen von ihrer Umwelt abgeschnitten. Die Bewohner können nur noch aus der Luft evakuiert werden. Die Zerstörung ist immens. Viele Pakistaner haben alles verloren. Jeder versucht zu retten, was er kann. Eine Nähmaschine... ...einen Fernseher... ... oder eine Kuh, wie Bauer Rasool Bux. Schätzungen der UNO zufolge sind mindestens 14 Millionen Menschen von den durch heftige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen betroffen. Es fehlt an allem, die Überlebenden sind auf fremde Hilfe angewiesen. 1800 Tote haben die verheerenden Überschwemmungen bereits gefordert. Essen und Trinken werden verteilt. Von Helikoptern aus aufgenommene Bilder des pakistanischen Fernsehens zeigten Menschen, die in ihren Dörfern auf den Dächern beschädigter Häuser Schutz vor den reissenden Fluten suchten. Luftaufnahmen zeigten, dass die Fluten ganze Dörfer weggespült hatten. Mit Militärhubschraubern und mehr als 100 Booten versuchten Rettungskräfte, zu rund 27 300 noch immer von Wasser eingeschlossenen Einwohnern der Provinz vorzudringen. Menschen, die sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuss einen Weg durch die Wassermassen bahnten. Nach Angaben des UNO-Büros für humanitäre Hilfe in Pakistan konnten sich die Rettungskräfte noch immer kein klares Bild vom kompletten Ausmass der Flutkatastrophe machen. Viele Kommunikationswege sind zusammengebrochen. Die Behörden würden in Schulen Notunterkünfte errichten, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Doch aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse steigt in den Massenunterkünften die Gefahr von Seuchen. Ärzte berichteten bereits aus Notlagern von Ausschlägen und Durchfallerkrankungen. Zudem gebe es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Aus dem Distrikt Swat wurden mehrere Cholera-Fälle bekannt, wie der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, erklärte. Hussain sprach von der «schlimmsten Flut in Khyber Pakhtunkhwa in der Geschichte des Landes». Die Provinz Khyber Pakhtunkhwa grenzt im Nordwesten des Landes an Afghanistan. Viele Menschen dort wohnen in abgelegenen Bergdörfern. Mehr als 27000 Menschen waren am Sonntag noch immer von den Fluten im Nordwesten des Landes eingeschlossen, ... ... wo nach heftigem Monsunregen zahlreiche Flüsse über die Ufer traten.

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Die Flutkatastrophe in Pakistan nimmt immer grössere Ausmasse an. Militär, Polizei und freiwillige Helfer versuchten jetzt, vor allem im südlichen Distrikt Shadadkot die Deiche des mächtigen Indus zu sichern, sagte ein Behördensprecher. Mehr als 90 Prozent der dortigen Bevölkerung habe vor den Überschwemmungen gerettet werden müssen. Die Flutwelle nähere sich nun dem Arabischen Meer.

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Seit Beginn der Flutkatastrophe Ende Juli steht ein Fünftel Pakistans unter Wasser. Mindestens 160 000 Quadratkilometer Land wurde gemäss der UNO überschwemmt, das entspricht etwa vier Mal der Fläche der Schweiz.

Knapp eine Million Häuser sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA zerstört worden. Tausende gerettete Menschen sind noch ohne Unterkunft, Nahrung und Wasser. Fast 1500 Menschen kamen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt. Insgesamt sind rund 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt von der Katastrophe betroffen.

Ban: «Welt hat Ausmass zu spät begriffen»

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte mit Nachdruck sofortige und umfassende Hilfen. «Wir können nicht dastehen und zusehen, wie diese Natur- zu einer von Menschen gemachten Katastrophe wird», schrieb Ban in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Rundschau» vom Samstag.

Ban beklagte, die Welt habe das Ausmass der Katastrophe zu langsam und zu spät begriffen. Die Folgen des Hochwassers stellten «die Welt vor die grösste solidarische Herausforderung unserer Zeit».

Das Ausmass der Katastrophe sei «unfassbar», er habe bei seinem Besuch in Pakistan Menschen getroffen, «die in täglicher Angst leben, ihre Kinder nicht ernähren zu können oder sie vor der nächsten Welle der Katastrophe nicht schützen zu können: Durchfall, Hepatitis, Malaria und Cholera».

Fast 500 Millionen Dollar gespendet

Die Appelle scheinen allmählich Wirkung zu zeigen. Wie die UNO in New York mitteilte, kamen bislang knapp 500 Millionen Dollar an Hilfe für das Land zusammen.

Grösster Geldgeber sind die USA mit 102 Mio. Dollar, die bereits bezahlt wurden, sowie weiteren 60 zugesagten Millionen. Ihnen folgen Grossbritannien und Saudi-Arabien mit jeweils 65 Mio. Dollar, beide haben rund 40 Millionen Dollar zusätzlich angekündigt.

Die Staaten der Europäischen Union und die EU-Kommission stockten ihre Hilfe auf gut 250 Millionen Dollar auf. Die Schweiz hat einen Betrag von 4,5 Millionen Franken versprochen.

Mehr Gelder notwendig

In einem Hilfsappell vor zehn Tagen hatten die Vereinten Nationen um 460 Millionen Dollar für die Flutopfer gebeten. Mittlerweile wird der benötigte Betrag allerdings deutlich höher eingeschätzt.

Die Schätzung vom 11. August sei von sechs Millionen Menschen ausgegangen, die sofortige humanitäre Hilfe benötigten, sagte der Sprecher des UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Maurizio Giuliano.

Diese Zahl sei nun auf mindestens acht Millionen Menschen gestiegen. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Bedarf an Spenden stark ansteigen wird», sagte Giuliano. «Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit.»

(sda)