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Eltern von Schläger
20. Dezember 2010 17:44; Akt: 21.12.2010 15:42 Print
«Mike hat niemandem ins Gesicht getreten»
Mike B.s Eltern haben ihr Schweigen gebrochen: Die Attacke ihres Sohnes beschreiben sie als «unglückliches Zusammenspiel verschiedener Ereignisse». Mike sei kein Monster.
Lange haben Jolanda und Antonio B. geschwiegen. Sie wollten sich nicht mit Journalisten über ihren Sohn – den Schläger von München - äussern. Nun haben sie zum ersten Mal seit über einem Jahr die Öffentlichkeit gesucht und den Alltag von Mike B. im Knast beschrieben. «Uns ist wichtig», begründet die Mutter im Interview mit der «Schweizer Illustrierten», «dass unsere Freunde und Verwandte glauben können: Mike hat nicht einem Menschen ins Gesicht getreten». Sie sind überzeugt, dass Mike B. nicht den fatalen Tritt gegen das Gesicht von Versicherungskaufmann Wolfgang O. gemacht hat.
Infografik Die Blutspur der München-Prügler«Mike ist kein Monster»
«Unabhängige Aussagen von erwachsenen Zeugen belegen, dass Mike diese Tat nicht begangen hat», sagt Jolanda B. Daher sei das Urteil ungerecht und «die sieben Jahre Haft zu viel», wie die Eltern finden. Der Entscheid, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, ist längst gefallen. Sie werfen in ihrem Interview vielmehr Benji D. vor, Mike ungerechtfertigterweise zu belasten: «Er [der Richter] stützt sein Urteil auf Benjis Aussage kurz vor Prozessende und die Aussage eines guten Freundes von Benji», kritisiert der Vater das Urteil. Alle Jugendlichen seien aber zum Tatzeitpunkt schwer betrunken gewesen und hätten Erinnerungslücken. «Mike zum Beispiel hatte zwischen 1,9 und 2,4 Promille!»
Für sie ist klar: «Mike ist kein Monster. Er sitzt für etwas, was er nicht getan hat.» Ihr Sohn habe am ersten Verhandlungstag aussagen wollen, doch der Verteidiger von Wolfgang O. habe zuerst geplaudert und dann habe der Anwalt von Mike entschieden, man schweige. Wieso, bleibt im Interview unklar. Die Eltern sagen bloss: «Mike hoffte, der Prozess werde schnell eindeutig zeigen, dass er unbeteiligt war.» Sie erklären sich die Tat mit einem «unglücklichen Zusammenspiel verschiedener Ereignisse», wie der Vater sagt.
«Schlimm, unverständlich, unverzeihbar»
«Mike hat sein Portemonnaie mit seinem Ausweis, Geldkarten und 190 Euro verloren. Er verdächtigte die Obdachlosen, es genommen zu haben. Dann hatte er kurz zuvor mit einem Mädchen geschmust und gedacht – jetzt sind wir ein Paar. Bloss hat das gleiche Mädchen sofort mit einem anderen weitergeknutscht. Alle sind betrunken, ein paar falsche Worte, dunkler Park, fremde Stadt, Ausland», erklärt der Vater den Tatabend und schiebt hinterher, «das entschuldigt nichts.» Was Mike getan habe, sei «schlimm, unverständlich, unverzeihbar».
Die Tat ihres Sohnes ist eine Zerreissprobe für die Familie: Abend für Abend lesen sie Gutachten, Zeugenaussagen und Polizeirapporte, wie es im Artikel der «SI» heisst. Der Prozess habe die Ersparnisse aufgebracht. «Bis jetzt kostet uns das Verfahren mit Anwalts- und Reisekosten, Täter-Opfer-Ausgleich und Arbeitsausfall um die
Im Eishockey fehlte ihm der Biss
Ihren Sohn beschreiben sie als «sanften, ruhigen Typ», das hätten auch die Gutachter bestätigt. Im Eishockey habe es Mike nicht geschafft, weil er zu wenig aggressiv gewesen sei, weil ihm der Biss fehlte. «Mike liebte es im Alltag zurückgezogen. Er hat in seinem Zimmer am Computer gespielt. Ab und zu Schach mit mir», so Vater Antonio. Im Gefängnis habe er sich wenig verändert. «Mike hat eine Einzelzelle mit Klo. Er ist eitel, teilt nicht gerne die Toilette und hat strikte Ordnung in seinen Hygieneprodukten», so Jolanda B. Er sei auch zu Hause sehr ordentlich gewesen.
Trotz der Distanz und der Haft fühlen sich die Eltern dem «Sohn so nahe wie noch nie», wie die Mutter sagt: «Wir haben ihm fast hundert Briefe geschrieben.» Persönlicher Kontakt ist nur alle zwei Wochen für eine Stunde möglich, ansonsten hält eine Sozialarbeiterin den Kontakt zwischen Mike B. und Familie aufrecht. «Einmal in der Woche rufe ich diese Frau an. Sie erzählt mir dann von Mike und erzählt ihm aus unserem Leben. Bei ihr weiss ich ihn in guten Händen», so die Mutter, die sich tagsüber manchmal auf das leere Bett des Sohnes setzt. «Wir fragen uns», so die Mutter weiter, «was wir falsch gemacht haben. Wir waren eine normale Familie.»
(amc)




























