Papst unter Druck

04. Februar 2009 09:38; Akt: 04.02.2009 12:24 Print

«Den Holocaust zu leugnen ist ungeheuerlich»«Den Holocaust zu leugnen ist ungeheuerlich»

Der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky hat von Papst Benedikt XVI. die Rücknahme der umstrittenen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson verlangt.

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Schmusekurs mit den Traditionalisten: Der Widerstand gegen Papst Benedikt XVI. wächst (Bild: Seth Wenig)

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«Den Holocaust zu leugnen ist ungeheuerlich und eine grosse Belastung für die Beziehungen zum Judentum», sagte Sterzinsky der «Bild»-Zeitung. Die Exkommunikation von Williamson aufzuheben sei ein Vorgang, den er nicht für richtig halte. «Das muss in Ordnung gebracht werden», erklärte der Erzbischof.

Das Mindeste sei jetzt eine Überprüfung dieser Entscheidung: «Nach meinem Empfinden ist zu erwarten, dass dabei ein anderes Ergebnis herauskommt», erklärte er. Für den Fall, dass Fehler gemacht worden seien, müsse eine Entschuldigung ausgesprochen werden, «egal, auf welcher Ebene», fügte Sterzinsky hinzu.

Zentralrat der Juden begrüsst Einmischung Merkels

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüsste ausdrücklich die Einmischung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Debatte um Williamson. «Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet», sagte der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». «Das zeigt, welche Umsicht und welches Verantwortungsgefühl sie hat», fügte Kramer an. Merkel hatte Papst Benedikt XVI. am Dienstag mit deutlichen Worten kritisiert. Der Papst müsse «sehr eindeutig» erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe.

Auch der Zentralrat fordert eine Klärung: «Sie ist wichtig nicht nur für die Kirche, sondern auch für die bundesdeutsche Gesellschaft.» Als einzigen Weg aus der Krise sieht der Zentralrat ein Gespräch mit dem Papst: «Ich werde meinen Gremien vorschlagen, mit der Bischofskonferenz zusammen ein Gespräch mit dem Papst zu führen. Ich hoffe, dass dieses Signal gehört wird», sagte Kramer. Es könne nicht im Interesse des Zentralrates sein, den Vatikan und die Kirche zu schwächen. «Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir eine starke Kirche. Die Religionsgemeinschaften haben eine grosse Verantwortung.»

Müller für Amtsverzicht von Bischöfen der Piusbruderschaft

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller forderte die wieder in die Kirche aufgenommenen Bischöfe der umstrittenen Piusbruderschaft zum Amtsverzicht auf. Sie sollten «am besten ihr Amt niederlegen und sich in politischen und kirchenpolitischen Fragen nicht mehr öffentlich äussern», sagte Müller der «Passauer Neuen Presse». Allein an der Bruderschaft liege es nun, «die ausgestreckte Hand zu ergreifen und ihre Bereitschaft zu zeigen, sich voll und ganz der katholischen Lehre anzupassen und sich von jeglicher Art von Antisemitismus zu distanzieren». Erst dann werde man weitere Schritte bedenken können.

Müller betonte, die vier Bischöfe - darunter der Holocaust-Leugner Williamson - seien vom Papst nicht rehabilitiert worden. Es müsse erst noch geprüft werden, «ob sie die Anforderungen, welche die katholische Kirche an ihre Priester stellt, erfüllen». Dazu gehöre vor allem die Anerkennung des Papstes und der im Zweiten Vatikanischen Konzil verbindlich vorgelegten Lehre.

(dapd)