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München-Prozess
10. März 2010 14:38; Akt: 20.03.2010 20:56 Print
«Selbst die Angeklagten waren ergriffen»
Das Neuste aus München: Das Hauptopfer der München-Prügler hat heute Vormittag unter Schmerzen vor Gericht ausgesagt. Der bulgarische Student hat Mike B. als den Haupttäter erkannt. Die Gerichtssprecherin kritisiert das Schweigen der Angeklagten scharf.
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Die Blutspur der München-Prügler
Die Einvernahme des Hauptopfers der München-Prügler ist heute Vormittag zu Ende gegangen. Wolfgang O., ein 47-jähriger Versicherungskaufmann, telefonierte gerade mit seiner Frau am Sendlinger Tor, als ihn die erste Faust der Prügler traf. Noch heute, so war an der Pressekonferenz des Landgerichts München zu erfahren, ist das Opfer gezeichnet vom brutalen Angriff.
Der Richter: Reinhold Baier(Bild: Keystone/Walter Bieri)
Werden die Angeklagten weiter Schweigen? Christian Finke, Anwalt von Benjamin D(Bild: Keystone/Walter Bieri)
Rainhard Keck von der Münchner «Abendzeitung» war an der Pressekonferenz anwesend. Er erzählt: «Die Einvernahme von Wolfgang O. ist beendet. Er sei noch stark vom Unfall gezeichnet, habe vor Gericht aber äusserst sachlich vorgetragen – trotzdem seien alle von seinen Schilderungen ergriffen gewesen, sogar die Angeklagten!» Man hätte eine Stecknadel fallen hören, habe die Gerichtssprecherin gesagt. Wolfgang O. habe keinerlei Aggressionen gegen seine Peiniger gezeigt.
Die Angeklagten, sagt Eberhard Unfried, Gerichtsreporter der Münchner «TZ», hätten aber weiterhin geschwiegen: «Weder von ihnen noch von ihren Anwälten kam nur ein Wort der Entschuldigung über die Lippen.»
Hauptopfer geht bald in die Reha
Wolfgang O. sei der Angriff des Prügeltrios vorgekommen wie ein «rauschender Blitz», sagt Rainhard Keck, danach sei er in Ohnmacht gefallen. «Nach dem Angriff war fast jeder Gesichtsteil zertrümmert», weiss Keck. Der Versicherungskaufmann habe einen Leidensweg an Operationen hinter sich, mehrere stünden ihm noch bevor. Bald gehe er zudem in die Reha. Auch im Gerichtssaal habe man bemerkt, wie fest ihn der Angriff bis heute mitgenommen habe: «Er tupfte mit einem Tuch ständig an sein Auge, das eine Flüssigkeit absondert», sagt Rainhard Keck.
Eberhard Unfried sagt, das Sprechen bereite dem Versicherungskaufmann noch immer Mühe, er höre und sehe schlechter und habe kognitive Schäden. Unfried: «Er müsse um seinen Arbeitsplatz kämpfen, es sei nicht klar ob er weiterarbeiten könne.»
Auch die Einvernahme des bulgarischen Studenten, den das Schläger-Trio kurz vor der Heimkehr in die Jugendherberge mit einigen Faustschlägen leichtverletzt hatte, ist abgeschlossen. «Er konnte den Täter erkennen, der ihm als Erster ins Gesicht schlug: Es war Mike B., der Haupttäter.»
Schweigen macht keinen Sinn
Bei der Pressekonferenz, so Unfried, habe die Gerichtssprecherin das beharrliche Schweigen der Angeklagten und ihrer Anwälte offen kritisiert. «Mittlerweile hätten fast alle Opfer ausgesagt, damit seien auch die Chancen vorbei, mit einem Geständnis eine deutliche Strafmilderung zu bewirken.» Laut Gerichtssprecherin könne ein Geständnis jetzt immer noch erfolgen, falle aber nicht mehr stark ins Gewicht.
«Die Gerichtssprecherin kritisierte weiter, dass die Schweigestrategie nicht das gewöhnliche Vorgehen im Jugendrecht sei, sie sehe den Sinn dahinter nicht», berichtet Eberhard Unfried weiter.
Psychiatrische Behandlung
Gestern Abend waren die drei Mazedonier, welche sich das Prügel-Trio im Nussbaumpark vorgeknöpft hatte, vernommen worden. Reinhard Keck sagte heute Vormittag gegenüber 20 Minuten Online, dass es das Hauptopfer aus dem Nussbaumpark, einen teilweise gelähmten Mazedonier, übel erwischt habe. «Er hat Angstzustände und Panikattacken, er kann nicht mehr schlafen und ist noch immer in psychiatrischer Behandlung», sagt Keck. Die physischen Wunden seien aber geheilt.
Eberhard Unfried von der Münchner TZ weiss, dass der Richter sich gestern Abend zur verschwiegenen Verteidigungsstrategie der Angeklagten geäussert habe. «Der Richter appellierte an die Angeklagten, dass sie jetzt nochmals die Gelegenheit hätten, ein Geständnis abzulegen»,sagt Unfried. Er habe ihnen versichert, dass sich dies strafmildernd auswirke. «Der Richter bezeichnete die bisherige Verteidigungsstrategie als destruktiv», so Unfried.
(job)


























