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Angekündigtes Geständnis
14. Oktober 2010 13:37; Akt: 14.10.2010 16:29 Print
«Benji D. zieht den Notfallschirm»
von Ronny Nicolussi - Im letzten Moment hat einer der drei Schläger von München die Verteidigungstaktik gewechselt. Ein Rechtsexperte sagt im Interview von 20 Minuten Online, was das für seine Kollegen bedeutet.
Die Ankündigung kam gestern Abend völlig überraschend. «Benji D. wird vor Gericht ein Geständnis ablegen», sagte sein neuer Anwalt Steffen Ufer. Zuvor hatte sich Benji D., der zusammen mit Ivan Z. und Mike B. des gemeinschaftlichen versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt ist, wie seine Kollegen während Monaten in Schweigen gehüllt. Rechtsexperte Andreas Homuth erklärt den Gesinnungswandel.
20 Minuten Online: Herr Homuth, was hat dieses plötzliche Geständnis zu bedeuten?
Andreas Homuth*: Da macht sich offenbar einer zum Kronzeugen. Die Gründe sind offensichtlich. Indem er sich reuig zeigt, erhofft sich der Angeklagte, eine geringere Strafe zu erhalten.
Weshalb haben die Angeklagten denn so lange geschwiegen?
In Deutschland braucht jeder Angeklagte einen Verteidiger. Es kann also nicht einer alle drei verteidigen. Will heissen, die drei Verteidiger sollten untereinander ausmachen, wie sie ihre Verteidigungslinie aufbauen wollen. Eine Möglichkeit besteht darin, gar nichts zu sagen. Dadurch wird die Beweislage für die Staatsanwaltschaft im Regelfall deutlich schwieriger. Das funktioniert aber nur, wenn alle mitmachen.
Rechtsexperte Andreas Homuth: «Da macht sich offenbar einer zum Kronzeugen.»
Infografik
Die Blutspur der München-Prügler
Video
München-Prügler im Kastenwagen
München-Prügler kommen vor GerichtAnwalt Kohler - Prügler von MünchenPrügler von München
Weshalb schert denn jetzt einer aus?
Entweder tut er es auf Anraten seines Anwalts oder weil er kalte Füsse bekommen hat. Sicher wird er aber seine Kollegen mitbeschuldigen und sich selbst reuig zeigen. Bei der Strafzumessung wird ihm seine Reue und sein Geständnis einen Bonus bringen.
Wird das gleichzeitig einen negativen Einfluss auf das Urteil von Ivan Z. und Mike B. haben?
Das kommt darauf an, ob sie jetzt nachziehen und ebenfalls ein Geständnis ablegen werden. Ansonsten hat das indirekt schon einen Einfluss. Ausserdem wirkt das erste Geständnis immer deutlich entlastender als dasjenige blosser Nachzügler.
Das heisst?
Mit seinem Geständnis schafft der Angeklagte eine Beweissituation, die die Staatsanwaltschaft vorher nicht hatte. Zum Beispiel Angaben über den konkreten Ablauf der Tat, zum Beispiel die Anzahl Tritte und Schläge oder Angaben darüber, wer wann und wohin geschlagen hat. Zudem wird das Gericht den anderen vorhalten: «Schaut euch mal euren Kollegen an, der hat sich reuig gezeigt und den Tatvorwurf eingeräumt – ihr nicht!» Dieses störrische und renitente Verhalten der Mitangeklagten kann zu deren Lasten gewürdigt werden und zu längeren Strafen führen.
Eigentlich hätten heute die Plädoyers gehalten werden sollen. Kommt das Geständnis nicht ein bisschen spät?
Benji D. zieht die Reissleine des Notfallschirms wirklich im letzten Moment. Weshalb kann ich nur mutmassen. Es ist aber gang und gäbe, dass das Gericht in solchen Fällen erheblich auf die Angeklagten einwirkt und sagt: «Freundchen, das ist jetzt aber die letzte Möglichkeit, das zerbrochene Porzellan noch ein bisschen zu kitten.» Möglicherweise war es aber auch der Anwalt, der die Reissleine im letzten Moment zog.
Ich dachte, ein Geständnis wäre sogar noch später möglich gewesen.
Das stimmt. Theoretisch ist ein Beweisantrag oder ein Geständnis bis kurz vor der Urteilsverkündung möglich. Dann müsste jedoch nochmals in die Hauptverhandlung eingetreten werden. Das bedeutet auch, es müsste nochmals plädiert werden und die Angeklagten hätten nochmals das letzte Wort. Damit macht man sich beim Gericht in der Regel aber keine Freunde. Deshalb denke ich, Benji D. hat den letztmöglichen günstigen Augenblick für ein Geständnis gewählt.
* Andreas Homuth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Lehrbeauftragter der Hamburger Fernhochschule. Daneben ist er auch seit 15 Jahren als Strafverteidiger tätig.
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Alle 63 Kommentare































Wer bezahlt den teueren Staranwalt
Steffen Ufe, der sich spezialisiert hat, Höchstkriminelle zu helfen mit Bewehrungsstrafen heil davon kommen? Leider können die Opfer keine Staranwälte sich leisten, so werden sie ein zweites Mal Opfer, weil auch beim Schadenersatz wird man stark benachteiligt. Den Löwenanteil kriegt ja der Staranwalt des Kriminellen.
Benji D. ist eigentlich fromm (?!!!!)
Klar, AUF ANRATEN seines neuen Anwaltes plötzlich seinen Hang zur Religiosität entdeckt! Das ist gerade ein Hohn. Kein Wunder, dass das Opfer den Saal verlassen hat. Diese Maskerade zieht bei mir nicht. Jetzt, wo ihm ein paar Jährchen Zwangsferien in Deutschland erwarten, ist er plötzlich gläubig. Ein gläubiger Mensch (wobei die Frage ist, welche Religion gemeint ist) verprügelt niemals jemanden fast zu Tode aus Spass. Ein schlechter Schauspieler u. ein noch dümmer Anwalt. Aber eben jetzt geht es um die eigene Haut zu retten. Späte Reue ist für mich keine. Das nützt jetzt dem Opfer nicht mehr.
Religiös?
Mein Gott: Habe gehört, der eine, geständige Täter, soll religiös geworden sein. - Da wird offenbar wirklich alles versucht, den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sogar der Herrgott muss plötzlich herhalten.